11.12.2002

Neue Gesichter in Washington

News aus dem Asset Management der Bank Austria Creditanstalt:

US Finanzministerium & Börsenaufsicht bekommen neuen Leiter.
Märkte reagieren abwartend.

Im Anschluss an den Wahlsieg der Republikaner bei den amerikanischen Kongresswahlen Anfang November erfolgt in diesen Tagen die eigentlich nicht ganz unerwartete Umbildung im wirtschaftlichen Führungsstab von US-Präsident Bush.

Letzten Freitag sind der Finanzminister Paul O'Neill und der oberste Wirtschaftsberater von Präsident Bush, Larry Lindsey, zurückgetreten. Zu diesem Zeitpunkt war auch der Chefposten bei der amerikanischen Börsenaufsicht, SEC, noch vakant. Es gab über das Wochenende bereits reichlich Spekulationen, was mögliche Nachfolger betraf, die sich aber – wie so oft – als falsch erwiesen.

Neuer Finanzminister ist John Snow, vormals Vorstandsvorsitzender der Bahngesellschaft CSX. Die Nominierung wurde eher mit einem Schulterzucken denn mit viel Begeisterung zur Kenntnis genommen. Ein Beobachter meinte, die Wahl würde es an Phantasie, Kreativität und Vorwärtsstrategie vermissen lassen. Vielmehr sehen Kritiker in Snow einen zweiten O’Neill: beide Männer kommen aus traditionellen Unternehmen (der Amtsvorgänger O’Neill leitete den Aluminiumkonzern Alcoa).

Außerdem hatte man gehofft, dass der neue Finanzminister die Fehler seines Vorgängers nicht wiederholen werde. O’Neill galt als nicht sehr geschickt im Umgang mit den Medien – nicht von ungefähr gehörten PR-Veteranen wie Charles Schwab (Gründer des gleichnamigen Brokerhauses) und der ehemalige Senator Gramm zu den an der Gerüchtebörse gehandelten Nachfolgern. Wie stark Snow im Umgang mit den Medien und der Wall Street ist, bleibt indes abzuwarten.

Jedenfalls wird Snow sich nicht den offensichtlich im Raum stehenden, ehrgeizigen Steuerplänen von Bush entgegenstellen dürfen – O’Neill (und übrigens auch Lindsey) sollen das getan haben.
Die zweite Nominierung, die gestern erfolgte, wird eigentlich einhelliger begrüßt. Bill Donaldson, einer der Gründer des  Brokerhauses Donaldson, Lufkin & Jenrette (das im Jahr 2000 von Credit Suisse First Boston übernommen wurde), wird neuer Chef der Börsenaufsicht SEC. Er folgt damit Harvey Pitt nach, dem als ehemaligem Anwalt der Wirtschaftsprüfervereinigung Interessenskonflikte nachgesagt wurden. Als Gründer eines Brokerhauses und ehemaliger Chairman der New Yorker Börse ist Donaldson der Wall Street bestens bekannt, seine Wahl wurde eigentlich quer durch beide Parteien begrüßt.

Bleibt noch die Nachfolge von Larry Lindsey, dem obersten Wirtschaftsberater von Präsident Bush. Hier gilt Stephen Friedman, vormals Chairman beim Brokerhaus Goldman Sachs, als Favorit. Seine Vergangenheit bei Goldman Sachs und seine dortige enge Zusammenarbeit mit dem unvergessenen Finanzminister Robert Rubin bringen ihm an der Wall Street Punkte. Andererseits gilt er als Gegner einer Politik der Defizit-Ausweitung, was bedeutet, dass einige Konservative fürchten, er könnte den geplanten Stimulierungsmaßnahmen von Bush ebenfalls kritisch gegenüberstehen. Gerüchten zufolge sollen Steuererleichterungen im Ausmaß von 300 Mrd. US-Dollar in Vorbereitung sein.

Wie auch immer man die Nominierungen sehen mag, über einen Punkt ist sich Präsident Bush sehr wohl im Klaren: Auch ein außenpolitischer Erfolg im Krieg gegen den Irak nützt bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2004 nichts, wenn die Wirtschaft bis dahin nicht wieder besser läuft. Das musste sein Vater 1992 bei seiner Niederlage gegen Clinton schmerzlich zur Kenntnis nehmen. Außerdem kann er eventuelle Rückschläge bei seiner Wirtschaftspolitik jetzt nicht mehr den Demokraten im Kongress anlasten, denn die haben ihre Mehrheit ja verloren. Bush hat also eindeutig Handlungsbedarf, hat diesen offensichtlich auch erkannt und scheint jetzt fest entschlossen zu sein, zu handeln.

Fazit und Investment Case:
Bis jetzt reagiert der Markt auf die Nominierungen eher gelassen, man wartet offensichtlich ab, welche Maßnahmen dann tatsächlich gesetzt werden. Die Ankurbelung der Wirtschaft durch „deficit spending“ sorgt am Rentenmarkt aber eher für steigende Renditen. Sollte die US-Wirtschaft in 2003 aber wieder nachhaltiger Tritt fassen, wäre das letztlich natürlich auch positiv für die Unternehmen und damit die Aktienkurse.

Rückfragen:   Bank Austria Creditanstalt Asset Management
Monika Rosen, Tel. 33 147 DW 5402; E-Mail: monika.rosen@amg.co.at