24.5.2002

Branchenbericht der Bank Austria Creditanstalt-Konzernvolkswirtschaft: Textilerzeugung kann den Faden wieder aufnehmen

Branchenkonjunktur sollte sich nach Einbußen im Vorjahr 2002 stabilisieren
Österreichs Textilerzeugung international gut positioniert
Wachstumsperspektiven nur für Hersteller hochwertiger und technischer Textilien

Der Abschwung der österreichischen Textilerzeugung, der Mitte 2001 begann, sollte 2002 zum Stillstand kommen. Zu diesem Ergebnis kommt BA/CA-Ökonom Günter Wolf in seinem jüngsten Branchenbericht. Demnach ist die Produktionsleistung der Textilerzeugung 2001 um 3 Prozent gesunken und der Branchenumsatz im Jahresdurchschnitt nur um schwache 0,5 Prozent gestiegen. Insgesamt hat die Branche 2,3 Milliarden Euro erlöst. Schon zu Beginn 2002 zeigten sich die Unternehmer wieder etwas optimistischer. Nachhaltige Zuwächse werden allerdings noch auf sich warten lassen.

Österreichs Textilerzeugung kann sich im internationalen Wettbewerb sehr gut behaupten. Generell hängt die Konkurrenzfähigkeit der Branche weniger von den Lohnkosten ab, als viel mehr von den Rohstoffkosten und der Innovationsfähigkeit der Unternehmen. Diese wird für die Unternehmen zunehmend überlebenswichtig, weil die Textilerzeugung längst zu den am stärksten internationalisierten Branchen der Sachgütererzeugung zählt. Beispielsweise sind nur mehr 15 Prozent der Branchenproduktion von inländischer Nachfrage abhängig, der Rest wird ins Ausland geliefert und davon wiederum zwei Drittel in die EU.

In diesem Zusammenhang ist es Österreichs Herstellern laut Branchenbericht der Bank Austria Creditanstalt-Konzernvolkswirtschaft in den letzten Jahren eindrucksvoll gelungen, ihre Wettbewerbsposition zu verbessern. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre sind die textilen Exporte bei fast allen Produktgruppen rascher als die Importe gestiegen. Mit dem Vorteil der regionalen Nähe zu billigen Produktionsstandorten ausgestattet und durch die konsequente Steigerung der Qualität der Produktpalette erreichten die Textilerzeuger schließlich sogar das höchste Produktivitätsniveau in der EU.

Da die Textilmärkte in den meisten industrialisierten Ländern gesättigt sind, können hier keine kräftigeren Nachfragezuwächse erwartet werden. Nennenswerte Nachfragesteigerungen sind nur mehr in Osteuropa und Asien möglich. Diese Märkte sollen bis spätestens 2005 vollständig für EU-Importe geöffnet werden. Mit der Überleitung des "Agreement on Textiles and Clothing" in das allgemeine Regelwerk der WTO und damit der Aufhebung noch bestehender Quotenvereinbarungen, wird der weltweite Textilhandel an Tempo zulegen. Die Liberalisierung des Textilhandels bringt aber nicht nur neue Absatzchancen für Österreichs Hersteller, sondern bedeutet auch eine Verschärfung der Konkurrenz in wichtigen Exportmärkten.

Vor diesem Hintergrund sind zwar die Umstrukturierungserfolge der österreichischen Textilerzeugung eine gute Basis für einen längerfristigen Aufschwung. Dennoch muss in Teilbereichen mit weiteren Kapazitätseinbußen gerechnet werden. Vor allem werden davon traditionellere Sparten betroffen sein, wie Teile der Gewebeerzeugung, jedoch kaum die Hersteller von hochwertigen und damit teuren, nicht nur, technischen Textilien. Einerseits kommt in diesem Bereich der Know How-Vorteil westlicher Erzeuger gegenüber Unternehmen aus Schwellen- und Entwicklungsländern voll zum Tragen. Andererseits wird die Nachfrage nach technischen Textilien kräftig steigen. Ebenfalls hervorragende Zukunftsaussichten haben sogenannte "intelligente" textile Materialien wie Elasthan und Lyocell.

Rückfragen: Bank Austria Group Public Relations

Tiemon Kiesenhofer, Tel. 711 91 DW 52819; e-mail: tiemon.kiesenhofer@ba-ca.com

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