06.08.2002

BA-CA Konjunkturindikator für Österreich:
Finanzmarktturbulenzen stoppen den Aufschwung

Österreichs Aufschwung kommt zum Erliegen
Delle in den USA dämpft globale Wirtschaftserholung
Risken eines erneuten Rückfalls deutlich gestiegen

Der BA-CA Konjunkturindikator hat sich im Juli wieder verschlechtert. Damit hat er gegenüber seinem bisherigen Hoch im März 2002 bereits wieder einen halben Prozentpunkt verloren. Im Juli zeigten sowohl die österreichische Industrie als auch die Verbraucher eine spürbare Stimmungsverschlechterung. Die Korrektur der etwas überzogenen Hochstimmung der Konsumenten vom Frühjahr kann nicht, wie bisher erwartet, durch die sich beschleunigende Industriekonjunktur aufgefangen werden, so das Fazit der BA-CA Ökonomen.

Konjunkturerholung wird durch Finanzmarktturbulenzen deutlich gebremst
„Ein Rückgang des Weltaktienmarktes von fast 50 Prozent kann an der globalen Wirtschafts-entwicklung nicht spurlos vorüber gehen, das wird sich in einem schwächeren Wachstum bemerkbar machen“, umschreibt Marianne Kager, Chefvolkswirtin der BA-CA, die aktuelle Situation der Wirtschaft. Zwar sind vom 10 Jahre dauernden Aufschwung an den Weltaktienmärkten noch immer 35 Prozent Wertsteigerung vorhanden, die Performance damit mit 5,5 Prozent noch immer besser als im Durchschnitt der letzten 80 Jahre. Trotzdem erwarten die Volkswirte der Bank Austria Creditanstalt Gruppe deutliche Auswirkungen auf die Weltkonjunktur. So rechnet die BA-CA in den USA nun mit einem nochmals um einen Prozentpunkt geringeren Wachstum, was angesichts ihrer bereits bisher eher pessimistischen Erwartung ein Wachstum um die 2 Prozent für 2003 bedeutet. Im Quartalsverlauf wird dabei die US-Wirtschaft zum Jahreswechsel sogar stagnieren bzw. es erscheint nochmals eine rückläufige Entwicklung möglich.

Angesichts der Tatsache, dass der europäischen Binnenkonjunktur derzeit die Impulse fehlen, hat die US-Schwäche nach Meinung der Volkswirte der BA-CA auch gravierende Auswirkungen auf Europa. „Nach einem Wachstum von ca. 0,75 Prozent 2002 wird der Euroraum auch nächstes Jahr nicht einmal 1,5 Prozent wachsen“, so Kager pessimistisch.

Österreichs Wirtschaft: “Stagnation zu Jahreswechsel zu erwarten“
Die Erholungstendenzen in der österreichischen Wirtschaft werden sich damit in den nächsten Monaten nicht fortsetzen. „Es deutet alles auf einen erneuten Rückfall in die Stagnation zum Jahreswechsel 2002/2003 hin“, so Stefan Bruckbauer von der BA-CA. Dies läßt sich aus den Stimmungsindikatoren in Österreich und Europa ablesen. Der Einbruch bei der deutschen Industrie beendet vorläufig die Erholung bei der österreichischen Industrie. So stieg die Arbeitslosenquote im Juli erstmals seit Dezember 1998 wieder über 7 Prozent (saisonbereinigt) und befindet sich damit nicht mehr weit vom historischen Höchststand in den 50er-Jahren. Sie dämpft auch die private Nachfrage.

Obwohl die direkte Wirkung der Aktienmarktschwäche auf Österreich zwar eher gering ist, kann sich Österreich dennoch der erneuten globalen Abschwächung doch nicht ganz entziehen. Nach Schätzung der BA-CA liegt das von der Börseentwicklung abhängige Vermögen in Österreich mit rund 20 Prozent des verfügbaren Einkommens im Vergleich zu den USA (100 Prozent) bzw. Euroraum (45 Prozent) eher niedrig. „Die schwache deutsche bzw. europäische Konjunktur verstärkt um die Aktienmarktturbulenzen dürfte Österreich rund 1 Prozentpunkt Wachstum kosten, mehr Budgetspielraum und niedrigere Inflation bringen ein halbes Prozent. Insgesamt rechnen wir daher mit einem halben Prozentpunkt weniger Wachstum 2003“, so Stefan Bruckbauer weiter. Damit rechnen die Ökonomen der BA-CA nach einem schwachen Wachstum 2002 von 1 Prozent auch 2003 mit einem Wachstum von unter 2 Prozent.

Starker Euro dämpft, niedrige Zinsen stärken Wirtschaft
Geteilt sehen die Ökonomen der BA-CA die Wirkung von Zinsen und Wechselkurs auf die Wirtschaft. So gehen der von der BA-CA erwarteten weiteren Erholung des Euro negative Impulse für die Wirtschaft aus, während die weit ins Jahr 2003 verschobene Zinserhöhung der EZB positive Impulse setzen wird. „Insgesamt dürften positive Impulse erst zu erwarten sein, wenn die EZB sich zu einer spürbaren Zinssenkung entschließen würde, davon gehen wir jedoch derzeit nicht aus“, so Marianne Kager. Allerdings bezeichnen die Ökonomen der BA-CA ihr heutiges, pessimistischeres Szenario durchaus noch als optimistisch. „Das Risiko einer erneuten Rezession in den USA, in Deutschland und damit auch in Österreich ist als hoch zu bezeichnen“, so Stefan Bruckbauer abschließend.


Rückfragen:   Bank Austria Creditanstalt Konzernvolkswirtschaft
Marianne Kager, Tel. +43 (0)5 05 05 - 41950; E-Mail: marianne.kager@ba-ca.com
Stefan Bruckbauer, Tel. +43 (0)5 05 05 - 41951; E-Mail: stefan.bruckbauer@ba-ca.com

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