7.12.2001

News aus dem Asset Management der Bank Austria: Deja-vu - Technologie steigt wie in alten Zeiten

Börse preist baldige wirtschaftliche Erholung ein
Technologie steigt überproportional
Wir sehen aktuell Chancen bei weniger ausgereizten Branchen wie Pharma

Seit die internationalen Aktienmärkte am 21. September ihre Tiefstände erreicht haben, kennt der Optimismus der Börsen scheinbar kein Halten mehr. Die Anleger setzen im Moment voll auf eine baldige wirtschaftliche Erholung im nächsten Jahr und greifen in Vorfreude darauf schon jetzt kräftig zu. In einer neuen (alten) Starrolle zeigt sich dabei die Technologie, die nach der langen Durststrecke seit dem Frühling 2000 in den letzten beiden Monaten ein kräftiges Lebenszeichen gab. Seit dem 21. September ist der Dow Jones Index um 23 Prozent, die Nasdaq hingegen um satte 44 Prozent gestiegen.

Hinter dieser starken Bewegung nach oben steht vor allem die Überzeugung, dass die aggressive Zinssenkungskampagne der amerikanischen Notenbank, der gefallene Ölpreis und die angekündigten Fiskalpakete die US-Wirtschaft eher früher denn später aus der Malaise führen werden. Gestützt wird diese Annahme von einer Reihe von Wirtschaftsdaten, die bei weitem nicht so eindeutig negativ sind, wie man unmittelbar nach den Anschlägen hätte glauben sollen. So lagen z.B. die Einzelhandelsumsätze oder auch der jüngste Einkaufsmanager-Index über den Erwartungen. Diese Hoffnung spiegelt sich auch in der Branchenperformance wider: Seit Ende September dominieren eindeutig die Zykliker, wie z.B. Technologie, aber auch Einzelhandel oder Grundstoffe.

Dass der Optimismus an den Börsen insgesamt ein Revival feiert, zeigt sich auch an einem anderen Stimmungsindikator: Mittlerweile sind nur mehr 23,7 Prozent einer befragten Runde von Fondsmanagern pessimistisch für die weitere Entwicklung – ihr Anteil lag unmittelbar nach den Anschlägen noch bei 42,7 Prozent. Die Bullen sind von 33,7 Prozent nach dem 11. September auf mittlerweile 45,4 Prozent angewachsen. Darin könnte man natürlich auch einen ausgezeichneten Kontraindikator sehen - Stichwort: Zu viel Sorglosigkeit deutet auf Korrekturgefahr.

Was im Moment vielleicht am meisten Anlass zur Sorge gibt, ist die Tatsache, dass die Kurse von den Fundamentaldaten teilweise weit enteilt sind. So reagieren vor allem die Technologiewerte in dieser Woche auf Aussagen von Unternehmensseite, wonach die Orderlage Tendenzen zur Stabilisierung zeigt (Cisco, Oracle) und man sich für 2002 eventuell wieder ein Wachstum vorstellen kann (Oracle). Gestern haben dann auch noch die beiden großen Chiphersteller, Intel und Advanced Micro Devices, ihre Umsatzziele für das 4. Quartal leicht angehoben, was die jüngste Rallye bei Chip-Aktien scheinbar bestätigt hat. Das ist zwar an sich erfreulich, nur erhebt sich die Frage, ob die Kursanstiege auf die Dauer mit derart leicht-positiven Nachrichten zu halten sein werden. Immerhin hat der S&P 500 auf Basis der Schätzungen für 2002 ein KGV von 25 - sicher kein Ausverkaufs-Niveau -, die Technologie im S&P ist aber gut doppelt so hoch bewertet. Damit hat die Technologie in etwa das KGV vom Frühjahr 2000, ohne dass die Gewinnsteigerungsraten auch nur annähernd so positiv wären wie damals. In anderen Worten: Die Anleger preisen derzeit eine Rückkehr zu den alten Zuwachsraten in der Technologie. Ob wir diese aber tatsächlich so schnell erreichen, erscheint aus heutiger Sicht mehr als fraglich.

Dazu ein weiteres Beispiel: Nach Schätzungen der amerikanischen Halbleiterindustrie erleben die Zulieferer im Halbleitersektor heuer eines der schlimmsten Jahre aller Zeiten, mit einem Auftragsrückgang von 38 Prozent nach einem zugegebenermaßen positiven Rekordjahr 2000. Für 2002 erwartet die Branche einen weiteren leichten Rückgang um 3 Prozent. Das heißt aber nichts anderes, als dass die Branche selbst eine Rückkehr zum Wachstumspfad erst im Jahr 2003 erwartet. Vor diesem Hintergrund könnte gesagt werden, dass der Anstieg im Halbleiterindex um 53 Prozent in 2 Monaten diese Erholung mehr als ausreichend vorwegnimmt.

Fazit: Die Börse preist im Moment eine baldige und reichlich perfekte Erholung in den USA ein, namentlich in der Technologie kehrt man teilweise zur "alten Euphorie" zurück. Dass die starken Kursanstiege aber wenig Platz für Enttäuschungen lassen, dürfte auch außer Frage stehen. Somit stehen wir den Märkten zwar prinzipiell weiterhin positiv gegenüber, würden in den besonders stark performenden Branchen (Technologie!) aber etwas zur Vorsicht raten. Obwohl im Moment die Zykliker eindeutig im Vordergrund stehen, sehen wir mittelfristig bessere Chancen in jenen Bereichen, die an der jüngsten Kurserholung nur unterproportional teilgenommen haben, wie z.B. Pharma. Dort sind die Bewertungen aktuell auch nur ca. halb so hoch wie in der Technologie.

Rückfragen: Bank Austria Asset Management

Monika Rosen, Tel. 33 147 DW 5403;

E-Mail: monika.rosen@amg.co.at