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13.5.2002

News vom Asset Management der Bank Austria

Ein Aspirin nach der Party - Zwischenbilanz am US-Markt


Nach dem dramatischen Anstieg des Marktes letzten Mittwoch erhebt sich die Frage, inwieweit diese Bewegung eine echte Trendwende darstellt – oder ob es sich doch nur um ein Strohfeuer handelt. Auslöser für den starken Anstieg waren die Quartalszahlen von Cisco, die beim Gewinn leicht über den Erwartungen lagen. Dazu muss man aber ergänzen, dass die positive Überraschung durch vermehrte Kosteneinsparungen zustande kam und nicht etwa durch ein Anspringen der Auftragslage. Außerdem hat Cisco sein Budget für Forschung und Entwicklung gekürzt – auch nicht unbedingt ein besonders vielversprechendes Signal. In einem jüngsten Artikel widmet sich die US-Anlegerzeitung "Barron’s" dem Zusammenhang zwischen Forschungsbudgets und langfristiger Performance und kommt eindeutig zu dem Schluss, dass langfristiges Leadership nur durch ausreichende Investitionen in Forschung und Entwicklung zu halten ist. Das vielleicht positivste Signal von Cisco war die Tatsache, dass das Unternehmen für das laufende Quartal keine Warnung ausgesprochen hat.


An und für sich sind die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in den USA derzeit nicht schlecht. Wachstum und Produktivitätsfortschritte im 1. Quartal lagen weit über den Erwartungen, die Einzelhandelsumsätze im April hingegen haben enttäuscht. Hier spielten das schlechte Wetter und der frühe Termin für Ostern eine Rolle. Die amerikanische Notenbank hat ebenfalls signalisiert, dass sie nicht so bald an der Zinsschraube drehen wolle, sprich der Markt hat vorerst wenig Störfeuer durch Zinserhöhungen zu befürchten. Allerdings haben die Renditen dieses Szenario in den letzten Wochen bereits kräftig eingepreist – es stellt sich also die Frage, wie viel positiver Impuls bei den Renditen von einer abwartenden Fed noch kommen kann. Mittelfristig wird das Potenzial für eine negative Zinsüberraschung sicher größer, zumal der Ölpreis als anhaltende Unsicherheit ebenfalls über dem Markt schwebt.


Bezüglich Öl ist zu sagen, dass der aktuelle Preis sicher eine gewisse "Unsicherheitsprämie" beinhaltet. Das nächste OPEC-Treffen wird Ende Juni in Wien stattfinden, dann steht auch schon die "summer driving season" in den USA ins Haus, die an sich eine gute Nachfragequelle darstellen sollte. Unberechenbar bleibt die politische Komponente: Sollte es im Mittleren Osten zu einer Entspannung kommen, könnte der Ölpreis durchaus deutlich zurückkommen.


Bleibt die Frage der Gewinne und der Bewertungen. Das 1. Quartal wird wahrscheinlich mit einem Gewinnrückgang von über 12 Prozent abschließen, die Erwartungen für das 2. Quartal werden derzeit laufend zurückgestuft. Aktuell halten wir bei einer Konsensusschätzung von etwa 6 Prozent Zuwachs. Wenn überhaupt ein Gewinnzuwachs in diesem Quartal gelingt, wäre das schon eine gute Leistung, da damit die Gewinne nach über einem Jahr wieder in die Pluszone drehen würden.


Freilich sind die Bewertungen im Markt (trotz der auch heuer unbefriedigenden Kursentwicklung) alles andere als super-günstig. Der S&P 500 hat ein KGV (bezogen auf die Schätzungen für 2002) von knapp über 20, die Technologiekomponente ist mit 43 mehr als doppelt so teuer. Aber es gibt auch andere Segmente, die teurer sind als der Gesamtmarkt und somit anfälliger für Korrekturen. Der zyklische Konsum (darunter fallen z.B. Einzelhandel und Autos) hat mit einem KGV von 30 ebenfalls bereits deutlich angezogen. Auch die Grundstoffe (z.B. Papier) haben mit einem KGV von 28 bereits einiges von der wirtschaftlichen Erholung vorweggenommen. Demgegenüber ist der Bereich "Gesundheit" (umfasst neben Pharma auch Biotech und medizinische Ausrüster) mit 25 sicher weit weniger ausgereizt, aber im Moment eben auch weniger favorisiert.


Zu den KGV’s kann man also zusammenfassend sagen, dass ein weiterer Anstieg von hier sicher nicht ohne deutliche Gewinnsteigerungsraten möglich ist. Denn der Markt soll einerseits in die Schuhe, die er bereits jetzt trägt, hineinwachsen und andererseits dann weitere Kurszuwächse erzielen.


Fazit: Der Markt hat eindrucksvoll bewiesen, dass er bereit ist zu rallieren, wenn man ihm einen ausreichenden Grund liefert. Dennoch scheint es uns für eine völlige Entwarnung etwas früh. Der Beweis, dass sich die verbesserten Wirtschaftsdaten wirklich in den Ergebnissen der Unternehmen niederschlagen, steht eigentlich noch aus, und in dieser Unsicherheitsphase bleibt der Markt korrekturanfällig. Den Erwartungen für die Gewinnentwicklung im laufenden Quartal kommt in diesem Umfeld erhöhte Bedeutung zu – insofern ist im Juni, wenn die Warnungen für das 2. Quartal hereinkommen, erhöhte Volatilität nicht auszuschließen.

Rückfragen: Bank Austria Asset Management

Monika Rosen, Tel. 33 147 DW 5403; E-Mail: monika.rosen@amg.co.at