19.4.2001

News aus dem Asset Management der Bank Austria: Never Fight the Fed!

Fed senkt erneut außerplanmäßig die Zinsen
Aktienmärkte explodieren
Aber: Auch im Jänner waren Zinssenkungen allein zu wenig

Unerwartete Senkung auch mit schwachen Aktienmärkten begründet

Bereits zum vierten Mal dieses Jahr hat die amerikanische Notenbank gestern die Zinsen gesenkt, und zwar erneut um 50 Basispunkte auf 4,5%. Damit sind die US-Leitzinsen ganze 2 % unter dem Stand vom Jahresanfang, und außerdem war es bereits das zweite Mal heuer, dass die Fed außerhalb ihrer tourlichen Sitzungen an der Zinsschraube gedreht hat. Der Markt wurde von dem Schritt völlig überrascht und reagierte euphorisch. Die Nasdaq schloss erstmals seit über einem Monat wieder über 2.000 Punkten, und auch die anderen US Indizes verzeichneten starke Anstiege.

Interessant war die Begründung, die die Notenbank für ihre Entscheidung anführte. Neben den anhaltend hohen Risken für die US-Wirtschaft wurden explizit auch die Aktienmärkte erwähnt. Die heftigen Turbulenzen an den Märkten könnten negative Auswirkungen auf das Verbraucherverhalten haben, so die Fed.

Börsen bekommen Aufwind

Der Zinsschritt kam also für die Märkte weitgehend überraschend, was einem bereits positiven Start an den Börsen zusätzliche Schubkraft verlieh. Außerdem befinden wir uns mitten in der "earnings season", d.h. die großen US-Unternehmen legen ihre Ergebnisse für das 1. Quartal vor. Da es bereits im Vorfeld eine Rekordzahl an Warnungen gegeben hatte, treffen die meisten die (gesenkten) Erwartungen ziemlich genau. In diese Kategorie fielen zuletzt Intel, IBM, AOL, GM und Pfizer.

Die zentrale Frage bleibt aber dennoch bestehen:

Können Zinssenkungen allein den Markt stabilisieren?

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf den Jänner, als der erste außertourliche Schritt der Fed am 3.1. die Märkte stark beflügelte, diese Gewinne aber nicht gehalten werden konnten.


Wir bleiben bei unserer zentralen Aussage, dass die Zinssenkungen von positiveren Unternehmensmeldungen begleitet sein müssen, um den nachhaltigen Turnaround an den Märkten herbeizuführen. Außerdem ist ein Tief am Markt selten ein Punkt, sondern mehr ein Prozess, der sich im Zeitablauf entfaltet. Ein nochmaliges Testen der Tiefstände in den nächsten Monaten kann daher sicher nicht ausgeschlossen werden.

Fazit

Die Zinssenkung war überraschend und eben darum so effektiv. Die Risken bleiben aber bestehen – das weiß auch die Fed, sonst würde sie die Zinsen nicht so aggressiv senken. Der Aktienmarkt braucht jetzt die Überzeugung, dass wir bei den Gewinnen das Tief erreicht haben, um sich nachhaltig zu erholen. Es ist aber ebenso unbestritten, dass die Fed alles tut, der Wirtschaft unter die Arme zu greifen, und das wird langfristig auch den Aktienmarkt stabilisieren. Wir bleiben somit bei unserer grundsätzlich positiven Haltung zu den Märkten, verweisen aber auch darauf, dass noch nicht alle Risken gebannt sind.

Unsere Aussage vom Jahresbeginn, dass in diesem Umfeld in risikoreicheren Branchen (Technologie!) mehr Hebel nach oben steckt als in den defensiven Sektoren, hat sich bestätigt.

Rückfragen: Bank Austria Asset Management

Monika Rosen, Tel. 33 147 DW 5403

E-Mail: monika.rosen@amg.co.at