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4.1.2001

Nasdaq explodiert nach überraschender Zinssenkung

Fed zündet mit Senkung der Leitzinsen um 50 Basispunkte verspätete Silvesterrakete
Weitere Zinssenkung um 50 Basispunkte im 1. Halbjahr von Bank Austria erwartet
Aktienmärkte: Gewisse Vorsicht weiter geboten

Nach einem miserablen Start ins Neue Jahr für amerikanische Technologieaktien kam die US Notenbank der Börse gestern doch noch zu Hilfe: die Fed senkte überraschend die Leitzinsen – und das mit 50 Basispunkten überraschend deutlich. Meist bewegen sich Zinsschritte im Ausmaß von 25 Basispunkten. Monika Rosen, Bereichsleiterin Research im Bank Austria Asset Management: "Der Markt wurde von dem Schritt, der außerhalb der regulären Sitzungen der Notenbank stattfand, total überrascht und befand sich wenig später bereits in einer Art Kauforgie." Nach Angaben von Marktteilnehmern ging in den ersten Minuten nach der Meldung überhaupt nichts. Alle wollten kaufen, aber es gab plötzlich keine Verkäufer mehr.

US-Staatsanleihen: deutliche Renditeanstiege

US-Staatsanleihen zeigten im Gegenzug deutliche Renditeanstiege. Die 10jährige Referenzrendite stieg von 4.91 % auf 5,05 %. "Der EUR verlor naturgemäß gegenüber dem USD, da US-amerikanische Investments nun wieder attraktiver wurden", so Gerhard Winzer, Bond-Experte im Treasury der Bank Austria.

Der überraschende Zinsschritt wurde mit schwachen Konjunkturindikatoren im Bereich Verkauf und Produktion, der niedrigen Konsumentenstimmung, dem restriktiven Umfeld in einigen Bereichen an den Finanzmärkten und den hohen Energiepreisen, die die Kaufkraft von Unternehmen und Konsumenten beeinträchtigen, begründet.

Nasdaq schließt mit Rekordgewinn

Die Nasdaq beschloss diesen historischen Tag mit einem Plus von über 320 Punkten, das ist sowohl absolut als auch in Prozent der höchste Gewinn aller Zeiten. Und hier noch ein paar Zahlen, um das Ausmaß der Bewegung nach oben deutlich zu machen:

Von den 100 größten Nasdaq-Werten sind nur 2 gefallen
Sechs Aktien (Cisco, General Electric, Oracle, EMC, Microsoft und Sun) legten in Summe in der Marktkapitalisierung um unglaubliche 200 Milliarden USD zu
Auch die Volumina waren rekordverdächtig: 3 Milliarden gehandelte Aktien an der Nasdaq, 1,9 Milliarden an der New York Stock Exchange
Zum Vergleich: während der Korrektur im Herbst 1997 (Angriff auf die Börse in Hongkong im Zuge der Asienkrise) wurden an der Nasdaq nur 1,2 Milliarden Aktien gehandelt – und das war damals fast das Limit, was man noch abwickeln konnte
Techwerte als große Gewinner – Pharma und Konsum als Verlierer

Monika Rosen: "Gekauft wurden gestern naturgemäß vor allem die lange geprügelten Tech-Werte, aber auch Finanztitel, da beide Sektoren von der Zinssenkung überproportional profitieren sollen." Es gab aber auch Verlierer, namentlich die zuletzt so gesuchten defensiven Bereiche, wie Pharma oder Konsum. "Die Pharmawerte im S&P 500 haben im schwierigen Jahr 2000 27 % zugelegt, jetzt nimmt man hier Gewinne mit und positioniert sich wieder in den Stiefkindern der Vergangenheit, also vor allem der Technologie", so Rosen weiter.

Gute Vorzeichen für Europa – Telekomwerte stärker

Die europäischen Märkte, die aufgrund der Zeitverschiebung den gestrigen "Kaufrausch" in den USA nur begrenzt mitvollzogen, eröffneten heute entsprechend stärker. Spiegelbildlich zur Wall Street sprangen auch an den europäischen Börsen vor allem die Technologiewerte an. Bei hohem Handelsvolumen konnten in der ersten Handelstunde etwa Philips 14 %, Nokia 13 %, STM Microelectronics 13 % und Alcatel 10 % zulegen. Auch die europäischen Telekomwerte entwickelten sich deutlich stärker als der Gesamtmarkt: Vodafone liegt mit 6%, die spanische Telefonica mit 7% und die niederländische KPN sogar mit 10% im Plus. Auch die deutschen Technologiewerte verzeichneten nach der Fed Entscheidung deutliche Kursgewinne. Diese schlugen sich aber aufgrund der längeren Börsenöffnungszeiten in Frankfurt bereits gestern zu Handelsschluss in den Kursen nieder.

Außertourlicher Zinsschritt signalisiert Besorgnis der Fed

Was heißt das nun für die weitere Entwicklung? Rosen: "Der überraschend deutliche Zinsschritt der Fed wurde vom Markt zwar euphorisch begrüßt, signalisiert aber auch den hohen Grad an Besorgnis der Notenbank. Zuletzt hatte die Fed im Herbst 1998, also in der Spitze der Russlandkrise, die Zinsen außerhalb eines regulären Meetings gesenkt. Somit macht der Schritt deutlich, dass die Lage von der Fed schon als sehr ernst empfunden wird.

"Andererseits signalisierte der damalige Zinsschritt den Wendepunkt für den Aktienmarkt, von da an ging‘s im Jahr 1998 bergauf. Die Geschichte wiederholt sich zwar nie zu 100 %, aber eine gewisse Hoffnung kann man daraus vielleicht schon schöpfen", so Monika Rosen weiter.

Prognose für Unternehmensgewinne deutlich niedriger

Die Lage bei den Unternehmensgewinnen ist nach wie vor sehr ernst. Der Konsensus für das Gewinnwachstum im 4. Quartal 2000 (Berichtsaison beginnt demnächst) liegt derzeit bei 4,3 % (bezogen auf den S&P 500). Noch im Oktober war man von 15 % ausgegangen. Und die Anzahl der Firmen, die Warnungen ausgesprochen haben, befindet sich ebenfalls auf Rekordkurs. Rosen: "Wir halten derzeit bei 517 Unternehmen, die für das 4. Quartal gewarnt haben. Der Rekord wurde im 4. Quartal 1998 mit 554 Warnungen erzielt. Leider scheint es absolut möglich, dass wir diese Zahl noch übertreffen."

Fazit: Die Fed ist über die konjunkturelle Lage in den USA besorgt und hat die Zinsen zwischen den Sitzungen um 50 Basispunkte gesenkt. Das wurde von den Märkten zunächst mit großer Euphorie quittiert. Wenn man aber bedenkt, dass die Fed einen derartig drastischen Schritt nicht ohne schwerwiegende Gründe setzt, sollte zumindest eine gewisse Skepsis gewahrt bleiben.

Bank Austria Treasury erwartet Senkung um weitere 50 Basispunkte

Was die weitere Zins- und Währungsentwicklung betrifft, erwartet Bond-Experte Gerhard Winzer vom Bank Austria Treasury folgendes Szenario: "Die Fed hat bewiesen, dass sie bereit ist, ihre Munition im Sinne eines hohen Zinsniveaus zu nützen. Abhängig von der weiteren Entwicklung der Konjunktur-, Stimmungs- und Finanzmarktindikatoren – Stabilisierung oder weitere Verschlechterung – ist eine Fortsetzung des Zinssenkungszyklus wahrscheinlich. Im Basisszenario rechnen wir mit weiteren Zinssenkungen um 50 BP im 1. Halbjahr. Für den EUR halten wir an unserer Prognose von 1 zum USD gegen Jahresende fest.

Aktienseitig sieht sich die Bank Austria in ihrer Prognose bestätigt, dass eine Zinssenkung vor allem der leidgeprüften Technologie zugute kommen und dass damit der Run der defensiven Sektoren zumindest vorübergehend etwas gebremst würde. "Wir bleiben bei unserer positiven Haltung zu Aktien und unserer Sektoreneinschätzung, schließen aber weitere Rückschläge (Stichwort: Ernüchterung nach dem Kaufrausch) nicht aus", so Monika Rosen abschließend.

Rückfragen: Bank Austria Asset Management

Monika Rosen, Tel. 33147 DW 5403


Bank Austria Treasury

Gerhard Winzer, Tel. 711 91 DW 82353