31.10.2002

Der Euro ist kein Teuro: Österreich eines der Länder mit geringsten Europreiseffekten

Der Euroeffekt dürfte in Österreich lediglich ¼ Prozentpunkt betragen.
Starke Preissteigerung in einzelnen Bereichen nur teilweise eurobedingt.
Österreich auch nach dem Euro eines der preisstabilsten Länder.

Anlässlich des ersten Weltspartages mit dem Euro analysierten die Experten der BA-CA den Einfluß der Euroumstellung auf die Preise in Österreich. Sie verglichen dabei die Preissteigerungen in den letzten beiden Jahren in Österreich mit anderen europäischen Ländern, die den Euro nicht einführten. Das Ergebnis: In Österreich dürfte die Euroeinführung im Durchschnitt kaum die Preise erhöht haben. „Unsere Inflation lag in den letzten beiden Jahren nur ¼ Prozent höher als in Nicht-Euro-Ländern“, so Stefan Bruckbauer von der BA-CA. Österreich zählt damit neben Deutschland, Frankreich, Belgien und Finnland zu jenen Ländern mit den geringsten Euroeffekten.

Nach der Analyse der BA-CA Volkswirte war dies jedoch nicht in allen Euroländern der Fall. So dürfte der Euro im Durchschnitt in Italien zu einer Preiserhöhung um mehr als einen Prozent, in Spanien zwei Prozent, in Irland, Griechenland und Portugal sogar mehr als zwei Prozent beigetragen haben. Allerdings haben manche dieser Länder aufgrund ihres niedrigen Preisniveaus generell höhere Inflationsraten, was auch mögliche Europreiseffekte „begünstigte“.

Insgesamt sind die Preise in Österreich seit dem Herbst 2000 um 4 Prozent gestiegen, damit weniger stark als im gesamten Euroraum mit 5,5 Prozent (ungewichtet). Im selben Zeitraum stiegen jedoch auch in den Nicht-Euro-Ländern Westeuropas die Preise mit 3,7 Prozent nur wenig langsamer als in Österreich. Nach Meinung der Ökonomen der BA-CA resultiert die in vielen Ländern vorhandene Skepsis hinsichtlich niedriger Euroeffekte auf der Tatsache, dass es teilweise deutliche Preissteigerunge in manchen Bereichen gab. So stiegen in Österreich etwa die Kosten für Bücher und Zeitungen mit fast 9 Prozent, für Reparaturen von Haushaltsgeräten mit 8 Prozent, für den Friseur mit 7 Prozent, für den Gasthausbesuch oder Lebensmittel mit 6 Prozent, für häusliche Dienstleistungen und Freizeitdienstleistungen mit 5 Prozent stärker als der Durchschnitt. Dies sind alles Preissteigerungen, die im täglichen Leben stark spürbar sind, auch wenn sie weniger als die Hälfte der Haushaltsausgaben ausmachen.

Gleichzeitig lag jedoch die Preissteigerung etwa beim Wohnen mit 2 ½ Prozent, bei Einrichtungsgegenständen mit 3 Prozent, beim Verkehr mit 2 Prozent, bei der Bekleidung und bei der Nachrichtenübermittlung mit sogar nur 1 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Dies sind jedoch im täglichen Leben nicht so stark spürbare und vergleichbare Preise.

Dieser starke Anstieg der Preise von Dienstleistungen und Waren des täglichen Gebrauches ist jedoch kein Phänomen des Euros. So stiegen zwar die Preise für den Friseur in Österreich seit Herbst 2000 um 7 Prozent und im Euroraum um 10 Prozent, in den Nicht-Euro-Ländern jedoch um mehr als 10 Prozent. Auch im Gastgewerbe, bei den Lebensmitteln und bei vielen Dienstleistungen lag die Preissteigerung seit dem Herbst 2000 im Nicht-Euro-Land teilweise sogar spürbar über jener in Österreich.

Die höheren Dienstleistungspreise sind vor allem darauf zurückzuführen, dass in diesem Bereich Produktivitätssteigerungen ungleich schwieriger sind als bei industriellen Gütern. Daher können im Dienstleistungsbereich steigende Kosten nicht im vollen Umfang durch Produktivitätssteigerungen ausgeglichen werden. Durch die Euroeinführung und die damit verbundene genauere Preisbeobachtung wurde dieses Phänomen stärker registriert als früher. So stiegen die Preise in jenen Bereichen, die seit Herbst 2000 die höchsten Preissteigerungen hatten, großteils auch im Zeitraum 1995 bis 2000 stärker als der Durchschnitt. So hatten etwa viele Dienstleistungen, der Friseur oder das Gastgewerbe auch zwischen 1995 und 2000 Preissteigerungen über der durchschnittlichen Inflation. „Die spürbaren Preiserhöhungen im Alltag sind großteils kein Phänomen des Euros. Es gibt sie bereits seit Jahren, traten jedoch mit der Europreisdiskussion stärker ins Bewußtsein der Öffentlichkeit“, so Stefan Bruckbauer von der BA-CA.

Insgesamt hat die Euroeinführung nach Meinung der BA-CA damit keine Geldentwertung gebracht. „Besonders Österreich war vorbildhaft beim Übergang auf den Euro“, so Stefan Bruckbauer von der BA-CA. Dies ist einerseits auf die genaue Preisbeobachtung und –berichterstattung andererseits aber auch auf das generell stabile Preisniveau in Österreich zurückzuführen. Teilweise haben überdurchschnittliche Preiserhöhungen in Bereichen, die von den Konsumenten täglich registriert werden,  den Eindruck erweckt, der Euro war ein Teuro. Diese Preissteigerungen lagen jedoch unter dem Eurodurchschnitt und teilweise sogar unter dem Durchschnitt von Ländern ohne Euroeinführung und sind zudem großteils ein bereits Jahre andauerndes Phänomen. Sie werden daher, nach Meinung der BA-CA, zu Unrecht mit der Euroeinführung in Verbindung gebracht.

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Rückfragen:   Bank Austria Creditanstalt Konzernvolkswirtschaft
Stefan Bruckbauer, Tel. 050505 DW 41951, E-Mail: stefan.bruckbauer@ba-ca.com