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19.11.2003

Nahrungsmittelindustrie mit positivem Jahr 2003

  • Optimismus in den Unternehmererwartungen wächst, Exporte legen zu und die Handelsbilanz verbessert sich
  • Allerdings ist die Marktbereinigung noch nicht abgeschlossen
  • Ertragsprobleme und nur bescheidene Wachstumsperspektiven fördern die Unternehmenskonzentration

Die aktuelle Konjunkturentwicklung der österreichischen Nahrungsmittelhersteller und
-verarbeiter ist stabil. Zu diesem Schluss kommt Günter Wolf im jüngsten Branchenbericht der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) Konzernvolkswirtschaft. Die Branche blieb vom Konjunktureinbruch schon in den letzten Jahren weitestgehend verschont. Produktions-leistung und Umsatz sind um 2 bis 3 Prozent gestiegen und damit rascher als im Industriedurchschnitt. Dieser Wachstumsvorsprung bleibt 2003 voraussichtlich erhalten. Positive Signale kommen vor allem vom Optimismus in den Unternehmererwartungen und vom Außenhandel. Bis Juli 2003 sind die Exporte mit Nahrungsmittel um 3,2 Prozent und mit Getränken um 13,4 Prozent gestiegen. Das Importwachstum lag deutlich darunter (plus 0,3 Prozent bzw. plus 5,5 Prozent), womit sich die Handelsbilanz mit Nahrungs- und Genussmitteln im Gegensatz zur gesamten Handelsbilanz weiter verbessern konnte.

Bemerkenswert war der Beschäftigungszuwachs in der Nahrungsmittelindustrie im August 2003: Plus 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresaugust ist zwar vernachlässigbar gering, war aber das erste positive Monatsergebnis seit mehr als acht Jahren. "Ein Ende der Marktbereinigung und der Unternehmenskonzentration in der Branche kündigt die positive Entwicklung 2003 allerdings noch nicht an", so Günter Wolf. Nicht nur weil die Beschäftigung in der Branche im September wieder um 0,2 Prozent zurückgegangen ist.

Mit der Übernahme des EU-Handelsregime Mitte der 90er Jahre sind der Konkurrenz- und Preisdruck in weiten Teilen der Branche massiv gestiegen. Bis 2002 fielen den folgenden Restrukturierungsmaßnahmen ein Fünftel der Betriebe und gut 12 Prozent der Arbeitsplätze zum Opfer. In diesem Zeitraum ist der Umsatz der heimischen Nahrungsmittelindustrie im Vergleich zu den Exporten und Importen mit Nahrungsmittel relativ schwach gestiegen. Österreichs Nahrungsmittelindustrie hat also sukzessive Inlandsmarktanteile verloren, konnte aber parallel dazu in einigen Teilbereichen Auslandsmarktanteile gewinnen. „Einfach formuliert, stecken die Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie noch im Prozess der Spezialisierung auf ihre komparativen Vorteile“, sagt BA-CA Ökonom Günter Wolf. Stärkere Veränderungen sind noch in der Fleisch- und Milchverarbeitung zu erwarten, Sparten, in denen die Diskrepanz zwischen erfolgreichen, innovativen Unternehmen und Unternehmen, die nur Standardprodukte anbieten, sehr hoch ist.

Längerfristige Perspektiven der Nahrungsmittelindustrie werden wesentlich von der Entwicklung im Einzelhandel und den Veränderungen der privaten Konsumnachfrage geprägt. Während die Verarbeitungsbetriebe die Preiseinbußen bei Nahrungsmittel nach dem EU-Beitritt noch durch niedrigere Rohstoffpreise überwiegend kompensieren konnten, hat der Preisdruck im Lebensmitteleinzelhandel auf ihre Erträge durchgeschlagen. Insgesamt waren die Entlastung bei den Rohstoffkosten und die Produktivitätsgewinne zu gering um die Ertragsprobleme der Nahrungsmittelindustrie, die in der zweiten Hälfte der 90er Jahre auftauchten, zu lindern. Gemessen an ihrer Umsatzrentabilität, zuletzt 1,6 Prozent laut einer Erhebung der Österreichischen Nationalbank, konnte die Branche den erheblichen Ertragsrückstand zum Industriedurchschnitt (2,5 Prozent) nicht aufholen. Vor 1995 war die Nahrungsmittelindustrie noch eine der bestverdienenden Industriebranchen. Günter Wolf von der BA-CA Konzernvolkswirtschaft: "Die Ertragsentwicklung lässt vermuten, dass die positiven Effekte der Strukturanpassung in der Branche großteils am neu entstandenen Konkurrenz- und Ertragsdruck, der nicht nur von Seiten des Einzelhandels kommt, verpufft sind.“

Für eine weitere Marktbereinigung in der Nahrungsmittelindustrie sprechen schließlich die bescheidenen Nachfrageperspektiven. So wachsen die Ausgaben der Österreicher für Nahrungsmittel und Getränke deutlich langsamer als die gesamten Konsumausgaben. In den letzten zwei Jahrzehnten erreichten die Ausgabenzuwächse durchschnittlich 2,8 Prozent im Jahr, bzw. 4,4 Prozent für Essen und Getränke, die außer Haus konsumiert wurden. Der gesamte Konsum stieg gleichzeitig um durchschnittlich 5,2 Prozent im Jahr. Neue Absatzchancen findet die Branche noch auf Auslandsmärkten - vor allem Osteuropa gilt als Hoffnungsmarkt - und im Wandel der Nachfragestruktur. Allerdings können von den Exportmöglichkeiten, und von der wachsenden Nachfrage nach Fertiggerichten beispielsweise, nur Teilbereiche der Branche profitieren.


Rückfragen:   Bank Austria Creditanstalt Group Public Relations
Tiemon Kiesenhofer, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 52819;
E-Mail: tiemon.kiesenhofer@ba-ca.com