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17.09.2002

Mittel- und Osteuropa auf der Überholspur

CEE-Länder stemmen sich gegen die globale Konjunkturflaute.
Die CEE-Region wächst stärker als alle anderen Emerging Markets.
Gute Aussichten auf den Kapitalmärkten.

Die Länder Mittel- und Osteuropas (CEE) haben sich gegen die globale Konjunkturschwäche im letzten Jahr erfolgreich behauptet. Die Entwicklung der Einkommensniveaus in den CEE-Ländern hat in den letzten fünf Jahren mit +29 Prozent (BIP pro Kopf, in USD) alle anderen Emerging Markets übertroffen (Asien –5 Prozent, Lateinamerika –13 Prozent). Im Top 10-Ranking der Emerging Markets-Länder – gemessen am jährlichen Wachstum des BIP – sind acht Länder aus der CEE-Region vertreten. Dies zeigt die neueste Analyse der Bank Austria Creditanstalt. „Mittel- und Osteuropa hat Asien und Lateinamerika hinter sich gelassen und ist zur führenden Emerging Markets-Region aufgestiegen“, sagt Marianne Kager, BA-CA Chefvolkswirtin, beim World Economic Forum in Salzburg.

Der Zeitpunkt dieser positiven Entwicklung Mittel- und Osteuropas ist bemerkenswert: Denn der Euro-Raum, in den rund 70 Prozent der CEE-Exporte gehen, stagniert. Der Erfolg der CEE-Länder liegt in den letzten Jahren in der Mischung aus der stabilitätsorientierten Wirtschaftspolitik und den Umstrukturierungen. Die Inflation konnte in den letzten fünf Jahren von durchschnittlich über 50 auf heuer 5 Prozent reduziert, der Wechselkurs weitestgehend stabilisiert werden.

Investitionen boomen
Das Investitionsniveau in Mittel- und Osteuropa stieg in den letzten fünf Jahren um rund 20 Prozent (real), ohne Polen sogar um mehr als 25 Prozent, während es in den anderen Emerging Markets stagnierte. „Die Entwicklung der Investitionen in CEE war angesichts des schwierigen Umfelds und der Rezession in Polen beeindruckend“, so Kager.  Ein wesentlicher Faktor war dabei das Engagement der ausländischen Investoren. Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) werden sich im Zeitraum zwischen 1997 und 2003 (Prognose) in Mittel- und Osteuropa auf 57 Milliarden Euro oder 22 Prozent des BIP belaufen. In Lateinamerika liegt diese Quote nur bei 15 Prozent des BIP und in Asien (ohne China) sogar bei nur 6 Prozent. 

Damit gelang es den CEE-Ländern, ihre Auslandsverschuldung in den letzten fünf Jahren auf dem niedrigsten Niveau aller Emerging Markets zu halten. Die Auslandsverschuldung betrug in Prozent der Exporte in der CEE-Region 108, in Asien 131 und in Lateinamerika 233. „Die deutlich geringere Auslandsverschuldung senkt auch die Gefahr, dass Krisen von anderen Emerging Markets auf die Region CEE überspringen könnten“, sagt Chefvolkswirtin Kager.

Die überdurchschnittliche Investitionsquote der CEE-Region, 26 Prozent des BIP im Vergleich zu 20 Prozent im Euro-Raum, ist einer der wichtigsten Gründe dafür, dass CEE die Stagnation im Euro-Raum gut überstehen konnte. Die hohen Investitionen haben die internationale Wettbewerbsfähigkeit der CEE-Länder verbessert. Das ermöglichte, dass die CEE-Exporte im Euro-Raum Marktanteile gewinnen konnten. So stieg im Zeitraum 1997-2002 der Anteil der Importe aus den Beitrittsländern in die Eurozone von 9 auf 12 Prozent. Anders ausgedrückt: Die Exporte der CEE-Länder in den Euro-Raum stiegen im Jahr 2001 um 15 Prozent, obwohl die Importe in den Euro-Raum insgesamt stagnierten.

Konjunkturprognose 2003
Die schwache  Euroraumkonjunktur 2003 und ihre Wirkung auf die CEE-Konjunktur wird durch eine kräftige Investitionstätigkeit in CEE kompensiert. Gepaart mit einer Erholung der Konjunktur in Polen sind knapp 3,5 Prozent Wachstum 2003 - so Kager - ein durchaus realistischer Wert. Im Durchschnitt bedeutet dies, dass sich alle Länder der Region – mit Ausnahme von Polen – wieder ihrem Potenzialwachstum von rund 4 – 4,5 Prozent nähern.

Die BA-CA weist in ihrer Analyse auch besonders auf die Erfolge in den Ländern Südosteuropas (SEE) hin. Nach den politischen, militärischen und wirtschaftlichen Katastrophen in den 90er Jahren zeigen sich nun deutliche Erfolge. Seit dem Jahr 2000 kann das Wirtschaftswachstum in SEE bei jährlich rund 4 Prozent gehalten werden. Die Inflation nähert sich akzeptablen Werten. Damit konnten auch die Wechselkurse stabilisiert werden. Selbst Rumänien, das neben Jugoslawien als einziges Land der CEE-Region noch zweistellige Inflationsraten aufweist, zeigt erkennbar Stabilisierungserfolge. Insgesamt wird die SEE-Region 2003 nach Meinung der BA-CA erneut an Dynamik zulegen können und mit rund 4,5 Prozent wachsen.


Überzeugende Kapitalmärkte
Die Kapitalmärkte Mittel- und Osteuropas entwickeln sich 2002 bisher sehr positiv. Sie können sich trotz schwächerer Weltwirtschaft gut behaupten und ließen sich auch nicht von den Krisen in Lateinamerika anstecken. Obwohl die Renditedifferenzen bei Staatsanleihen in einigen lateinamerikanischen Ländern bis auf über 1.000 Basispunkte anstiegen, war in Mittel- und Osteuropa keine auch nur annähernd vergleichbare Entwicklung zu verzeichnen. Unter den Top 5 Emerging Markets-Anleihemärkten befinden sich nicht weniger als drei aus CEE.

Die EU-Beitrittskandidaten zeichnen sich durch relativ enge Renditedifferenzen, vor allem im Vergleich zu den anderen Emerging Markets in der gleichen Rating-Klasse aus. Am Kapitalmarkt wird dies „Beitrittsprämie“ genannt. Auch auf den lokalen Währungsmärkten ergeben sich durch die Aussicht auf eine EU-Mitgliedschaft Vorteile. Auch wenn sich die Renditen schon ziemlich an das Niveau entwickelter Märkte angenähert haben, besteht noch immer Anpassungsbedarf. „Aus genau diesem Anpassungsbedarf ergeben sich ausgezeichnete Chancen in allen Segmenten der Kapitalmärkte – Anleihen, Währungen und Aktien“, erklärt Willi Hemetsberger, Mitglied des Vorstandes der Bank Austria Creditanstalt.

Börsen auf der Überholspur
Auch die Aktienmärkte führen die internationalen Statistiken an. Zahlreiche Börsen Mittel- und Osteuropas entwickelten sich seit Jahresbeginn besser als weltweite Indizes. Die Bewertungen sind im Vergleich zu den entwickelten Börsen in Westeuropa weiterhin günstig, wobei das Gewinnwachstum immerhin das 1,5 bis Zweifache der EU-Börsen beträgt.  Eine Herausforderung ist allerdings weiterhin die niedrige Liquidität, die vor allem den kleineren Aktienmärkten zu schaffen macht.

Ein besonderes Augenmerk legen die internationalen Fondsmanager seit einiger Zeit auf russische Aktien. Vor allem unter den Öl- und Mobilfunk-Werte befinden sich extrem günstige Titel. Der russische Kapitalmarkt wird unter seinem Wert geschlagen, während die reale Finanzkraft des Staates und das Kredit-Rating tatsächlich viel besser sind.
 
Solide wirtschaftliche Fundamentaldaten, kombiniert mit der Perspektive des EU-Beitrittes, werden auch in den kommenden Jahren einen positiven Einfluss auf die Kapitalmärkte Mittel- und Osteuropas haben, so Hemetsberger.


Rückfragen:  Bank Austria Group Public Relations
Ildiko Füredi, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 56102; 
E-Mail: ildiko.fueredi@ba-ca.com