04.09.2003

Bankenmarkt in CEE vor erneutem Wachstumsschub

BA-CA Bankenvergleich Zentral- und Osteuropa 2002:

  • Internationalen Banken mit hohen Marktanteil in CEE.
  • Konsolidierung in Zentraleuropa, Wachstum in Südosteuropa.
  • Österreichische Banken klar führend in der Region.


 Präsentation: Bankenvergleich Zentral- und Osteuropa 2002


Der Bankenmarkt in Zentral- und Osteuropa (CEE) wird durch die kommende EU-Erweiterung einen erneuten Schub erhalten. Der EU-Beitritt wird die Stabilität des Bankensystems erhöhen. Die Märkten werden aus Sicht der internationalen Investoren weiter an Attraktivität gewinnen. Der Bankenmarkt in CEE ist nach wie vor von den wesentlichen Merkmalen eines aufholenden Banksystems geprägt: Ein über-durchschnittliches Einkommenswachstum steht einer derzeit noch unterdurchschnittlichen Produktnutzung gegenüber. Diese beiden Faktoren, verbunden mit weiter sinkenden Zinsen und relativ stabilen Inflationserwartungen, ergeben ein großes Wachstumspotenzial für die Banken in der Region. Zu diesem Schluss kommen die Experten der Bank Austria Creditanstalt  (BA-CA) in ihrem neuesten CEE-Bankenvergleich. Die BA-CA ist innerhalb der HVB Group für die Märkte in Zentral- und Osteuropa verantwortlich.

Die internationalen Banken sind in diesem Markt bereits fest verankert. In den vergangenen zehn Jahren sind die Banksysteme in der Region weitgehend privatisiert worden. Die internationalen Banken haben in dieser Zeit ihre Markanteile kontinuierlich ausgebaut. Im Jahr 2002 stieg ihr Marktanteil weiter auf 62 Prozent; ein Plus von 3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Das gesamte Bilanzvolumen der internationalen Banken stieg um 2 Prozent auf 211 Milliarden Euro (2001: 207 Milliarden Euro). Damit setzt sich das Wachstum der internationalen Banken fort, jedoch langsamer als in den vergangenen Jahren. 2001 hatte sich der Anteil der Auslandsbanken noch um 34 Prozent gesteigert. „Dennoch: Der Bankenmarkt in Zentral- und Osteuropa hat der internationalen Konjunkturflaute getrotzt und ist im Gegensatz zu den anderen Märkten gewachsen. Das wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen“, sagt Martin Grüll, Bereichsvorstand für CEE der BA-CA.  Die Experten der BA-CA prognostizieren bis 2006 einen jährlichen Wachstum des Bankenmarkts CEE von durchschnittlich 9 Prozent.

Die Bilanzsumme des Gesamtmarktes stieg in Landeswährung um 5 Prozent. In Euro gerechnet, also nach der Wechselkursdifferenz, sank sie um 3,1 Prozent von 352 auf 341 Milliarden Euro. Größte Ursachen für den Rückgang waren die Abwertung des polnischen Zloty und die Konsolidierung des tschechischen Bankenmarkts.

Konsolidierung in Zentraleuropa, Wachstum in Südosteuropa
Eine zweite Konsolidierungsphase ist bereits eingeläutet: Im vergangenen Jahr haben sich einige internationale Banken aus der Region wieder zurückgezogen. 2002 hat sich beispielweise die Bayerische Landsbank von ihrer kroatischen Tochterbank, der Rijecka Banka, getrennt. Die Bankgesellschaft Berlin hat sich aus der Tschechischen Republik zurückgezogen und ihre Beteiligung, die Zivnostenska Banka, an den UniCredito verkauft. „In den nächsten Jahren werden weitere Player den Markt verlassen und damit die zweite Konsolidierungswelle fortsetzen“, meint Marianne Kager, Chefsvolkswirtin der BA-CA.

Die größte Wachstumsdynamik in der Region ist derzeit in Südosteuropa zu verzeichnen: Der Anteil der internationalen Banken stieg hier im Jahr 2002 überdurchschnittlich, in Bosnien-Herzegowina beispielsweise von 31 auf 56 Prozent, in Bulgarien von 70 auf 81 Prozent und in Rumänien von 38 auf 44 Prozent. Auch die BA-CA ist stark in Südosteuropa engagiert: 2002 erwarb sie die kroatische Splitska Banka sowie die bulgarische Biochim, und sie eröffnete eine Tochterbank in Bosnien Herzegowina. Heuer gründete sie eine Repräsentanz in Mazedonien und unterzeichnete im Juni den Kaufvertrag für die bosnische Central Profit Banka. „Südosteuropa ist nach wie vor der Wachstumsmarkt im Wachstumsmarkt. Deshalb werden wir, ebenso wie einige andere internationale Banken, unsere Expansion in diesen Ländern konsequent fortsetzen“ sagt CEE-Bereichsvorstand Grüll. 

Österreichische Banken liegen vorne
Die österreichischen Banken haben einen klaren Vorsprung in der Region. Mit einem Marktanteil von 27,6 Prozent (inklusive BA-CA) liegen sie deutlich vor den italienischen (14,6 Prozent) und den belgischen Banken (11,9 Prozent). Deutschland folgt mit 8,9 Prozent, die USA halten bei 8,3 Prozent, Frankreich bei 7,5 Prozent und die Niederlande bei 7,4 Prozent.
Im Ranking der Top 10 Banken in Zentral- und Osteuropa finden sich dementsprechend gleich drei österreichische Banken: die Erste Bank, die BA-CA und die RZB. 

Im Ranking nach Bilanzsumme liegt die belgische KBC mit 24,2 Milliarden Euro an erster Stelle (Bilanzsumme aliquotiert nach den Beteiliungsverhältnissen). Es folgt Erste Bank (21 Milliarden Euro) und Bank Austria Creditanstalt (19,7 Milliarden Euro). UniCredito liegt mit 17,3 Milliarden auf Platz 4, dahinter die Citigroup mit 12,7 Milliarden Euro auf Platz 5. 

Die größte Präsenz in den Ländern der Region (ohne GUS und Baltikum) hält die BA-CA, sie ist in 11 Ländern vertreten. Darauf folgt die RZB mit Niederlassungen in 10 Ländern, der UniCredito in 9 Ländern und die Volksbanken in 8 Ländern. Die Societé Generale ist gleichauf mit der KBC in 7 Ländern vertreten.

Die größten Deals bis Juni 2003
Die größten Einzeltransaktionen wurden in Bulgarien (BA-CA / Erwerb Biochim, OTP / Erwerb DSK), Polen (Nordea / Erwerb Petro Bank), Bosnien Herzegowina (BA-CA / Erwerb Central Profit Banka) und Tschechien (UniCredito / Erwerb Zivnostenska Banka) abgewickelt.  Der Kauf der DSK durch die OTP zeigt eine neue Entwicklung auf: Zum ersten Mal wurde eine Akquisition in dieser Größenordnung innerhalb der Region getätigt.

Hohes Wachstumspotenzial in Zentral- und Osteuropa
BA-CA Chefökonomin Marianne Kager sieht weiterhin ein hohes Potenzial für die Region: Bis 2006 wird der Bankenmarkt in Zentral- und Osteuropa um 42 Prozent wachsen, von 351 Milliarden auf 499 Milliarden Euro. Die Kredite werden besonders ansteigen, von 150 Milliarden auf 226 Milliarden Euro (plus 51 Prozent). „Um dieses Potenzial auszuschöpfen, muss eine internationale Bank bereits vor Ort sein. Wer heute noch in den Bankenmarkt CEE noch einsteigen will, ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu spät“, so Kager.

Die BA-CA wird ihren Wachstumskurs in der Region weiter fortsetzen. Erst im Juli hat sie in Kroatien 32 Filialen von der Finanzagentur Fina angemietet und damit das Netzwerk der Tochter Splitska Banka um 40 Prozent erweitert. Für den Herbst steht der Abschluss des Kaufes der bosnischen Central Profit Banka auf dem Plan. 


Rückfragen:  Bank Austria Creditanstalt Group Public Relations
Ildiko Füredi, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 56102;
E-Mail: ildiko.fueredi@ba-ca.com