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20.6.2002

E u r o p a B a r o m e t e r: Erweiterungsdebatten lassen EU-Anwärter unbeeindruckt

Stimmung bleibt trotz heftiger Debatten in Mittel- und Osteuropa positiv
Top-Manager: Europa wird von der Erweiterung klar profitieren
Mehrheit ist für baldige Einführung des EURO in den neuen Mitgliedsländern
Höchste Erwartungen an EU in Rumänien, geringste in Slowenien
Lacina: "Meinungsführer glauben an die Zukunft eines vereinten Europa"

Die Debatten um die EU-Osterweiterung lassen die EU-Anwärterländer unbeeindruckt. Trotz immer heftiger werdenden Diskussionen (Stichwort Beneš-Dekrete, Kapitel Landwirtschaft, Budget und Haushalt) weist der "Europa Barometer" der Bank Austria Creditanstalt-Gruppe eine positive Stimmung bei den Top-Managern und der Gesamtbevölkerung aus. Wie im Jahr zuvor, gehen 83 Prozent der befragten Top-Manager davon aus, dass die Erweiterung vorteilhafte Auswirkungen auf das eigene Land haben wird. Immerhin 73 Prozent (2001: 74 Prozent) glauben, dass auch die derzeitigen Mitgliedstaaten der EU davon profitieren werden. Nur 9 Prozent befürchten negative Konsequenzen (2001: 10 Prozent).

Der Europa Barometer ist das Ergebnis einer jährlichen Umfrage unter 720 Führungskräften und 9.000 Personen in 9 Ländern in Mittel- und Osteuropa (Bulgarien, Jugoslawien, Kroatien, Polen, Rumänien, Slowenien, der Slowakei, der Tschechischen Republik und Ungarn). Die Ergebnisse des Europa Barometers wurden heuer zum dritten Mal im Rahmen des "Europa Forums" der Bank Austria Creditanstalt-Gruppe präsentiert.

Gedämpfte Befürwortung bei der Bevölkerung

Nicht ganz so optimistisch wie bei den Managern ist die Stimmung in der Bevölkerung: Nur 58 Prozent der Bevölkerung glauben an positive Effekte bei der EU-Erweiterung. 17 Prozent befürchten negative Konsequenzen, 12 Prozent sehen es indifferent, 14 Prozent haben keine Meinung dazu. Die stärksten Befürworter befinden sich in Polen mit 91 Prozent, in Bulgarien mit 90 Prozent und der Tschechischen Republik mit 88 Prozent. Mit jeweils 15 Prozent befinden sich die meisten "Pessimisten" in Kroatien und Slowenien.

Mehrheit ist für baldige Einführung des EURO in den neuen Mitgliedsländern

58 Prozent der Top-Manager in Mittel- und Osteuropa wünschen sich eine baldige Einführung des Euro (2001: 52 %, 2000: 34%). 39 Prozent würden lieber eine gewisse Zeit verstreichen lassen. Und nur drei Prozent sind gegen den Euro als einheitliches Zahlungsmittel. Die Euro-Optimisten befinden sich in Bulgarien, Kroatien und Polen. Die Manager, die einer sofortigen Einführung des Euro eher skeptisch gegenüber stehen, befinden sich in Ungarn, Rumänien, der Slowakei und der Tschechischen Republik.

Große Erwartungen an ein "vereintes Europa"

Die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung des mittel- und osteuropäischen Raumes sind hoch gesteckt: 64 Prozent der Manager glauben, dass sich Mittel- und Osteuropa

zu einer der prosperierendsten Regionen der Welt entwickeln wird (2001: 65 %). Nur 10 Prozent bezweifeln einen "Boom" (2001: 13 %). "Diese Resultate unterstreichen unsere Erwartungen in die Region und machen deutlich, dass auch die Meinungsbildner in der Wirtschaft ein vereintes Europa befürworten", so Ex-Finanzminister und Berater des BA/CA-Vorstands Ferdinand Lacina.

Insgesamt rechnen 68 Prozent (2001: 69 %, 2000: 78 %) der Befragten damit, dass die Wirtschaft ihres Landes im internationalen Vergleich einen größere Rolle spielen wird, als sie es jetzt tut. "Der Realismus hat die Euphorie der vergangenen Jahre eingeholt", interpretiert BA/CA-Marktforscher Martin Mayr die diesjährigen Ergebnisse. Zurückgegangen ist die positive Stimmung vor allem in Ungarn (von 66 auf 58 %), in der Tschechischen Republik (von 84 auf 68 %) in Slowenien (von 45 auf 39 %) und in Bulgarien (von 89 auf 63 Prozent). Gestiegen sind die positiven Erwartungen in Polen (von 64 auf 69 %), in Kroatien (von 61 auf 81 %) und Rumänien (von 59 auf 81 %). Die "Pessimisten" waren vor allem in Rumänien und Ungarn zu finden.

Mit mindestens fünf neuen EU-Mitgliedern wird fix gerechnet

Mit großer Deutlichkeit zeigt der Europa Barometer auch die Zuversicht der Manager, bis 2010 zumindest fünf neue Mitglieder in der EU zu haben. Mit Ungarn, Polen, der Tschechischen Republik, Slowenien und der Slowakei wird fix gerechnet. Die stärkste Überzeugung herrscht in der Tschechischen Republik: Alle tschechischen Wirtschaftskapitäne (100 Prozent) glauben fest an ihre Mitgliedschaft bis 2010.

Anders schaut das Bild wiederum in der Bevölkerung aus: Obwohl die EU bereits öfters 2004 als erstes Beitrittsdatum genannt hat, hat sich die Bevölkerung noch keine eindeutige Meinung gebildet. So liegt die Zahl derjenigen, die keine Meinung zu einem möglichen Beitritt haben zwischen 11 (Polen) und 40 Prozent (Slowakei). Lacina: "Hier spiegelt sich vermutlich ein Informationsdefizit in der Bevölkerung wider."

Tschechische, ungarische, polnische, slowenische und slowakische Manager erwiesen sich als besondere Optimisten bezüglich ihrem eigenen Beitritt (alle über 88%). Aber auch in jenen Ländern, die sich zur Zeit noch nicht in Verhandlungen mit der EU befinden, herrscht eine positive Grundstimmung. So glauben 65 Prozent aller Kroaten und 39 Prozent aller Jugoslawen an einen EU-Beitritt ihres Landes bis 2010.

Gebremster Enthusiasmus

Ein wesentlicher Teil des Europa Barometers ist der sogenannte "Enthusiasmusindex", der auf einem Blick zeigen soll, in welchen Ländern hohe Erwartungen und Optimismus vorherrschen, bzw. wo eher zurückhaltendere Ansichten dominieren.

Besonders erwartungsvoll erweisen sich Manager aus Rumänien und Ungarn, schon deutlich dahinter die Führungskräfte Tschechiens, Polens und der Slowakei. Eher vorsichtig optimistisch sind Bulgaren, Kroaten und Jugoslawen. Am Ende der Rangreihe ist Slowenien. Insgesamt ist aber zu betonen, dass bei den Top Managern eine positive Stimmung vorherrscht. Mayr: "In allen Märkten ist der Enthusiasmusindex klar im grünen Bereich".

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Group Public Relations

Peter N. Thier, Tel. 711 91 DW 57126; E-Mail: peter.thier@ba-ca.com