09.05.2003

Südosteuropa: Wachstumsregion vor der eigenen Haustür

  • Höhere Wirtschaftsdynamik als EU-Beitrittskandidaten.
  • Stabilisierungserfolge steigern internationale Attraktivität.
  • Österreich verzeichnet Zuwächse im Export.

Südosteuropa (SEE) ist nach den politischen Veränderungen der letzten Jahre auf dem besten Weg, die Wachstumsregion innerhalb der osteuropäischen Wachstumsmärkte zu werden. Die Region Südosteuropa umfasst die Länder Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Serbien und Montenegro, sowie die beiden EU-Beitrittskandidaten für 2007, Bulgarien und Rumänien. Im Jahr 2002 betrug das Wirtschaftswachstum in der SEE Region durchschnittlich 4,5 Prozent. "Damit erreichte die Wachstumsdynamik in Südosteuropa wie schon 2001 einen fast doppelt so hohen Wert wie in den acht Ländern Mittel- und Osteuropas (MOEL 8), die im Jahr 2004 der Europäischen Union beitreten werden (MOEL 8: +2,4 Prozent)", sagte Stefan Bruckbauer, stellvertretender Chefökonom der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) im Rahmen der Veranstaltung "Südosteuropa – Die prosperierende Region der nächsten Jahre" im Haus der Industrie.

Der hohen Dynamik in der Region steht derzeit jedoch noch eine relativ geringe Wirtschaftskraft gegenüber. Zum Unterschied zu den acht EU-Beitrittskandidaten hat die Wirtschaft Südosteuropas nicht nur unter den Problemen der Transformation in eine Marktwirtschaft gelitten. Zusätzlich wurde sie durch Konflikte und Kriege belastet. Auch die Teilung des ehemaligen Jugoslawiens, verbunden mit der Auflösung des einheitlichen Wirtschaftsraums und der Unterbrechung der bisherigen Handelsströme wirkte negativ. "Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf erreicht in Südosteuropa daher derzeit mit durchschnittlich 2.100 Euro nur 35 Prozent des Niveaus der EU-Beitrittskandidaten", meint Stefan Bruckbauer. "Abgesehen von Kroatien, dessen BIP pro Kopf mit 5.270 Euro mehr als doppelt so hoch ist wie jenes von Rumänien, dem Land in der Region mit dem zweithöchsten Wert, ist das Wohlstandsniveau in Südosteuropa mit einer Bandbreite von 1.300 (Serbien und Montenegro) bis 2.100 (Rumänien) Euro relativ ausgeglichen", merkt Walter Pudschedl, der Südosteuropa-Experte der BA-CA an.

Wirtschaftliche Stabilisierung
Mit der politischen Beruhigung haben Maßnahmen zur makroökonomischen Stabilisierung eingesetzt und Südosteuropa auf dem Weg vom wirtschaftlichen Nachzügler zum Wachstumsspitzenreiter in Osteuropa unterstützt. Hohe Wechselkursstabilität und die deutlich gesunkene Inflation stärken zunehmend das Vertrauen der Investoren. Durch das verbesserte Geschäftsumfeld verstärkt sich auch das Engagement der internationalen Investoren. Basis dafür sind die Umgestaltung des Rechtsrahmens, die Erhöhung der Rechtssicherheit sowie die Beschleunigung der Privatisierung. Der Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen nach Südosteuropa beträgt mittlerweile 3,5 bis 4 Milliarden Euro pro Jahr. "Der Kapitalzustrom aus dem Ausland wird sich in den nächsten Jahren noch erhöhen. Die großen Privatisierungen im Bereich Industrie, Banken und Versorgungsunternehmen werden erst erfolgen", ist Bruckbauer überzeugt.

Österreichische Exporterfolge
In unmittelbarer Nachbarschaft Österreichs hat sich ein dynamischer Wachstumsmarkt etabliert, der mit dem Abschluss der Verhandlungen über die Gründung einer regionalen Freihandelszone ab Mitte 2003 weitere Impulse erhalten wird. Mit 55 Millionen Einwohner, oder drei Viertel der Bevölkerung der EU-Erweiterungsrunde 2004, ist Südosteuropa ein beachtlicher Markt, den österreichische Exporteure immer stärker für sich entdecken.

Im abgelaufenen Jahr 2002 stiegen die Ausfuhren der österreichischen Unternehmen in die Region im Vergleich zu 2001 um 17,4 Prozent auf über 2,7 Milliarden Euro an. Damit fiel die Exportdynamik nach Südosteuropa deutlich höher aus als der Anstieg der gesamten österreichischen Ausfuhren mit 4,1 Prozent. Der Anteil der Exporte in die Region nahm 2002 auf 3,5 Prozent der gesamten österreichischen Ausfuhren zu. "Der Handelsbilanzüberschuss mit den SEE Ländern stieg 2002 auf insgesamt 1,6 Milliarden Euro", stellt Bruckbauer fest. "Die Exporterfolge in Südosteuropa lieferten einen wichtigen Beitrag zur positiven Handelsbilanz Österreichs. Diese hat im Vorjahr erstmals seit Jahrzehnten einen Überschuss ausgewiesen", so Bruckbauer weiter.

Mit der internationalen Einbindung der Region in Europa – sowohl politisch als auch wirtschaftlich – ist mittelfristig mit einer hohen Wachstumsdynamik zu rechnen. Diese wird den wirtschaftlichen Aufholprozess Südosteuropas gegenüber den alten und neuen EU-Mitgliedern beschleunigen. "Die Region Südosteuropa wird mit durchschnittlichen Wachstumsraten von 5 Prozent der Zukunftsmarkt am europäischen Kontinent sein. Der große Vorteil dabei: er liegt direkt vor der österreichischen Haustür", meint Bruckbauer.


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