15.5.2002

News aus dem Asset Management der Bank Austria: „Barron´s“-Umfrage zeigt vorsichtigen Optimismus von US-Managern


Die amerikanische Anlegerzeitung "Barron’s" führt mehrmals pro Jahr eine Umfrage unter 178 amerikanischen Fonds- und Portfoliomanagern durch. Dabei werden die Experten befragt, welche Erwartungen sie z.B. zum Markt, zu einzelnen Branchen oder externen Risken haben. Hier eine kurze Zusammenfassung der Aussagen, wie sie von den befragten Experten jüngst getätigt wurden. Zeit der Erhebung war Mitte April, als die Aktienmärkte also durchaus stärker unter Druck standen als derzeit. Wir möchten eingangs betonen, dass dieser Flash zunächst das Ergebnis der "Barron’s"-Umfrage zusammenfasst und erst im Fazit einige Gedankenanstöße von uns dazu liefert.


Wenig überraschend ist die Tatsache, dass 35 Prozent die Technologie für die Branche mit der schwächsten Performance über die nächsten 6 bis 12 Monate halten. Nur 13 Prozent glauben, dass Tech-Werte den Markt heuer anführen werden. Auf die Frage, was derzeit am meisten verunsichere, wurden am häufigsten die Eingeständnisse der Unternehmen bezüglich Rechnungslegung ("Enronitis") genannt. Große Wachstumsaktien sind für manche der Befragten jenes Segment, das im Moment so out ist, dass es nur mehr besser werden kann – sprich: Einige glauben, dass große Wachstumswerte, die heuer besonders unter die Räder gekommen sind, eine eindeutige Kaufgelegenheit darstellen. Genannt werden dabei GE, aber auch Pfizer.


64 Prozent sind der Meinung, dass die Gewinne den größten Einfluss auf die Aktienbewegungen in den nächsten 6 Monaten haben werden. Als zweitwichtigster Faktor werden politische und militärische Themen genannt. Das größte Risiko für die Aktien sehen zirka 50 Prozent der Befragten in einer erneuten Abkühlung der Konjunktur; auf den Plätzen folgen Probleme bei der Rechnungslegung und ein Mangel an Ausrüstungsinvestitionen. Die befragten Manager erwarten im S&P heuer ein Gewinnwachstum von 8 Prozent und 2003 von 10 Prozent - damit liegen sie deutlich unter dem Konsensus der Analysten, die für heuer ungefähr 14 Prozent und für 2003 etwa 19 Prozent erwarten.


Über 60 Prozent der befragten (US-)Manager sind der Ansicht, dass der Dollar gegenüber dem Euro heuer Schwäche zeigen wird. Außerdem sind ihre Erwartungen bezüglich Wirtschaftswachstum durchaus optimistisch – man erwartet im Schnitt etwa 2,9 Prozent. Zum Vergleich: Im Herbst 2001, unmittelbar nach den Anschlägen, wurde bei einer ähnlichen Umfrage für 2002 noch eine negative Wachstumsrate prognostiziert! Wenig Störfeuer erwarten die Befragten von Zinsen und Ölpreis. Den Ölpreis erwartet man im wesentlichen seitwärts, nur 10 Prozent halten Ölaktien für die Top-Branche der nächsten 6 bis 12 Monate. Vielleicht ein positives Signal für den Markt zum Abschluss: Die meisten der Befragten wollen in den nächsten 12 Monaten ihre Aktienquote erhöhen!


Fazit: Meinungsumfragen dieser Art liefern meist wichtige Hinweise auf das, was im Markt derzeit "common ground" ist, also jene Linie, die die Mehrzahl der Marktteilnehmer für die wahrscheinlichste hält. Oft ergeben sich interessante Anlagechancen vor allem dort, wo man von dieser Mehrheitsmeinung abweicht. Dazu einige Gedankenanstöße: Mutig – und nicht unbedingt von uns geteilt – wäre die Annahme, Technologie könnte heuer doch noch zum Outperformer werden. Erwartet wird das derzeit nur von den wenigsten, was aber auch darauf schließen lässt, dass viele in dem Segment unterinvestiert sind und nachkaufen müssten, sollte eine Rallye doch losgehen.


Schon eher wahrscheinlich scheint die Annahme (die einige der Befragten selbst getroffen haben), dass die Underperformance der großen Wachstumsaktien zu Ende gehen könnte. In jedem Fall spricht aus der Umfrage für uns vorsichtiger Optimusmus, da man zwar weiterhin Risken sieht, mittelfristig aber die Aktienquote tendenziell erhöhen will. Wollte man hier noch einen "contrarian view" einnehmen, so könnte man sagen, vielleicht springt der Markt doch schneller an als gedacht.

Rückfragen: Bank Austria Asset Management

Monika Rosen, Tel. 33 147 DW 5403; e-mail: monika.rosen@amg.co.at