7.6.2001

Bank Austria Konjunkturindikator für Österreich: Schwaches Wachstum, hohe Inflation, aber keine Rezession

Pessimismus der Industrie abgeflacht
Konsumenten spüren Kaufkraftentzug durch Inflation
Wachstum 2001 "nur" 2 Prozent, Inflation mit 2,5 Prozent Höchstwert seit 1994

Der monatliche Konjunkturindikator der Bank Austria zeigt für Mai erneut leicht nach unten. Die Abschwächung kommt dabei sowohl von der europäischen Industrie als auch erneut von den österreichischen Konsumenten. In der österreichischen Industrie hat sich der Pessimismus im Mai jedoch nicht noch einmal verstärkt. Die österreichische Industrie, aber auch die Industrie im Euroland insgesamt, zeigen erstmals Anzeichen einer Stabilisierung.

"Der Pessimismus in der europäischen Industrie könnte seinen Höhepunkt erreicht haben, damit ist unsere Erwartung einer Erholung zu Jahresende bestätigt", so die Chefvolkswirtin der Bank Austria Marianne Kager. Diese Entwicklung ist auf die sich erholende US-Konjunktur, aber möglicherweise auch auf den schwachen Euro, der die Exporte stützt, zurückzuführen.

Anders die Stimmung der Konsumenten. Sie hat sich erwartungsgemäß aufgrund der hohen Inflation sowohl in Europa insgesamt als auch in Österreich erneut verschlechtert. "Wir erwarten für die Konsumentenstimmung auch in den nächsten Monaten pessimistische Zahlen", so Bank Austria-Experte Stefan Bruckbauer. Die jüngste Entwicklung bei den Exporten, der Industrieproduktion aber auch am Arbeitsmarkt bestätigen den seit einigen Monaten rückläufigen Konjunkturindikator. In den nächsten Monaten wird sich die Konjunktur in Österreich noch weiter eintrüben. Vor allem beim Einzelhandel, der im März noch relativ robust war, ist eine Abschwächung zu erwarten.

Aufgrund des schwächeren Wachstums im Euroland und der hohen Inflation wird die österreichische Wirtschaft heuer nur 2 Prozent wachsen können. Nach einem noch sehr guten ersten Quartal wird es im zweiten und dritten Quartal eine Abschwächung geben. Die Erholung im vierten Quartal ist jedoch absehbar. "Die Anzeichen einer schwachen sich aber zu Jahresende erholenden österreichischen Konjunktur verstärken sich", so die Volkswirte der Bank Austria. "Im Mai werden wir spürbar über 3 Prozent Inflation sehen, der Rückgang im Verlauf von Sommer und Herbst könnte aber sehr kräftig ausfallen", meint Stefan Bruckbauer. Österreich wird aber mit 2,5 Prozent Inflation im Jahresdurchschnitt 2001 einen Wert wie zuletzt vor dem EU-Beitritt erleben. Die Arbeitslosenquote wird nicht mehr zurückgehen.

Die absehbare Erholung in den USA, aber auch der schwache Euro haben die Rezessionsrisiken für Europa gesenkt. Die Aussichten für eine Erholung spätestens zu Jahreswechsel sind besser geworden. Voraussetzung für die Erholung ist jedoch eine Entlastung bei der Inflation. Das Risiko, dass die Inflation im Euroland nicht zurückgeht, ist leider gestiegen. Obwohl die Ursachen der Inflation – Lebensmittelpreise und Öl – gut erkennbar sind, ist die Beurteilung der Wirkung auf die gesamte Inflationsrate schwieriger als von vielen erwartet.

Der unerwartete, erneute Anstieg der Ölpreise, die nochmals gestiegenen Lebensmittel-preise, administrative Effekte (Deutschland Ökosteuer) und die unterschätzten Zweitrundeneffekte haben zu einer deutlichen Revision der Inflation für 2001 im Euroland geführt. "Sollte die Inflation in der zweiten Jahreshälfte erneut stärker sein, als erwartet, so müssten wir unsere Konjunkturprognosen nochmals nach unten revidieren" so Marianne Kager abschließend.

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