9.4.2002

Branchenbericht der Bank Austria Creditanstalt-Konzernvolkswirtschaft: Rückläufiger Neuwagenabsatz bremst 2001 den Kfz-Handel

Gebrauchte kompensieren teilweise das Minus bei Neuwagen
Neuwagenpreise in Österreich um 10 Prozent über dem Durchschnitt
Erholung des EU-Automarktes frühestens ab 2003


Mit einem Minus von 5,1 Prozent ist die Zahl der PKW-Neuzulassungen 2001 in Österreich auf ein langfristig stabiles Niveau eingeschwenkt. Insgesamt wurden rund 300.000 Autos erstmals registriert, in etwa soviel wie im Durchschnitt der 90er-Jahre. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Branchenbericht Kraftfahrzeughandel der Bank Austria Creditanstalt-Konzernvolkswirtschaft. Demnach konnte der Handel das Minus im Neuwagenverkauf teilweise mit Gebrauchtwagen kompensieren und den Branchenumsatz um 1,4 Prozent auf 13 Milliarden Euro erhöhen. Der Sektorumsatz inklusive Werkstätten, Ersatzteilhandel und Tankstellen belief sich 2001 auf rund 20,2 Milliarden Euro.

Das schwache Autojahr 2001 mit seinen rückläufigen Neuzulassungen hat auch auf den sonst sehr stabilen Werkstättenbereich durchgeschlagen. Nach hohen Zuwächsen in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre ist der Umsatz der Kfz-Werkstätten um mehr als 6 Prozent auf 3 Milliarden Euro zurückgegangen. Der gesamte After Sales-Markt – Werkstätten plus Zubehörsupermärkte, Ersatzteillieferanten und Schnellreparaturen – hat 2001 Umsätze von rund 5,3 Milliarden Euro verbucht. Der After Sales-Markt ist überdurchschnittlich profitabel und trägt fast 60 Prozent zum Ertrag eines durchschnittlichen Markenhändlers bei. Der Fahrzeugverkauf bringt zwar die Hälfte des Umsatzes, aber nur 30 Prozent vom Ertrag.

Die Ursache dafür liegt vor allem im Druck auf die Margen des Neuwagenhandels. Trotz Binnenmarkt und laufender Information durch die Europäische Kommission gibt es erhebliche Preisdifferenzen bei Autos zwischen den EU-Ländern. Die Preisdifferenz beträgt fast 100 Prozent, bezogen auf den durchschnittlichen Verkaufspreis nach Steuern für 107 Automodelle im Februar 2002. Die meisten Länder liegen dabei innerhalb einer Preisdifferenz von 15 Prozent, in Italien und Belgien sind die niedrigsten und in Dänemark die höchsten Preise zu bezahlen. Österreich ist mit Neuwagenpreisen um 10 Prozent über dem eurpäischen Durchschnitt ein relativ teures Autoland.

Das Preisband wird enger, berücksichtigt man die Kundendiskonte von etwa 8 bis 10 Prozent des Verkaufslistenpreises. Ihre Höhe hängt nicht zuletzt von den Händlerspannen ab, die in der EU zwischen 9 und 17 Prozent vom Listenpreis betragen und in teuren Ländern meistens höher sind. Mit der zunehmenden Markttransparenz und infolge der bevorstehenden Reform der Regulativen im Handel werden die Unterschiede in den Herstellerlistenpreisen zusehends nivelliert.

2002 wird nach Ansicht der BA/CA-Ökonomen ein weiteres schwieriges Jahr für den Autohandel. So wird der Autoabsatz in der Europäischen Union um zirka 5 Prozent auf rund 14,1 Millionen PKW sinken. Die Ursachen reichen von der Konjunkturschwäche in wichtigen Absatzmärkten bis zum Wegfall von Sondereinflüssen, wie der Verschrottungsprämie für ältere Fahrzeuge in Spanien. In Österreich selbst wird das Minus im Autoabsatz mit etwa einem Prozent moderater ausfallen. Eine Erholung der Nachfrage wird erst 2003 erwartet.

Nachhaltig Wirkung zeigen, werden hingegen die Veränderungen der Rahmenbedingungen für den Autohandel. Obwohl Details der neuen Gruppenfreistellungsverordnung noch offen sind, gilt es als relativ sicher, dass sich der europäische Automarkt stärker in Richtung eines Mehrkanal-Marktes verändert. Das heißt, dass zunehmend Mehrmarkenhändler auftreten werden und der Service- und Werkstättenbereich stärker vom Verkauf getrennt wird.

Der Konsolidierungs- und Konzentrationsprozess verschärft sich, insbesondere kleinere Markenhändler werden vom Markt verschwinden.

Rückfragen: Bank Austria Group Public Relations
Tiemon Kiesenhofer, Tel. 711 91 DW 52819; E-Mail: tiemon.kiesenhofer@ba-ca.com

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