30.7.2001

Österreichs Stahlindustrie auch im Konjunkturtal erfolgreich

Kein Ende des Strukturwandels in Sicht
Wertschöpfung/Mitarbeiter weit über EU-Durchschnitt

Die Stahlkonjunktur hat 2000 ihren Höhepunkt überschritten. Die österreichische Rohstahlproduktion erreichte im vergangenen Jahr zwar einen Zuwachs von durchschnittlich 10 Prozent, wurde aber in den ersten Monaten 2001 sukzessive schwächer. Im laufenden Jahr wird sich diese Entwicklung noch verstärken. So wird der Stahlverbrauch im EU-Durchschnitt heuer um maximal 1 bis 2 Prozent zunehmen und damit weit unter dem langjährigen Durchschnitt von 4 bis 5 Prozent liegen. Dies geht aus einer Analyse der Stahlindustrie im aktuellen REPORT der Bank Austria, einer zweimonatlichen, volkswirtschaftlichen Publikation, hervor.

Kein Ende des Strukturwandels in Sicht

Die Stahlindustrie ist noch wenig konzentriert. So ist mit weiteren Fusionen und Übernahmen und daraus resultierend schärferer Konkurrenz zu rechnen. Allerdings hat die Restrukturierung in den 80er und 90er Jahren ihren Höhepunkt erreicht. Die durch Importbeschränkungen und staatliche Subventionen gestützte Stahlindustrie musste ihre Überkapazitäten von 20 Prozent abbauen, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise. Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten seit Mitte der 70er Jahre auf ein Viertel.

Dieser anhaltende massive Konsolidierungsprozess trägt nunmehr besonders in der EU Früchte. Die europäische Stahlindustrie hat in den letzten Jahren deutlich an Konkurrenzfähigkeit gewonnen und dürfte im internationalen Wettbewerb auf zyklische Abschwünge gut vorbereitet sein. Zusätzlich leistet der niedrige Euro-Dollar-Kurs einen wichtigen Beitrag zu vollen Auftragsbüchern in der Investitionsgüterindustrie, wodurch die Stahlnachfrage zusätzlich belebt wird.

Wertschöpfung/Mitarbeiter weit über EU-Durchschnitt

"Der österreichischen Stahlindustrie ist es durch die Konzentration auf Sonderanfertigungen und durch die Spezialisierung auf hochwertige Produkte gelungen, eine im Vergleich zum EU-Durchschnitt um 20 Prozent höhere Wertschöpfung je Beschäftigten zu erreichen", so Günter Wolf von der Bank Austria Konzernvolkswirtschaft. Diese Strategie macht die heimische Stahlindustrie nicht nur resistenter gegenüber Billigangeboten, sondern ermöglicht auch, sich etwas von den Konjunkturzyklen abzukoppeln. Der Erfolg dieser Strategie zeigt sich auch in der Handelsbilanz. So konnte 2000 bei Stahl und Stahlprodukten ein Überschuss von knapp 17 Milliarden Schilling erzielt werden.

Der Konsolidierungsprozess der westeuropäischen Stahlindustrie kann auch als Vorbereitung auf die Öffnung Osteuropas gesehen werden. Dabei muss betont werden, dass dabei aber nicht die Bedrohung durch neue Konkurrenten im Vordergrund steht, sondern die Nutzung neuer Absatzchancen. Alle osteuropäischen EU-Beitrittskandidaten verfügen zwar über signifikante Produktionskapazitäten, allerdings sind die Produktionsmethoden oftmals uneffizient und umweltbelastend. Im Zuge der Öffnung der osteuropäischen Märkte ist einerseits mit steigenden Exporten zu rechnen und andererseits werden sich bei Privatisierungen ausländische Unternehmen massiv beteiligen.

Ausblick

Die österreichische und internationale Stahlindustrie wird auch in den nächsten Jahren einem massiven Strukturwandel unterworfen sein. Doch sollte die heimische Branche aufgrund der bereits geleisteten Vorarbeiten und entsprechender Positionierung im weltweiten Konkurrenzkampf ihre Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis stellen können. "Österreichs Stahlindustrie liegt gut im Rennen", so Günter Wolf von der Bank Austria.

Rückfragen: Bank Austria Group Public Relations

Tiemon Kiesenhofer, Tel. 711 91 DW 528 19

E-Mail: tiemon.kiesenhofer@bankaustria.com