18.2.2002

Die Nebel von Technolon

Zwischenbilanz in der US-Technologie
Ergebnisse großteils im Rahmen der Erwartungen
Ausblicke lassen aber noch zu wünschen übrig

Letzte Woche haben einige große US-Technologiewerte Quartalszahlen vorgelegt; außerdem fand Anfang Februar eine große Technologie-Konferenz in Palm Springs (Veranstalter: Goldman Sachs) statt. Wir nehmen dies zum Anlass, um eine grundsätzliche Zwischenbilanz in der US-Technologiebranche zu ziehen.

Insgesamt kann man wohl sagen - und das war auch der Tenor bei der Goldman-Konferenz - dass das Schlimmste in der Technologie vorbei ist. Die meisten Unternehmen schlagen mit ihren jüngsten Quartalszahlen zwar die Erwartungen. Dazu muss man aber ergänzen, dass die Latte schon im Vorfeld mehrfach niedriger gelegt wurde. Weniger rosig sieht der Ausblick aus, den viele Unternehmen geben (bzw. nicht geben): Die Nebel in der Branche lichten sich nur sehr, sehr zögerlich, meist hat man über das laufende Quartal hinaus keine Visibilität (Cisco) bzw. gedämpfte Erwartungen.

Besonders pessimistisch betrachtet könnte man sagen, dass die Tech-Aktien ein wesentlich besseres Jahr 2002 einpreisen, als wir es wahrscheinlich bekommen werden. Das durchschnittliche KGV im Nasdaq 100 (bezogen auf die Schätzungen für 2002) beläuft sich auf 72! Im Technologiesegment des S&P 500 liegt die Bewertung immerhin noch um die 50 (ebenfalls bezogen auf die Schätzungen für 2002).

Damit die Tech-Aktien ihre Anstiege vom 4. Quartal 2001 verteidigen bzw. weiter zulegen können, müssen die Investitionen der Unternehmen in Technologie insgesamt wieder anspringen. Aber damit die Firmen wieder mehr für Technologie ausgeben können, müssen sie erst selbst mehr verdienen. Sprich: Die Technologie braucht dringend eine generelle Erholung in den Gewinnen – vor allem bei ihren Auftraggebern! Da aber zuerst die Gewinne wieder anspringen müssen, bevor Geld für Technologie verfügbar ist, wird die Tech-Branche mit einer gewissen Zeitverzögerung auf die Erholung reagieren. Ergo: Technologie ist ein Spätzykliker.

Fazit: Tech-Aktien sind generell nicht billig, die Anleger warten dringend auf eine Erholung in der Auftragslage, die aber vielleicht nicht in der erhofften Geschwindigkeit und Deutlichkeit eintreten wird. Wir bleiben dabei: Selektivität ist Trumpf, eine breite Rallye des Sektors ohne Verbesserung in den Fundamentaldaten aus unserer Sicht wenig wahrscheinlich.

Unsere Top-Empfehlung bleibt Dell, die Zahlen letzte Woche waren im Rahmen der Erwartungen. Wie viele andere große US-Technologiefirmen auch, gibt sich Dell bezüglich des weiteren Ausblicks verhalten, ihre Vormachtstellung im PC-Geschäft scheint aber weiterhin ungebrochen. Außerdem gewinnen sie durch die immer noch nicht ausgestandene Fusion von Hewlett Packard & Compaq Marktanteile dazu.

Kurs (Fr.): $ 25,60 EPS (Jan. 03): 0,75 KGV: 34,1

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Asset Management

Monika Rosen, Tel.33 147 DW 5403; E-Mail: monika.rosen@amg.co.at