25.1.2001

Euroland widersteht US-Abschwächung

USA auf dem Weg einer unsanften Zwischenlandung mit Wachstum um 2 ½ %
Euroland davon wenig betroffen – minus ¼ Prozent Wachstum 2001
Risken einer unsanfteren Landung in den USA bleiben hoch

Die Wirtschaft in den USA dürfte sich 2001 stärker als bisher vermutet abschwächen. So geht die Bank Austria von einem Wachstum um die 2 ½ % aus. Obwohl die Risken dafür, dass die USA eine noch stärkere Abschwächung oder gar eine Rezession erlebt, weiterhin sehr hoch sind, bleibt die Bank Austria in ihrem Hauptszenario für die Weltkonjunktur 2001 optimistisch:

"Unter diesen Bedingungen kann Euroland 2001 mit 2,7 % wachsen, knapp ¼ Prozentpunkt weniger, als bisher vermutet. Damit erweist sich die Eurolandkonjunktur als sehr robust gegenüber den Entwicklungen in den USA", so Stefan Bruckbauer von der Bank Austria-Volkswirtschaft. "Auch bei einer Abschwächung der US-Konjunktur auf ein Wachstum um oder unter 1 % könnte Euroland mit über 2 % stärker als im Durchschnitt der 90er Jahre wachsen", so Stefan Bruckbauer weiter.

2001: Beschleunigung der Konjunktur ab dem Sommer

Die anhaltend gute Produktivitätsentwicklung, mögliche Zinssenkungen im Euroland, der sinkende Ölpreis, der weitere Rückgang der Arbeitslosigkeit und Steuerreformen in den großen Ländern bieten eine günstige Basis für eine starke Inlandskonjunktur im Euroland. Zwar wird das Wachstum in den beiden ersten Quartalen 2001 nur knapp über 2 ½ % liegen, ab Sommer kommt es jedoch zu einer "spürbaren Beschleunigung". Das Wachstum sollte dann bei oder sogar über 3 % liegen (im Vergleich zum Vorquartal auf Jahresbasis).

Konsum und Investitionen als Antwort auf schwächere Weltkonjunktur

Ermöglicht wird dieses Konjunkturszenario durch Steuererleichterungen in den großen Euroländern und den zu erwartenden raschen Rückgang der Inflationsrate. Die Inflationsrate wird sich im Jahresverlauf auf deutlich unter 2 % zurückbilden. Die Kernrate, also ohne Energie und Lebensmittel, wird nicht über 2 % steigen. Konsum und Investitionen sollten dann 2001 als Wachstumsstütze dienen. Die Stimmungsindikatoren vom Dezember stützen diese Meinung. Auch wenn die Stimmung nicht zuletzt aufgrund der vielen negativen Meldungen aus den USA im Jänner vorübergehend wieder etwas gedämpft sein könnte, werden sich in den nächsten Wochen die positiven Rahmenbedingungen durchsetzen. "Zudem scheint sich derzeit eine etwas zu pessimistische Sicht der US-Konjunktur durchgesetzt zu haben. Auch wenn die Risken groß sind, gibt es gute Gründe dafür, dass die US-Konjunktur mit einer sanften Zwischenlandung davon kommt. Die Finanzmärkte scheinen dies auch so zu sehen, wie die Stabilisierung am US-Aktienmarkt und der relativ wenig gestiegene Euro zeigen", so Stefan Bruckbauer weiter. Der Export im Euroland wird jedoch in jedem Fall nicht mehr die Dynamik von 2000 haben.

Euro-Aufwertung um 8 bis 10 % erwartet

Unter diesen Annahmen erwartet die Bank Austria eine Erholung des Euro im Verlauf des Jahres auf rund 1 zum USD oder knapp darüber. Im Jahresdurchschnitt wird damit der Euro rund 10 % gegenüber dem USD aufwerten. Die EZB wird in diesem Szenario zumindest einmal die Zinsen senken.

Risiko geht von zu starkem Euro aus, 10 % höherer Euro kostet ½ % Wachstum

Sollte die US-Notenbank aufgrund einer sich stärker abzeichnenden Abschwächung doch deutlicher als heute erwartet (weitere 75 Basispunkte) ihre Zinsen senken müssen und würde die EZB dem nicht folgen wollen oder können, so könnte der Euro spürbar stärker werden. Jede Euro-Erhöhung um 10 % würde Euroland ½ Prozent Wachstum kosten, so die Schätzung der Bank Austria Volkswirte. In einem Risikoszenario, bei dem sich die US-Wirtschaft auf rund 1 % abschwächt, gehen die Volkswirte jedoch davon aus, dass sich der Euro nicht wesentlich über 1,05 erhöht. Dies würde für Euroland ein Wachstum von rd. 2,3 % bedeuten. Auch wenn man also für die US-Konjunktur eine sehr pessimistische Annahme trifft und die Wahrscheinlichkeit dafür stark gestiegen ist (Wahrscheinlichkeit rund 40 %), bleibt das Eurolandwachstum relativ robust, so die Volkswirte der Bank Austria abschließend.

Rückfragen: Bank Austria Group Public Relations

Margit Schmid-Weihs, Tel. 711 91 DW 52371

E-Mail: margit.schmid-weihs@bankaustria.com