15.2.2002

BA/CA CEE-Monitor: Reformprogramm in Jugoslawien gewinnt an Schwung

Unternehmensrestrukturierung angelaufen
Banken auf dem Prüfstand
Budgetpolitik von überraschenden Erfolgen gekennzeichnet

Gut ein Jahr nach dem Ende der politischen Isolation gewinnt das Reformprogramm der jugoslawischen Regierung an Schwung. Umschuldung, sinkende Inflation und tiefgreifende Strukturreformen sorgen für positive Wachstumsimpulse. Dennoch steht Jugoslawien noch vor großen Herausforderungen. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Länderanalyse der Bank Austria Creditanstalt-Gruppe, die seit vergangenen Jahr mit einer eigenen Tochterbank in Jugoslawien vertreten ist.

Das Jahr 2001 brachte für Jugoslawien eine erste Erholung mit einem Anstieg des BIP um geschätzte 5½ Prozent. Primär ist der Anstieg der Wirtschaftleistung auf die besonders gute Entwicklung in der Landwirtschaft nach der Dürre des Jahres 2000 zurückzuführen. Während die Industrie aufgrund fehlender Investitionen noch stagniert, sorgte auch der Dienstleistungsbereich für einen positiven Wachstumsimpuls. Insbesondere das Transportgewerbe verzeichnete einen starken Aufschwung. Für 2002 erwarten die Volkswirte eine weitere Zunahme der Wirtschaftsleistung um real vier Prozent, der durch höhere internationale Finanzhilfe und einem stärkeren Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen von der Industrie und dem Dienstleistungssektor getragen werden wird.

Budgetpolitik von überraschenden Erfolgen gekennzeichnet

Von überraschenden Erfolgen war im vergangenen Jahr die Budgetpolitik gekennzeichnet. Eine vorsichtige Ausgabenpolitik und eine unerwartet starke Einnahmenentwicklung auch aufgrund von umfangreichen Fiskalreformen haben das Defizit auf 2,4 Prozent des BIP (ursprünglicher IMF-Plan: -6,1%) begrenzt. Das Budget 2002 wird durch neue Ausgabenposten stark belastet und der Fehlbetrag in Übereinstimmung mit dem IMF auf 6,2% des BIP anwachsen.

Die sinkende Inflation hat das Vertrauen der Bevölkerung in die heimische Währung erhöht. Die Teuerungsrate ist gegen Ende 2001 auf unter 40 Prozent im Jahresabstand zurückgegangen (Ende 2000: 113,5%). Ein deutlicher Preisauftrieb wird zwar auch weiterhin von der Anhebung administrierter Preise - um den Kostendeckungsgrad zu erhöhen – ausgehen, dennoch erwartet die Regierung eine Verminderung der Inflationsrate auf rund 20% Ende dieses Jahres.

Unternehmensrestrukturierung angelaufen

Die Absicherung des wirtschaftlichen Aufschwungs konnte die Regierung vor allem mit der Einleitung tiefgreifender Strukturreformen in die Wege leiten. An der Spitze steht der Privatisierungsprozess der sich in den letzten Monaten auf Basis des Mitte 2001 beschlossenen Privatisierungsgesetzes deutlich beschleunigt hat. In Serbien ist nach Abschluss der Privatisierung der Zementindustrie (Gesamterlös: ca. 150 Mio. EUR) nun der Verkauf des Ölkonzerns NIS gestartet worden. Die Vorbereitung einer Veräußerung von weiteren 30 Grossunternehmen via internationale Tender ist angelaufen. Das Privatisierungsministerium erwartet dafür im laufenden Jahr Einnahmen von bis zu 450 Mio. EUR.

Die verbleibenden 4.000 Klein- und Mittelbetriebe können ihre Privatisierungsstrategie in Abstimmung mit der Privatisierungsagentur selbst wählen. Ein kürzlich beschlossenes Gesetz über Auslandsinvestitionen, das u.a. die zollfreie Einfuhr von Investitionsgüterimporten und die Gewährung von Investitionsgarantien vorsieht, wird den Eigentumstransfer in private Hände unterstützen.

Montenegro verfolgt dagegen eine duale Privatisierungsstrategie. Minderheitsanteile in 200 Unternehmen wurden im Rahmen einer Voucherprivatisierung an die Bevölkerung vergeben. Der Verkauf von Mehrheitsanteilen an strategische Investoren auf der Basis von internationalen Ausschreibungen konzentriert sich vor allem auf den Telekommunikationssektor und andere Dienstleistungsbereiche, wie den Tourismus.

Jugoslawische Banken auf dem Prüfstand

Bedeutende Fortschritte wurden auch bei der Etablierung eines funktionstüchtigen Bankensektors gemacht. Auf Basis der im Mai 2001 erstellten Strategie zur Bankenrestrukturierung wurden nach einer Evaluierung der 71 Banken Serbiens 26 Institute als insolvent eingestuft und unter Kontrolle der Bankenrehabilitationsagentur gestellt oder die Liquidation eingeleitet. So wurden im Jänner 2002 vier der größten Banken des Landes (Investbanka, Jugobanka, Beobanka und Beogradska banka) bereits liquidiert. Neben der Rekapitalisierung heimischer Banken, deren Kosten für 2002 auf rund 170 Mio. EUR oder 1,2% des BIP geschätzt werden, sollte auch das Auftreten von mittlerweile fünf internationalen Finanzinstituten, darunter die BA/CA-Tochter HVB~Yugoslavia, die Funktionstüchtigkeit des serbischen Bankensektors verbessern.

Auch die Zentralbank von Montenegro hat Fortschritte bei der Restrukturierung der Banken gemacht und die Effizienz der Bankenaufsicht verbessert. Die 11 Kommerzbanken dieser Teilrepublik wurden einer Analyse unterzogen, wobei vier Institute wieder eine Lizenz erhielten. Die Entscheidung über die weiteren Maßnahmen bei den restlichen Banken steht dagegen noch aus.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Konzernvolkswirtschaft

Walter Pudschedl, Tel. 711 91 DW 56151;

E-Mail: walter.pudschedl@ba-ca.com