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20.01.2003

Studie: Russland stabilisiert Europa

  • Öl- und Gaslieferungen aus Russland erhalten im Zuge der Anspannungen im Nahen Osten eine neue Bedeutung für Europa.
  • Russlands Anteil an Europas Energieversorgung könnte sich auf 20 % verdoppeln.

Während die gegenwärtigen Anspannungen im Nahen Osten (Irak, Saudi Arabien) anhalten, könnte Russland eine neue Bedeutung für Europas Energiewirtschaft erhalten. Gegenwärtig kommen mehr als 10 Prozent der Rohölimporte aus Russland. Bei entsprechenden Investitionen in Förderung und Infrastruktur könnte sich dieser Anteil bis zum Jahr 2020 verdoppeln. „Wenn die russische Energiewirtschaft tiefgreifend reformiert wird, kann sie nicht nur Motor der Wirtschaftsentwicklung Russlands sein, sondern auch Europas Unabhängigkeit von Lieferungen aus dem Nahen Osten stärken“, analysiert BA-CA Chefökonomin Marianne Kager.

Kern der Reform müsse auch die Trennung von Produktion und Transport sein, wobei nur das Transport- und Verteilungssystem in Staatshand bleiben solle. „Ob neue (private) Eigentümer bereit sein werden, in den Energiesektor zu investieren, wird maßgeblich davon abhängen, ob die Preise am Inlandsmarkt in Richtung Weltmarktpreise angehoben worden können“, meinen die Ökonomen. Derzeit liegen z.B. die heimischen Gaspreise noch etwa drei Viertel unter den Weltmarktpreisen. Das ist das Ergebnis einer der Studie des Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW), die von der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) in Auftrag gegeben wurde.

„Der ‚Energie-Dialog‘, der seit Oktober 2000 zwischen EU und Russland institutionalisiert wurde, hat zwar bisher wenig konkrete Resultate gebracht, wird aber im Zuge der Reform der russischen Energiewirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen“, so Kager weiter. Der Dialog sieht unter anderem die Anerkennung bestimmter neuer Transportinfrastrukturen als von „gemeinsamem Interesse" vor. Darunter fällt z.B. die Gasrohrleitung Jamal-Europa durch Belarus und Polen, die nördliche transeuropäische Gasrohrleitung, die Entwicklung des Schtokman-Fördergebiets oder die Verknüpfung des Ölpumpsystems Druschba durch Belarus und die Ukraine mit dem Adria-Netz. Seit Dezember 2002 hat auch Russlands Gasprom, die Aktivitäten verstärkt, um europäische Energieunternehmen und Banken für den Bau einer 3000 km langen und 5,7 Mrd. Euro teuren Pipeline von Russland nach Deutschland unter dem Baltischen Meer zu gewinnen.

Zweitgrößter Nettoexporteur von Rohöl
Russland ist derzeit nach Saudi Arabien der weltweit zweitgrößte Nettoexporteur von Rohöl (siehe Tabelle). Bei den gesicherten Ölreserven liegt es an achter Stelle und es verfügt über fast ein Drittel der weltweiten Erdgasreserven. Gegenwärtig kommt das meiste russische Öl von den Westsibirischen Feldern. Da viele abgelegene Regionen noch wenig erforscht sind, könnte Russlands Anteil an den Energiereserven der Welt wesentlich höher sein als an den bereits gesicherten Reserven.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlebte die russische Ölindustrie, die für 90% des sowjetischen Ausstoßes verantwortlich war, eine Periode zeitweiligen Niedergangs. Mitte der 90-er Jahre wurde die Ölindustrie weitgehend privatisiert. Der Rückgang der Nachfrage durch die russische Industrie und mangelnde Investitionen reduziertren die Produktion zwischen 1992 und 1998 um beinahe ein Viertel von 7,9 Mio. Fass per Tag auf 6,1 Mio. Fass. Relativ hohe Weltmarkt-Ölpreise und die Abwertung des Rubel nach der Krise von 1998 halfen der russischen Ölindustrie sich wieder zu erholen und 2002 wieder an die 7,6 Mio. Fass zu produzieren.

Die russische Regierung hat das Ziel, die nächsten Jahre den Ausstoß bei 7,8 Mio. Fass zu halten. „Um dieses Ziel erreichen und der Erschöpfung der westsibirischen Felder entgegenwirken zu können, wird es aber jährlicher Investitionen von 1 Mrd. Euro und mehr bedürfen“, so Kager. Die Ausrüstungen sind zunehmend veraltet und auch die Transport-Infrastruktur bedarf dringend der Erneuerung und Erweiterung.

Eine rasche Steigerung der russischen Energieexporte wird vor allem durch den Kapazitätsmangel bei den Export-Pipelines verhindert. Die wichtigste ist die „Druschba“ Pipeline, die aber bereits bis nahe an der Kapazitätsgrenze operiert. Transneft, das staatliche Monopolunternehmen für den Öltransport, ist bestrebt Noworossijsk, den Schwarzmeer-Ausfuhrhafen auszubauen, eine baltische Pipeline zu bauen und die Druschba und Adria-Pipeline zu verbinden. Es wird auch angestrebt, eine Pipeline nach China zu bauen sowie den Transit von Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan zu verbessern. Bei der Erschließung neuer Felder und beim Pipeline-Bau spielt zunehmend internationale Kooperation eine wichtige Rolle. Beteiligte Unternehmen sind unter anderem Shell, ExxonMobil, Texaco, Wintershall, Conoco, ENI-Agip, BP.

„Die Verschärfung der Lage im Nahen Osten und der hohe Ölpreis könnte etliche dieser Projekte beschleunigen. Europa kann aufgrund der geographischen Gegebenheiten dadurch seine Energieversorgung mit Hilfe von Russland vom Nahen Osten unabhängiger machen“, meint die Osteuropaexpertin Kager.

 Studie: The Russian Oil and Gas Sector

 Hintergrundinformationen

 

Die WIIW Studie „The Russian Oil and Gas Sector: Facing the New Challenges kann unter +43 (0) 50505 - 56148 (Tonband) oder per E-Mail pub@ba-ca.com bestellt werden.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Group Public Relations
Peter N. Thier, Tel. +43 (0)5 05 05 41100 ; E-Mail: peter.thier@ba-ca.com