30.11.2001

Preisrutsch in Nahrungsmittelerzeugung kam 2000 zum Stillstand

Produktionsleistung plus 20 Prozent seit 1995, Branchenumsatz plus 6 Prozent
Ungelöste Strukturprobleme verdecken die Erfolge der Branche
Alkoholfreie Getränke und Geflügel profitieren von Gesundheitsbewußtsein

Die schweren Preiseinbußen in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sind im vergangenen Jahr zum Stillstand gekommen, dennoch waren keine nennenswerten Umsatz-steigerungen möglich. Das geht aus dem aktuellen Branchenbericht der Bank Austria Konzernvolkswirtschaft hervor. Insgesamt ist die Produktionsleistung der österreichischen Nahrungsmittelindustrie von 1995 bis 2000 um 20 Prozent gestiegen, der Branchenumsatz hat sich jedoch nur um 6 Prozent auf rund 151 Milliarden Schilling erhöht. Ursachen dafür waren der massive Rückgang der Preise nach dem EU-Beitritt, der Druck des Handels sowie das schwache Wachstum der Nahrungsmittelnachfrage.

Österreichs Nahrungsmittelerzeugung kann sich im internationalen Vergleich relativ gut behaupten. Das Produktionswachstum der Branche war in der zweiten Hälfte der 90er Jahre im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 9 Prozent mehr als doppelt so hoch. Die Außenhandelsergebnisse bestätigen die positive Entwicklung. Zweistellige Exportzuwächse sind ein Zeichen für den Erfolg vieler Unternehmen. Die Wettbewerbsfähigkeit der Branche ist dennoch sehr labil, wie sich am weiterhin hohen Handelsbilanzdefizit im Agrar- und Lebensmittelbereich von 15 Milliarden Schilling zeigt. Zieht man den Überschuss im Getränkehandel ab, verbessert sich das Defizit um 6 Milliarden Schilling.

Die Getränkeexporte sind in den vergangenen Jahren um durchschnittlich 20 Prozent jährlich gestiegen, allein 2000 um 23 Prozent auf einen Gesamtwert von rund 9,5 Milliarden Schilling. Das Importwachstum blieb deutlich dahinter zurück. Während der österreichische Biermarkt auf hohem Niveau gesättigt ist, profitieren die Hersteller von alkoholfreien Getränken vom wachsenden Gesundheitsbewusstsein.

BSE-Krise sowie die Maul-und-Klauen-Seuche haben 2000 die Fleischverarbeitung geprägt und nachhaltige Nachfrageänderungen ausgelöst. So wird in Österreich zwar nicht weniger Fleisch konsumiert, aber die Nachfrage hat sich eindeutig hin zu Geflügel verschoben. Nachfrage-ausfälle und Preisturbulenzen forderten unter den Unternehmen der Fleischverarbeitung schon in den Jahren davor zahlreiche Opfer. Ein Ende der Strukturbereinigung ist auch in den nächsten Jahren unwahrscheinlich. Einerseits wird auf gesamter EU-Ebene mit einem weiteren Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs von Rind- und Schweinefleisch gerechnet, andererseits ist die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Fleischverarbeiter relativ schwach. Wie in den letzten Jahren sind die Importe von Fleisch und Fleischwaren im ersten Halbjahr 2001 wieder fast doppelt so rasch gewachsen wie die Exporte: bis zum Juli 2001 um 12 Prozent im Vergleich zu knapp 7 Prozent bei den Exporten.

Im europäischen Milchmarkt lassen Sättigungserscheinungen in Zukunft nur mehr ein geringes Wachstum des Milchkonsums erwarten, mittelfristig kaum mehr als 1 Prozent im Jahr. Die Nachfrage wird sich zunehmend in Richtung höher verarbeiteter Produkte, wie Käse und Milchmixgetränken verlagern. Die Außenhandelsstatistik zeigt aber, dass die heimische Milchwirtschaft noch einige strukturelle Defizite zu bereinigen hat. Noch immer werden überwiegend Rohstoffe exportiert und verarbeitete Produkte importiert. So lag 2000 der durchschnittliche Wert importierter Milchprodukte bei 29 Schilling je Kilogramm, der entsprechende Exportwert bei mageren 7 Schilling.

Rückfragen: Bank Austria Group Public Relations

Tiemon Kiesenhofer, Tel. 711 91 DW 528 19;

E-Mail: tiemon.kiesenhofer@bankaustria.com

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