4.10.2002

Kulmination an schlechten Nachrichten an den Börsen

Bank Austria Creditanstalt Asset Allocation für das 4. Quartal 2002:
Kulmination an schlechten Nachrichten an den Börsen.

  • Ausverkauf teilweise übertrieben.
  • Renten rallieren, Zinssenkungen möglich.
  • Daher: Aktienquote neutral – defensive Werte bevorzugt.

Aktienmärkte: technische Gegenreaktion möglich – wie 4. Quartal 2001.
Das 3. Quartal 2002 war nicht glücklich für Aktien – das ist wohl die mildeste Formulierung, die man finden kann. Von der Insolvenz der Worldcom bis zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September, von der angekündigten Abschaffung des Neuen Marktes in Deutschland bis zu Festnahmen unter zahlreichen US-Managern gab es für Anleger einen ganzen Steinschlag an negativen Nachrichten. Dazu kommen die geopolitischen Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Irak-Konflikt, mit ihren Auswirkungen auf Ölpreis (steigt) und Renditen (fallen). Die Investoren reagierten auf diese Situation in leider schon bekannter Manier – Aktien gerieten unter Druck, Anleihen, vor allem Staatsanleihen, wurden massiv gekauft. Man muss aber auch festhalten, dass die Entwicklungen des heurigen Jahres möglicherweise eine überzogene Reaktion darstellen. Die konjunkturellen Aussichten haben sich im Jahresverlauf wohl nicht verbessert, aber ein derartig heftiger Ausverkauf an den Börsen scheint doch übertrieben. Wir sind uns bewusst, dass an den Aktienmärkten weiterhin Geduld gefragt ist, sehen aber im 4. Quartal, nach den starken Korrekturen der jüngsten Vergangenheit, eine überproportionale Chance zumindest auf eine technische Erholung (analog 2001). Daher belassen wir die Aktienquote auf neutral, positionieren uns aber innerhalb dieser Quote eher bei defensiven Werten (Pharma, defensiver Konsum, europäische Versorger).

Zinsen könnten im 4. Quartal nochmals fallen.
Die internationalen Rentenmärkte haben im Jahr 2002 einen Bullenlauf hinter sich, der seinesgleichen  in der Geschichte sucht. In den USA sind die Renditen auf 10-jährige Staatsanleihen per Ende September 2002 auf 3,57 Prozent gefallen, das ist der tiefste Stand seit 1958. In Euroland befinden sich die Renditen ebenfalls eindeutig auf Talfahrt, hier haben wir mit 4,3 Prozent (deutsche 10-jährige per 30.9.) die Tiefstände aus der Russlandkrise 1998 aber noch nicht ganz erreicht. Hintergrund für die fulminante Entwicklung waren natürlich einerseits die Rückgänge auf den Aktienmärkten, aber auch der immer weiter eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Irak. Dazu kam die Tatsache, dass die konjunkturelle Erholung, im ersten Halbjahr 2002 noch stark von den Kapitalmärkten antizipiert, zuletzt deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb. Vor diesem Hintergrund halten wir in den nächsten Monaten Zinssenkungen durchaus für möglich, in Euroland könnten es 50 Basispunkte im Laufe des 4. Quartal werden.

Asset Allocation.
Wir erachten die gegebene Marktlage für außergewöhnlich, internationale Volatilitätsindizes befinden sich deutlich über den Niveaus vom 11. September des Vorjahres. Die gegebene, labile Stimmungslage beeinflusst also ganz massiv die Marktsituation. Das konjunkturelle Szenario rechtfertigt unserer Ansicht nach den Kursverfall an den Aktienmärkten nicht in diesem Ausmaß. Insofern erachten wir eine neutrale Aktienquote vor dem Hintergrund eines saisonalen Ablaufs für sinnvoll: Zwischentief im September / Oktober, dann mögliche Jahresenderholung (analog zum Vorjahr). Die Allocation lautet daher auf 40 Prozent Aktien, 57 Prozent Anleihen und 3 Prozent Cash.

Anleihen.
Anleihenseitig setzen wir weiterhin auf einen nicht schwächer werdenden Euro und bleiben bei einer Gewichtung von 91 Prozent im Euroraum. UK bleibt mit 4 Prozent, Resteuropa mit 5 Prozent gewichtet. Resteuropa bedeutet derzeit Anleihen in den Währungen Dänenkronen, Schwedenkronen, Norwegerkronen und Schweizer Franken sowie Währungen aus dem CEE-Raum (via Fonds).

Aktien.
Aktienseitig bleibt die Gewichtung unverändert. Relativ zur Benchmark sind wir weiterhin in Euroland übergewichtet. Auf Euroland-Aktien entfallen aktuell 19 Prozent; der Anteil in UK beträgt 11 Prozent, Resteuropa bleibt mit 3 Prozent gewichtet. Auf die USA entfallen 53 Prozent, auf Japan 9 Prozent, Sonstige Länder bleiben unverändert mit 5 Prozent gewichtet.


Rückfragen:  Bank Austria Creditanstalt Asset Management
Monika Rosen, Bereichsleiterin Research, Tel. +43 (1)33 147 DW 5403; 
E-Mail: monika.rosen@amg.co.at