25.6.2001

News aus dem Asset Management der Bank Austria: Guter Einstiegszeitpunkt für Pharmatitel

US-Pharmariese Merck spricht Gewinnwarnung aus
Pharmasektor korrigiert – langfristig als Einstiegschance
Defensive Werte im 2. Halbjahr wieder positiver gesehen

Amerikanische Pharmawerte gerieten letzten Freitag unter Abgabedruck, als der zweitgrößte US-Pharmawert, Merck, eine Gewinnwarnung für das laufende Quartal und das gesamte Geschäftsjahr bekanntgab. Das Unternehmen wird im 2. Quartal statt wie erwartet 81 nur 77 bis 79 Cents je Aktie verdienen. Für das Jahr 2001 soll der Gewinn je Aktie zwischen 3,12 und 3,18 US-Dollar liegen, also weniger als die bisher erwarteten 3,20 US-Dollar. Als Grund für die Warnung wurden die Umsätze mit dem Arthritismedikament Vioxx genannt, die hinter den Erwartungen zurückbleiben. Außerdem belastet der starke Dollar die international erzielten Erträge. Merck ist derjenige US-Pharmawert, der in den nächsten ein bis zwei Jahren die meisten Patentabläufe zu verkraften hat und von daher neue Besteller-Medikamente, sogenannte Blockbuster, besonders dringend braucht. Die Tatsache, dass sich Vioxx jetzt nicht wie erhofft entwickelt, hatte daher einen äußerst negativen Einfluss auf die Kursentwicklung, die Aktie von Merck gab am Freitag um 8 Prozent nach.

Damit war aber auch der restliche Pharmasektor negativ betroffen, zumal es auch bei Schering Plough und American Home Products schlechte Nachrichten gab. Einige Produktionsstätten von Schering Plough wurden von der amerikanischen Gesundheitsbehörde überprüft und dabei wurden Mängel festgestellt, das Papier verlor am Freitag 7 Prozent. American Home Products muss auf die Zulassung eines Medikamentes zur Heilung von Knochenbrüchen weiter warten, die Aktie verlor 3 Prozent.

Es war also nicht der Tag der Pharma-Branche, oder vielleicht doch? Der Pharmasektor hat im Vorjahr sehr stark von der Flucht aus der Technologie profitiert, und auch der Wahlsieg von George Bush hat sicher nicht geschadet. Die Republikaner gelten an sich als pharma-freundlicher als die Demokraten, außerdem sind sie eher gegen eine Deckelung bei Medikamentenpreisen, sprich sie gestehen den Pharmafirmen mehr Freiheit bei der Preisgestaltung zu. Mit den Zinssenkungen des heurigen Jahres kehrte zumindest zeitweise der Mut der Anleger zu mehr Risiko zurück - die Nasdaq stieg von Anfang April bis Ende Mai um mehr als 40 Prozent.

Dementsprechend waren die defensiven Branchen, wie z.B. Pharma, relativ weniger gefragt. Außerdem gelten Pharmawerte als weitgehend konjunkturinsensitiv, das heißt, sie profitieren von fallenden Zinsen relativ weniger als zyklische Branchen, wie z.B. Autos. Unsere strategische Aussage vom Jahresanfang - dass die defensiven Sektoren heuer ihre tolle Performance vom Vorjahr angesichts fallender Zinsen nicht werden wiederholen können - ist im ersten Halbjahr 2001 voll eingetroffen.

Mittlerweile hat sich aber zumindest ansatzweise gezeigt, dass Zinssenkungen allein nicht ausreichen, um dem Markt wieder vollends auf die Beine zu helfen. Die Ertragslage bei den Unternehmen muss ebenfalls Verbesserungen zeigen, und die lassen angesichts der jüngsten Welle von Gewinnwarnungen noch weitgehend auf sich warten. Die Pharma-Aktien hatten in den letzten Tagen bzw. Wochen bereits eine anziehende Tendenz gezeigt und einen großen Teil ihrer Underperformance wettgemacht, die Entwicklung vom Freitag hat natürlich wieder für einen Rückschlag gesorgt. Insgesamt bleiben wir aber bei unserer strategischen Aussage:

"Sollte das Gewinnwachstum der US-Unternehmen länger brauchen, um sich zu erholen als jetzt allgemein angenommen und sollten insbesondere die Erwartungen für 2002 (die immer noch bei mehr als 18 Prozent liegen!) vielleicht etwas zu optimistisch sein, könnte das dem Pharmasektor zugute kommen. Immerhin zeigt sich, dass gerade in Zeiten generell fallender Gewinn-erwartungen für die relative Stabilität der Erträge, die Pharma bietet, mehr gezahlt wird."

Fazit: Wir betrachten daher die aktuelle Kursschwäche bei Pharmaaktien als Einstiegsgelegenheit insbesondere für jene Anleger, die noch so ihre Zweifel haben, ob die Erholung der US-Konjunktur in der erhofften Geschwindigkeit vonstatten geht. Sollte es bez. Gewinnwachstum 2002 noch zu Enttäuschungen bzw. Revisionen nach unten kommen, könnte Pharma davon profitieren.

Rückfragen: Bank Austria Asset Management

Monika Rosen, Tel. 33 147 DW 5403;

E-Mail: monika.rosen@bankaustria.com