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22.11.2001

Zinsanlage zwischen Rezessionsangst und Hoffnung

Risiko für eine Abschwächung des USD ist gestiegen
Kurzfristig überdurchschnittliche Kurssteigerungen bei Staatsanleihen zu erwarten
Vielfältige Möglichkeiten in Mittel- und Osteuropa

Die Weltwirtschaft ist außer Tritt geraten. Beinahe jede Region meldet eine scharfe konjunkturelle Abkühlung. Für Anleger in Zins- und Währungsprodukten ist diese Situation in einem abwärts gerichteten Konjunkturzyklus eine besondere Herausforderung. "Vorsicht ist derzeit geboten, konservative Zinsprodukte stellen momentan eine ideale Anlageform für Investoren am Anleihenmarkt dar", sagte Peter Harold, Bereichsleiter CEE Business & Global Research in der International Markets Division der Bank Austria Creditanstalt.

Schwächliche Eurozone

Das Rezessionsrisiko ist in der Eurozone derzeit ungewöhnlich hoch. Dazu kommt eine erhebliche Unsicherheit über die Stärke und Länge der wirtschaftlichen Abschwungs- bzw. Erholungsphasen. Kritisch ist vor allem, dass die Konjunkturlokomotive USA bereits in eine Rezession hineingeschlittert ist.

Während in der Eurozone für das laufende Jahr noch mit 1,5% Wirtschaftswachstum (gegenüber 3,4% im Jahr 2000) gerechnet wird, dürfte diese Kennzahl 2002 auf 0,8% schrumpfen. Im ersten Quartal 2002 könnte die Eurozone sogar kurzfristig leicht ins Minus rutschen. Die Fixed Income Analysten der Bank Austria Creditanstalt gehen von einer Stagnation über die kommenden zwei Quartale aus, die allerdings ab Jahresmitte von einer Erholung abgelöst werden sollte.

Auf Niveausuche

Gegenwärtig befindet sich der Anleihemarkt im schwierigen Prozess der Niveausuche, gefangen zwischen Rezessionsängsten und Hoffnung auf Erholung. Der Markt hat sich bereits sein Bild gemacht: Die Rücknahme der Zinssenkungserwartungen und die Kursverluste am Bondmarkt während der vergangenen Tage lassen darauf schließen, dass die Investoren die Rezessionsbefürchtungen für überzogen halten und mit einer baldigen wirtschaftlichen Erholung rechnen.

Diesen Optimismus können die Analysten der Bank Austria Creditanstalt nicht teilen. Gerhard Winzer, Leiter des Fixed Income Research Major Markets, rechnet mit einer Erholung erst ab dem zweiten Halbjahr 2002 und erwarten eine Fortsetzung des Zinssenkungszyklus der Europäischen Zentralbank bis auf ein Leitzinsniveau von 2,5% - 2,75% im Frühjahr 2002. Auch die Fed könnte den Leitzinssatz, der sich bereits auf sehr tiefem Niveau befindet, weiter auf 1,5% - 1,75% senken.

Staatsanleihen als risikoarmes Zinsinvestment

Staatsanleihen im Euroraum werden sich noch bis zum Beginn des zweiten Quartals 2002 auf der Suche nach einem Boden befinden. Als bestimmende Faktoren dienen die jeweiligen Wahrscheinlichkeiten zwischen dem Rezessions- und dem Erholungsszenario.

Auf Grund des Rezessionsrisikos sollten nur Anleihen mit hoher Kreditqualität ins Auge gefasst werden, also beispielsweise österreichische Staatsanleihen. Im 3-Monatshorizont versprechen Staatsanleihen im Euro-Raum Kursgewinne, wobei längere Laufzeiten größeres Potenzial bergen. Allerdings steigt mit der Laufzeit auch das Kursrisiko.

Für risikoaverse Investoren empfehlen sich kurze bis mittlere Laufzeiten (z.B. die österr. Bundesanleihe 3,40 Bund 99-04/03, WKN: 0038486 oder 5,50 Bund 00-07/144A, WKN: 0038495). Risikofreudigere Anleger können auch längere Laufzeiten in Betracht ziehen (z.B. die österr. Bundesanleihe 4,00 Bund 99-09/02, WKN: 0038482). Nach der erwarteten Erholung gegen Mitte 2002 ist in der Eurozone mit Renditeanstiegen auf 5,25% im 10jährigen Laufzeitsegment samt den dadurch implizierten Kursverlusten zu rechnen.

US-Staatsanleihen lassen zwar auf kurze Sicht auch eine attraktive Kursentwicklung erwarten, das gestiegene Risiko einer Abschwächung des USD gegenüber dem EUR spricht jedoch eher für Veranlagungen in der Eurozone. Bis ins erste Quartal 2002 gehen die Bank Austria Creditanstalt Analysten von einer größeren Wachstumsenttäuschung in den USA als in der Eurozone aus. Das sollte dazu zu einer moderaten Festigung des EUR gegenüber dem USD im 3-Monatshorizont auf 0,92 von derzeit 0,88 führen.

Osteuropa-Anleihen emanzipieren sich

Mittel- und osteuropäische Anleihen sind zuletzt der positiven Entwicklung der Anleihen in den USA und Euroland gefolgt. "Dies ist positiv zu werten, denn schwächeres globales Wachstum wäre üblicher Weise die klassische Voraussetzung für eine schwache Entwicklung dieser Anleihenmärkte", sagte Martin Blum, Leiter des Fixed Income Research CEE. Auch die Befürchtungen hinsichtlich einer möglichen Zahlungsunfähigkeit Argentiniens hätten sich anders auswirken können. Allerdings lässt diese atypische Bewegung keinen Rückschluss darauf zu, wie sich ein schwaches Jahr für Euroland-Anleihen auf die osteuropäischen Anleihen in Lokalwährung auswirken wird.

Unbestritten ist allerdings, dass höhere Renditen in Euroland Aufwärtsdruck auf osteuropäische Lokalwährungsrenditen erzeugen werden. Darüber hinaus wird das langsame Näherrücken an die Europäische Währungsunion Parallelverläufe mit Eurolandanleihen verstärken. Dennoch liegt ein Beitritt zur EWU noch in weiter Ferne, weshalb die Renditen von Eurolandanleihen derzeit noch einen geringeren Einflussfaktor für CEE Lokalwährungsrenditen darstellen. Nationale, makroökonomische und politische Faktoren bleiben derzeit noch die wichtigsten Parameter für Renditen und Währungen.

Inflation im Griff

Die drei größten Märkte, Polen, Ungarn und die Tschechische Republik, sollten im nächsten Jahr unterschiedlichen lokalen Einflussfaktoren unterliegen. Polen bleibt einer Rezession ausgesetzt, wobei sowohl eine schwache Inlands- als auch Auslandsnachfrage die wirtschaftlichen Aktivitäten dämpfen. Das Wachstum in der Tschechischen Republik wird zwar geringer ausfallen, allerdings sollte eine relativ starke einheimische Nachfrage den Rückgang abfedern. Starke inländische Nachfrage ist auch in Ungarn zu erwarten, was den Exportrückgang kompensieren wird. Polen und die Tschechische Republik versprechen relativ stabile Inflationsraten und für Ungarn erscheint ein weiterer Rückgang, wenn auch von höherem Niveau ausgehend, möglich.

Die polnische Nationalbank sollte weitere Zinssenkungsschritte vornehmen, auch von der ungarische Notenbank werden monetäre Lockerungen erwartet, während Tschechien nur über begrenzten Raum für weitere Zinssenkungen verfügt.

Privatinvestoren können daher überlegen, Positionen in CZK-Anleihen abzubauen, ungarische 2jährige Anleihen und polnische 3-5jährige Anleihen zu kaufen. Bei Anleihen in Lokalwährung müssen aber in jedem Fall die Währungsbewegungen berücksichtigt werden.

Bezüglich EUR-denominierter Fremdwährungsanleihen sollten angesichts der globalen Unsicherheit über die nächsten drei Monate höhere Ratingklassen bevorzugt werden. Auf längere Sicht, also 6-12 Monate, kann die wirtschaftliche Erholung in den USA und Euroland bessere Bedingungen für diese Märkte bringen, wovon auch Anleihen aus Ländern mit niedrigerem Rating profitieren sollten. Wegen der Vielfalt an verfügbaren Instrumenten und Risikoklassen bieten die Anleihenmärkte Mittel- und Osteuropas sowohl in Rezessions- als auch in Aufschwungzeiten interessante Investitionsmöglichkeiten.

Rückfragen: Gerhard Winzer, Leiter Major Markets Research 71191-82353

Martin Blum, Leiter CEE Markets Research 71191-82363