20.3.2002

BA/CA-Ökonomen: Bulgarien hat die Weichen richtig gestellt

Starkes Wachstum trotz Stabilisierungspolitik
Wirtschaft wird heuer wieder Vorkrisenniveau erreichen
Österreichische Unternehmen entdecken Bulgariens Potential

Die Volkswirte der Bank Austria Creditanstalt sehen erstmals nachhaltigen Erfolg Bulgariens bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Lange Zeit war Bulgarien durch erfolglose Reformen und die negativen Auswirkungen der Balkankriege ein sicherer Kandidat für wirtschaftliche Katastrophenmeldungen. Doch seit einigen Jahren hat sich das Bild gewandelt: 2001 war das vierte Jahr in Folge mit starkem Wirtschaftswachstum. Mit einem Wirtschaftswachstum von 4,6 Prozent im Jahr 2001 (2000: 5,8 %) ist Bulgarien inzwischen der wirtschaftliche Aufsteiger am Balkan. Die Volkswirte der Bank Austria Creditanstalt weisen allerdings auch darauf hin, dass das Land erst heuer jenes wirtschaftliche Aktivitätsniveau erreichen wird, das es vor der schweren Wirtschaftskrise 1996/97 hatte.

In den vergangenen Jahren ist es Bulgarien gelungen, das pro Kopf Einkommen immerhin um knapp 25% zu erhöhen, die Inflation deutlich unter 10 Prozent zu bringen, den Staatshaushalt de facto auszugleichen, die Auslandsverschuldung zu reduzieren und das jährliche Investitionsniveau zu verdoppeln. Nach Meinung der BA/CA Ökonomen eine durchaus beachtliche Leistung. Vor fünf Jahren kämpfte das Land noch mit 1000prozentiger (tausend) Inflation, ausufernden Budgetdefiziten und einer Halbierung der Investitionstätigkeit. Einziger Wermutstropfen bleibt vorerst die hohe Arbeitslosenquote, die mit 18% zu einer der höchsten in Osteuropa zählt.

Die Volkswirte der Bank Austria Creditanstalt erwarten für die nächsten Jahre eine Fortsetzung des Aufholprozesses Bulgariens. Mit der Erholung der internationalen Konjunktur erwarten die Ökonomen für die zweite Jahreshälfte 2002 ein Wirtschaftswachstum von über vier Prozent in Bulgarien. Die Volkswirte gehen davon aus, dass die neue Regierung weiterhin auf wirtschaftlichem Reformkurs bleibt. Ein Grund ist der möglichst rasche EU-Beitritt, den Bulgarien anstrebt.

Österreichische Unternehmen entdecken Bulgariens Potential

Insbesondere österreichische Unternehmen zeigen ein wachsendes Interesse am Wirtschaftsstandort Bulgarien: "Österreichische Unternehmen werden in Bulgarien ihrer Vorreiterrolle im Aufbau wirtschaftlicher Kontakte nach Osteuropa gerecht, und haben erkannt, dass Bulgarien einen attraktiven Zukunftsmarkt darstellt" meint Chefökonomin Marianne Kager. So kommt mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Bulgarien auch der Außenhandel mit Österreich immer mehr in Schwung. Die Exporte nach Bulgarien wuchsen 2001 mit rund 14% doppelt so schnell wie die Gesamtexporte Österreichs.

Herausragend ist auch die Rolle Österreichs als Investor in Bulgarien. Mit rund 100 Mio. EUR war Österreich 2001 der zweitwichtigste ausländische Investor nach dem Nachbarland Griechenland aber noch vor Italien und Deutschland. "Obwohl die nächsten Jahre für die erfolgreiche Fortsetzung des Stabilitätskurses eine Herausforderung sein werden, hat Bulgarien die Weichen richtig gestellt", fasst Kager abschließend optimistisch zusammen.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Konzernvolkswirtschaft

Stefan Bruckbauer, Tel. 71191 DW 51054; E-Mail: stefan.bruckbauer@ba-ca.com