05.07.2002

Bank Austria Asset Allocation für das 3. Quartal 2002

  • Börsen im Stimmungstief und durch Skandale belasten
  • Zinserhöhungen stehen nicht unmittelbar bevor
  • Fundemtaldaten zum Teil verbessert - Märkte reagieren noch nicht
  • Top-Tipp: "Dollarprofiteure"

Aktienmärkte: Stimmung am Tief?
Trotz der Zwischenerholung im 4. Quartal 2001 nahmen die Aktienmärkte im ersten Halbjahr 2002 ihre Talfahrt wieder auf, wobei sich der Verkaufsdruck im 2. Quartal nochmals deutlich verstärkte. Die Liste der Probleme, die den Markt belasten, ist lang: Geopolitische Themen wie Terror und Nahostkonflikt gehören ebenso dazu wie anhaltende Zweifel an der Berichterstattung der Unternehmen. Hier nimmt bei der US-Telefongesellschaft Worldcom nun nach Enron scheinbar der zweite Bilanzierungsskandal seinen Lauf. Außerdem gaben einige Wirtschaftsdaten Anlass, an der Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung zu zweifeln. Da nützt es wenig, dass einzelne Unternehmen ihre Gewinnaussichten bestätigen bzw. sogar erhöhen. Der Markt scheint im Moment für positive Nachrichten nicht wirklich aufnahmebereit und fixiert sich stark auf negative Schlagzeilen.
Obwohl das Sentiment an den Börsen derzeit sehr angeschlagen ist, sehen wir in der jüngsten Talfahrt teilweise eine Übertreibung nach unten. In der Spitze der Euphorie, im Winter 1999/2000, konnte der Aktienmarkt nichts falsch machen – jetzt scheint es, als könne er nichts richtig machen.

Wir verweisen aber dennoch darauf, dass einzelne Branchen ihre Gewinnaussichten bestätigen bzw. sogar erhöhen und empfehlen daher im 3. Quartal vor allem US- Konsumwerte (Coca Cola, McDonald’s), die von der Dollarschwäche profitieren.
 
Zinserhöhungen nicht vor Herbst erwartet
Noch im 1. Quartal 2002 setzte der Rentenmarkt stark auf eine konjunkturelle Erholung, sprich die Renditen verzeichneten deutliche Anstiege. Im 2. Quartal gab es jedoch erste enttäuschende Wirtschaftsdaten, die zwar am grundsätzlichen Szenario einer sich erholenden Weltwirtschaft nichts änderten, deren Geschwindigkeit und Ausmaß aber zunehmend in Frage stellten. Dazu kam nochmals eine Vertrauenskrise an den Aktienmärkten und eine Reihe von geopolitischen Bedrohungen. Vor diesem Hintergrund kam es an den internationalen Rentenmärkten im Juni zu einer Kursrallye, die die Renditen teilweise auf den niedrigsten Stand des Jahres 2002 fallen ließ. Die Renditerückgänge fielen in Amerika stärker aus als in Euroland, da in Europa Inflations- und damit verbunden Zinserhöhungsängste nie ganz so in den Hintergrund traten wie in den USA.

Wir sehen daher sowohl in den USA als auch in Europa keine unmittelbare Gefahr für Zinserhöhungen; im September könnte dann die EZB, gegen Jahresende die Fed an der Zinsschraube drehen.
Unbedingt erwähnt werden muss auch die Entwicklung des Euro-Dollar-Wechselkurses. Seit Anfang April geht es mit dem Euro steil aufwärts, wobei die Befestigung gegen Ende Juni an Geschwindigkeit zunahm. In den letzten Tagen ist der Euro kurz vor Erreichen der Parität allerdings zunächst einmal gescheitert.

Asset Allocation
Die Stimmung an den internationalen Aktienmärkten zeigt sich zum Ende des 2. Quartals 2002 leider stark negativ. Neben geopolitischen Bedrohungen (Krise im Nahen Osten, Terror etc) leidet gerade der amerikanische Aktienmarkt unter einer Reihe von Skandalen, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Börse auf eine harte Probe stellen. Vor diesem Hintergrund gingen die Aktien gerade zu Quartalsende auf Talfahrt, während die Renten und auch der Goldpreis Stärke zeigten. Wir sehen zwar auch weiterhin keineswegs alle Risken ausgeräumt, betrachten die Entwicklung aber zumindest zum Teil als eine gewisse Übertreibung nach unten. Deshalb erachten wir eine neutrale Aktienposition für gerechtfertigt. Insofern setzen wir unsere Aktienquote bei 40  Prozent fest. Cash erhöhen wir auf 3 Prozent, auf die Renten entfallen somit 57 Prozent.

Die Allocation lautet daher auf 40 Prozent Aktien, 57 Prozent Anleihen und 3 Prozent Cash.
 
Anleihen:
Anleihenseitig setzen wir weiterhin auf einen nicht schwächer werdenden Euro und senken den Dollar-Anteil von 8 Prozent auf 0 Prozent, diese 8 Prozent werden Euroland zugeschlagen, das somit bei 91 Prozent hält. UK bleibt mit 4 Prozent, Resteuropa mit 5 Prozent gewichtet.

Aktien:
Aktienseitig wurde bereits im 2. Quartal 2002 der zweiten Phase der Umstellung auf Streubesitz in den MSCI-Indizes Rechnung getragen, im dritten Quartal bleiben wir gegenüber dem zweiten Quartal nahezu unverändert. Relativ zur Benchmark sind wir weiterhin in Euroland übergewichtet. Auf Euroland-Aktien entfallen aktuell 19 Prozent; der Anteil in UK wird auf 11 Prozent angehoben, Resteuropa bleibt mit 3 Prozent gewichtet. Auf die USA entfallen nunmehr 53 Prozent, auf Japan 9 Prozent, Sonstige Länder bleiben unverändert mit 5 Prozent gewichtet.


Rückfragen:   Asset Management GmbH
Mag. Monika Rosen, Bereichsleiterin Research, Tel. 01/33 147 DW 5403;
E-Mail: monika.rosen@amg.co.at