16.1.2002

BA/CA CEE M o n i t o r: Wirtschaftsmotor in Mittel- und Osteuropa wird selbst angetrieben

Konjunkturtief in der EU hat nur eingeschränkte Auswirkungen auf Volkswirtschaften in CEE
CEE behauptet sich als "Gewinner" unter den Emerging Markets
2002 wird das Jahr der Herausforderung - 2003 das Jahr der Wiederbelebung

Die Länder Mittel- und Osteuropas (CEE) treiben ihren Wirtschaftsmotor selber an. Denn das Jahr 2002 wird, so wie das soeben vergangene Jahr, im wesentlichen von der Inlandsnachfrage (Binnenkonjunktur) dominiert. Das bedeutet, dass das Konjunkturtief in der EU nur einen sehr eingeschränkten Einfluss auf die Volkswirtschaften in CEE haben wird. "Die ökonomische Stütze der EU ist derzeit weggefallen, die Prüfung werden die CEE-Länder aber bestehen", so Marianne Kager, Chefökonomin der Bank Austria Creditanstalt-Gruppe in ihrer jüngsten CEE-Analyse, die im Rahmen der derzeit in Wien stattfindenden Euromoney-Konferenz "Central and Eastern European Issuers and Investors Forum" präsentiert wurde.

2002: Das Jahr der Herausforderung

Mit einem realen Wachstum von 2,7 Prozent haben sich die EU-Beitrittskandidaten des Ostens (Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn) im Jahr 2001 behauptet. 2002 sehen die Ökonomen der BA/CA-Gruppe als Jahr der Herausforderung und rechnen mit einem Wachstum von nur 2,1 Prozent. "Das ist eine deutliche Verlangsamung", sagt Kager, "aber immer noch doppelt so schnell wie die EU (etwas unter 1 Prozent)". Mit diesen Werten ist die Region CEE auch der Wachstumsgewinner unter den Emerging Markets. Denn Lateinamerika und Südostasien sind 2001 mit 1 bzw. 0,4 Prozent gewachsen, 2002 werden es 1,7 bzw. 2 Prozent sein. Noch bessere Werte weist die Region Südosteuropa auf: 2001 ist sie mit 4,5 Prozent gewachsen, 2002 werden es 2,8 sein, 2003 wieder 3,9 Prozent.

2003: das Jahr der Wiederbelebung

Die EU-Beitrittskandidaten Mittel- und Osteuropas sollten sich 2003 wieder erholen und ein reales Wachstum von 4 Prozent erreichen. Auch dann wird die Konjunktur in CEE aber im wesentlichen von der Inlandsnachfrage geprägt sein. Ein Aufschwung der Weltwirtschaft wird die Entwicklung jedoch unterstützen. "Die hohen Wachstumsraten der späten 90er Jahre werden wir nicht erreichen", so Chefökonomin Kager, "Erst ab 2004 kann mit einer Annäherung an diese Wachstumsdynamik gerechnet werden."

Trotz Dominanz der Binnenkonjunktur starker europäischer Einfluss

Die meisten Länder Mittel- und Osteuropas sind heute bereits stark in die EU integriert. Zumindest aus wirtschaftlicher Sicht. Für alle Beitrittskandidaten ist die EU bereits zum wichtigsten Handelspartner geworden. Der Anteil der Exporte dieser Länder in die EU erreicht durchschnittlich 70 Prozent. "Dennoch weisen diese Länder die nötige Elastizität in ihrem Exportwachstum auf", analysiert die BA/CA Ost-Expertin, "Osteuropas Exportwirtschaft wird überproportional von einem Aufschwung in der EU profitieren".

Ähnlich verhält es sich bei den Investitionen, die aufgrund der vorsichtigeren Haltung internationaler Konzerne derzeit rückläufig sind. Die erst für 2003 erwartete stärkere Investitionstätigkeit wird eine maßgebliche Rolle bei der Erhöhung der Wirtschaftsdynamik in CEE spielen, zumal der Anteil der Investitionen am BIP in CEE höher als jener in der EU ist.

Unterschiedliche Konjunkturentwicklung in den einzelnen CEE-Ländern

Nach Ländern betrachtet, sieht die Konjunkturentwicklung sehr unterschiedlich aus: In Ungarn sticht der starke private Konsum hervor, der auch 2002/2003 die wichtigste Konjunkturstütze bleiben wird. In der Slowakei und der Tschechischen Republik sind vor allem die Investitionen der Wachstumsmotor, der die Konjunktur belebt. Eine Ausnahme stellt Polen dar, das an einer Rezession vorbeischrammen wird (Prognose: 0,8 Prozent für 2002, 3,0 für 2003). Die Investitionstätigkeit ist dort 2002 nochmals rückläufig. Erst 2003 wird sie an Dynamik gewinnen und die Binnennachfrage zur Basis des stärkeren Wachstums machen.

Die BA/CA-Gruppe ist die größte österreichische Bank und führender internationaler Finanzdienstleister in MitteI- und Osteuropa (CEE). Sie ist als Teil der HVB Group für diese Region verantwortlich. Das Netzwerk der Gruppe umfasst mittlerweile rund 750 Niederlassungen in 15 Ländern. Die Bilanzsumme erreicht in CEE rund 21 Milliarden Euro.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Group Public Relations

Peter N. Thier, Tel. 71191 DW 57126; E-Mail: peter.thier@ba-ca.com