8.3.2001

News aus dem Asset Management der Bank Austria: Yahoo: Gewinnwarnung

CEO tritt zurück
Frühlingserwachen der Börse damit unterbrochen?
Sektorrotation aus den defensiven Segmenten
Gewinnwarnung überschattet börsliche Frühlingsstimmung

Die Warnung des Internetunternehmens Yahoo, einst einer der Lieblinge im Internetsegment, kam nach einem durchaus positiven Handelstag an der Wall Street. Während der Börsensitzung hatten sowohl Dow Jones als auch Nasdaq im Plus geschlossen, die einflussreiche US-Strategin Abby Joseph Cohen (Goldman Sachs) hatte ihren Aktienanteil im Musterportefeuille angehoben und den Cashbestand auf Null gesetzt. Viele Anleger machten offensichtlich erste, vorsichtige Schritte zurück in den Markt, obwohl die Skepsis nach dem langen Fall natürlich groß ist.

Nach Handelsschluss gab das Internetportal Yahoo dann bekannt, im ersten Quartal die Erwartungen für Gewinn und Umsatz zu verfehlen. Man werde statt, wie erwartet, 5 Cents nur die Null-Linie schaffen. Als Begründung wurde die wirtschaftliche Abkühlung in den USA genannt, die natürlich auch die Werbebudgets der Firmen schmälert – und die Haupteinnahmequelle von Yahoo ist immer noch Werbung im Internet. Für den Rest des Jahres wollte sich das Unternehmen von den Analysten nicht wirklich festlegen lassen. Obwohl durchaus im Raum steht, dass man heuer im ganzen Jahr nichts verdienen wird. Nur zum Vergleich: noch im Jänner waren die Analysten im Konsensus von 57 Cents je Aktie ausgegangen, nach der ersten Warnung von Yahoo dann im Jänner lagen die aktuellen Erwartungen jetzt bei 36 Cents. Man sieht also, mit welcher Rasanz die Schätzungen hier fallen. Und es muss auch eindeutig festgehalten werden, dass die Warnung des Branchenführers Yahoo natürlich nichts Gutes für die kleineren Internetwerte verheißt, die ebenfalls am Tropf ihrer Werbeeinnahmen hängen.

Rücktritt des CEO und Übernahmegerüchte

Die zweite Ankündigung Yahoos kann eigentlich als noch spektakulärer eingestuft werden: der CEO Tim Koogle tritt zurück, ein Nachfolger wird gesucht. Bereits in den letzten Monaten waren dem Unternehmen drei hochrangige Manager verloren gegangen. Beobachter sehen darin ein Signal, dass es innerhalb des Unternehmens Unstimmigkeiten darüber gibt, wie auf die veränderte Geschäftslage zu reagieren sei. Zuletzt war auch immer wieder davon die Rede, Yahoo könnte übernommen werden, wobei fast jeder Medienkonzern ohne klare Internetstrategie (Disney!) als Käufer genannt wurde.

Kleine Notiz am Rande: Vor einem Jahr, in der Spitze des New Economy Boom, war im Zuge der Fusion AOL / Time Warner durchaus davon die Rede, Yahoo könnte Disney kaufen. Ein Gedanke, der damals nicht nur die Fans der Mickey Mouse nervös machte. Mittlerweile steht die umgekehrte Variante als Möglichkeit im Raum.

Fest steht jedenfalls, dass Yahoo bis dato immer noch "Single" ist und dass die Gegebenheiten für das Unternehmen nicht leichter werden. Trotzdem muss man sehen, dass der Wert von seinem Hoch im Jänner 2000, das bei 237,5 $ lag, schon mehr als 90% verloren hat. Nachbörslich gab die Aktie gestern um vergleichsweise bescheidene 10% von 21 auf 19 $ nach. Das impliziert, dass der Aktienkurs viel von den aktuellen Schwierigkeiten schon vorweggenommen hat, sodass die jetzt eintreffenden Ereignisse die Skepsis der Anleger voll bestätigen.

Auswirkungen auf den US-Markt

Im generellen Kontext des US-Marktes sind zwei Punkte zentral festzuhalten:

Nach dem enormen Vertrauensverlust der Anleger fällt es schwer zu glauben, dass wir das Tief wirklich durchschritten haben. Immerhin haben sich die letzten 12 Monate (vor ziemlich genau einem Jahr war die Nasdaq am Hoch angelangt) immer wieder durch kurze Anstiegsphasen ausgezeichnet, die dann aber nie gehalten haben. Die Fundamentaldaten der Unternehmen werden im Moment noch nicht besser (siehe Yahoo, aber auch Intel hatte zuletzt wieder gewarnt). Andererseits sind die Kurse schon sehr stark gefallen, was sich auch in der Tatsache widerspiegelt, dass manche Werte auf negative Meldungen nicht oder kaum noch reagieren. Der 10% Rückgang von Yahoo gestern kann vergleichsweise als moderat eingestuft werden, und Intel stieg auf die jüngste Warnung sogar an!
Der zweite Punkt ist die damit einhergehende Sektorrotation. Defensive Werte, allen voran Pharma, konnten sich nach der starken Performance des Vorjahres zuletzt nicht mehr so stark in Szene setzen. Der Index der amerikanischen Pharmawerte fiel gestern auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten. Pharma war während der Tech-Turbulenzen ein ausgezeichneter Platz zum Überwintern, aber die Bewertungen sind schon recht hoch geworden. Mit der Hoffnung auf eine generelle Erholung im Markt und auf Zinssenkungen steigt der Mut der Anleger zum Risiko wieder.

Damit werden auch wieder vereinzelt Tech-Werte gekauft. Seit ihrem Hoch vor einem Jahr ist die Nasdaq um über 50% gefallen, während Pharmawerte 19% zugelegt haben (selbst nach dem gestrigen Rückgang). Der Dow ist im selben Zeitraum um 7% gestiegen, der breitere S&P 500 (der viele Nasdaq-Werte enthält) aber um 10% gefallen.
--> Fazit

Unsere zu Jahresbeginn getätigte Aussage, dass mit einer Beruhigung am Aktienmarkt die defensiven Segmente eine Pause einlegen sollten, hat sich als richtig erwiesen. Wir halten auch an unserer grundsätzlichen Aussage fest, dass die Zinssenkungen, die letztlich zu einer Belebung der Wirtschaft führen sollten, auch die Technologie wieder aufatmen lassen sollten. Die Unsicherheit besteht weiterhin in der Frage des Timings, da weitere Rückschläge nicht ausgeschlossen werden können.

Aber die grundsätzliche Richtung für die Aktienmärkte sollte schon in Richtung Frühlingserwachen gehen.

Rückfragen: Bank Austria Asset Management

Monika Rosen, Tel. 33 147 DW 5403