23.07.2002

News aus dem Asset Management der Bank Austria:
Zwischenbilanz der Berichtssaison

  • Ergebnisse nach gutem Start enttäuschend
  • Bilanzskandale verunsichern weiter
  • Dow Jones auf dem tiefsten Stand seit Oktober 1998

Zwei Wochen nach Beginn der amerikanischen Bilanzsaison ist das Resüme bislang eher ernüchternd. Glaubte man anfangs nach einigen zufriedenstellenden Ergebnissen des zweiten Quartals, dass diese den Beginn eines Aufwärtstrends einleiten könnten, ist man mittlerweile nicht mehr so optimistisch. Insbesondere der letzte Freitag und auch der gestrige Montag zeigten starke Kurseinbrüche, die Tiefstände nach den Terroranschlägen vom 11. September wurden durchbrochen und die Indizes befinden sich teilweise auf 4- bzw. 5-Jahres-Lows.

Dow Jones auf tiefstem Stand seit Oktober 1998
Der amerikanische Dow Jones Index verlor am Freitag über 390 Punkte oder 4,64 Prozent auf 8.019 Punkte, gestern büßte er weitere 234 Punkte (2,93 Prozent) auf 7.784 ein. Damit fiel der Leitindex in den letzten zwei Wochen mit Ausnahme eines Handelstages ununterbrochen und verlor dabei 17% seines Wertes. Die Nasdaq gab Freitag um 2,79 Prozent auf 1319,05 Punkte und gestern weitere 36 Punkte (2,77 Prozent) auf 1.282 nach. Auch die wichtigsten europäischen Aktienmärkte verloren stark an Terrain und büßten sowohl am Freitag als auch gestern im Schnitt mehr als 5 Prozent ein.

Prognosen immer noch nicht zufriedenstellend
Grund für die massiven Kursverluste in den letzten Wochen waren gar nicht so sehr schlechte Quartalsergebnisse der Unternehmen, diese waren nämlich meist in-line mit den Erwartungen (80 Prozent der US-Unternehmen, die bis jetzt berichtet haben, waren in oder sogar über den Erwartungen), sondern meist die verhaltenen Zukunftsprognosen. Zusätzlich belastend sind auch die weiterhin anhaltenden Skandale bezüglich der Bilanzerstellung einiger Unternehmen. Zuletzt schreckten diesbezügliche Meldungen von WorldCom und Johnson & Johnson die Märkte. Johnson & Johnson verloren am Freitag 16 Prozent auf 41,85 Dollar, nachdem der Pharmakonzern gemeldet hatte, die US-Gesundheitsbehörde FDA untersuche Unregelmäßigkeiten bei der Protokollführung in einem Werk in Puerto Rico. In dem Werk wird ein Medikament gegen Blutarmut produziert, bei dem ernstzunehmende Nebeneffekte festgestellt worden seien.

Zu den wichtigsten Ergebnissen in Kürze:
In der ersten Woche der Berichtssaison waren die Ergebnisse durchaus noch zufriedenstellend. So konnten etwa General Motors, General Electric oder Yahoo die Erwartungen des Marktes erfüllen. Der Mischkonzern General Electric rechnet für das dritte Quartal mit einem Gewinnwachstum in Höhe von 25 Prozent. Vor allem die konjunktursensiblen Geschäftszweige wie das TV- und Plastikgeschäft sollen wieder deutlich besser laufen.

Der weltgrößte Computerkonzern IBM hat im zweiten Quartal einen kräftigen Gewinneinbruch verzeichnet. Das US-Unternehmen führte den Einbruch auf die Nachfrageschwäche in der Branche und auf milliardenschwere Sonderbelastungen durch Personalabbau, Umstrukturierung und den bereits angekündigten Verkauf der verlustreichen Festplatten-Sparte zurück. Der US-Konzern hat 56 Millionen US-Dollar oder 0,03 US-Dollar je Aktie Gewinn gemacht. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch 2,04 Milliarden US-Dollar betragen. Vor Sonderposten liegt der Gewinn bei 0,84 US-Dollar je Aktie. Analysten hatten im Mittel mit 0,83 Dollar gerechnet. Der Kurs zeigt sich seit etwa einen Monat stabil. Der weltgrößte Chiphersteller Intel hat im zweiten Quartal die Prognosen der Analysten nur knapp erfüllt und liegt mit seinem Gewinn am unterem Ende der Erwartungen. Intel kündigte weiters den Abbau von 4.000 Stellen an und meinte, dass die Konjunkturerholung die Branche bisher noch nicht erreicht hat. Trotzdem scheint sich die Aktie wie IBM derzeit zu konsolidieren.

Sun Microsystems, Microsoft , Nokia, Ericsson
Nicht zufriedenstellend waren die Ergebnisse anderer Technologieunternehmen. Besonders unter Druck gerieten die Aktien des Herstellers von Netzcomputern, Sun Microsystems, die nach Bekanntgabe ihrer Zahlen um rund 27 Prozent auf 4,25 Dollar einbrachen. Der Konzern hatte nach der Rückkehr in die Gewinnzone im vierten Quartal für das laufende Quartal erneut rote Zahlen angekündigt, was die Investoren sehr negativ gestimmt hat.

Auch die Zurücknahme der Gewinnschätzung vom weltgrößten Softwarehersteller Microsoft für das Geschäftsjahr 2002/2003 auf 1,85 US-Dollar bis 1,91 US-Dollar je Aktie von zuvor 1,89 US-Dollar bis 1,92 US-Dollar wirkte sich negativ aus. Die Titel verloren über 3 Prozent auf 49,48 Dollar und gestern weitere 6,5 Prozent auf 46,31. Deutlich schwächer tendierten Freitags auch Nokia mit minus 5,18 Prozent auf 12,99 Euro. Der weltgrößte Handy-Produzent enttäuschte die Anleger mit den vergleichsweise breiten Prognose-Spannen. Nokia rechnet für das zweite Halbjahr mit einem Umsatzwachstum von drei bis zehn Prozent, nachdem der finnische Konzern erst Ende Juni seine Prognosen auf 10 Prozent Wachstum gesenkt hatte. Zudem senkte Nokia seine Prognose für den weltweiten Handy-Absatz.

Zu den Aktien im Blickpunkt zählten auch Ericsson. Die Titel brachen nach der Vorlage der Ergebnisse um 17,93 Prozent auf 11,90 Schwedische Kronen ein. Der Telekomausrüster hat im abgelaufenen Quartal den siebenten Verlust in Folge verbucht und zugleich die Umsatzprognose für 2002 für sein Kerngeschäft mit Mobilfunksystemen gesenkt und somit für sehr düstere Aussichten gesorgt. Heute Nacht wurde zudem von Standard & Poors das Rating auf eine Stufe über Junk-Status reduziert.

Fazit:
Wir sind der Meinung, dass die derzeit sehr schlechte Stimmung sehr stark von einzelnen Events (wie WorldCom) getrieben ist, die Fundamentaldaten an sich aber nicht so schlecht sind. 80 Prozent der US-Unternehmen, die bis jetzt berichtet haben, waren in oder über den Erwartungen. Die Volatilität an der New Yorker Börse ist fast so hoch wie unmittelbar nach den Anschlägen vom letzten September - das war in der Vergangenheit zumindest ein Anzeichen für eine Zwischenerholung.

Wir sind weiterhin langfristig von Aktien überzeugt, sind uns aber der aktuell schwierigen Situation bewußt. Zunächst würden wir die aktuelle Berichtsaison in den USA vielleicht noch abwarten, sollten die Gewinne aber wirklich nach mehr als einem Jahr wieder steigen, so sollte das irgendwann auch seinen Niederschlag in wieder steigenden Kursen finden.


Rückfragen:  Bank Austria Asset Management
Günther Schmitt, Tel. 33 147 DW 5402; E-Mail: guenther.schmitt@amg.co.at