14.9.2001

Die Konjunktur 2001/2002 Terror verzögert Erholung aus dem Konjunkturtief

Die US-Wirtschaft erholt sich noch später als bisher erwartet
Österreich fehlen für die Erholung 2002 die Impulse
Osteuropa folgt mit Verzögerung dem Trend der EU

Auswirkungen des Anschlages in den USA

"Die Ereignisse in den USA treffen die Weltwirtschaft zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt", fasst Marianne Kager, Chefvolkswirtin der Bank Austria/Creditanstalt-Gruppe, die Einschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Terroranschlages in den USA zusammen. "Wir erwarten dadurch eine zusätzliche negative Wirkung auf die US-Konjunktur im zweiten Halbjahr und damit sind die Hoffnungen auf eine baldige Erholung begraben." Die Bank Austria geht davon aus, dass sich die Konsumentenstimmung zusätzlich verschlechtert. Damit dürfte sich die USA in einer Rezession befinden, d.h. zwei Quartale mit negativen Wachstumsraten. "Wir gehen davon aus, dass das Wachstum 2001 in den USA unter den bisher von uns erwarteten 1 ½ % liegen wird," so Marianne Kager weiter. Da die Bank Austria damit rechnet, dass der Kongress keinerlei Widerstände gegen umfangreiche Rüstungs- und Sicherheitsprogramme leisten wird, dürften 2002 die öffentlichen Ausgaben spürbar steigen. Dies sollte auch bei gedämpfter Stimmung die konjunkturelle Erholung garantieren. Allerdings wird die USA damit auch 2002 deutlich unter ihrem Wachstumspotenzial bleiben.

Die stagnierende Konjunktur in Europa wird durch die Ereignisse in den USA nochmals belastet und die Erholung zögert sich damit weiter hinaus. "Wir rechnen auch für 2002 mit keiner durchgreifenden Erholung für die Eurolandkonjunktur", so Marianne Kager pessimistisch. Für die Emerging Marktets wird das gestiegene Risikobewusstsein zu höheren Finanzierungskosten führen. Die Spreads werden sich ausweiten.

Österreich

In diesem Umfeld ist auch für Österreichs Wirtschaft nur bedingt Potenzial für eine Erholung. "Wir rechnen zwar nach einem Wachstum von lediglich 1,4% 2001 nächstes Jahr bei einem Wachstum von 1,9% mit einer Verbesserung, eine durchgreifende Erholung sehen wir nicht. Die Hoffnung einer kurzen Konjunkturdelle muss begraben werden" so Stefan Bruckbauer.

Erste Indikatoren zeigten zwar eine Bodenbildung bei der Industrie an, die Dynamik bleibt aber sehr verhalten und vor allem fehlen die Impulse. Weder die USA, noch die Emerging Markets oder der Aktienmarkt können diese derzeit bringen. Auch Zinssenkungen werden bis weit ins Jahr 2002 hinein nicht viel bringen. Zudem dürfte das Konsumentenvertrauen durch die Verschlechterung am Arbeitsmarkt und die Ereignisse in den USA auch in Österreich belastet werden. Die Beschäftigungsdynamik wird schwach bleiben, die Arbeitslosigkeit wieder etwas steigen. 2002 wird zwar die Erholung der Industrie auch wieder zu einer höheren Investitionsdynamik führen, der private Konsum wird aber in diesem Umfeld wenig Impulse bringen. Die rückläufige Inflation alleine wird nicht genügen.

Osteuropa

Auch für Osteuropa haben die Ökonomen der BA/CA ihre Erwartungen zurückgeschraubt. Die Reformländer sind durch ihre enge Verflechtung mit dem europäischen Wirtschaftsraum von der Konjunkturflaute mit einem Verzögerungsfaktor von rund drei Monaten direkt betroffen. Deutliche Spuren hat die Wirtschaftsabschwächung bereits in der Exportdynamik und dem Industriewachstum der einzelnen Länder hinterlassen. In Ungarn, das über 75% seiner Ausfuhren in die EU liefert und dessen Industrieproduktion zu über 50% für den Export bestimmt ist, rutschte diese gegen Ende des 2. Quartals dieses Jahres sogar ins Minus.

In dieser Situation kommt die allgemeine Verunsicherung wegen des Terroranschlages in den USA genau zum falschen Zeitpunkt. Das Vertrauen in die Emerging Markets Osteuropas, das gerade in dieser schwierigen Phase so wichtig wäre, wird auf eine harte Probe gestellt. Marianne Kager gibt zu bedenken: "Bisher kamen fast 15% der ausländischen Direktinvestitionen in die CEE-5 aus den USA." Die Zurückhaltung ausländischer Investoren - insbesondere aus Übersee - könnte zu Verzögerungen im Privatisierungsprozess bzw. geringeren Verkaufserlösen führen, welche die Budgetprobleme in einigen Ländern noch verschärfen und auch die Finanzierung der Leistungsbilanzdefizite erschweren würde. Vor allem würde ein höherer Risikoaufschlag auf die Zinsen die Volkswirtschaften der Region belasten.

"Eine Rezession ist in Osteuropa jedoch nicht zu befürchten", beruhigt Marianne Kager, "denn die Konjunktur wird in den meisten Ländern vom privaten Konsum kräftig gestützt." Mit Sorgen blickt die Chefökonomin der BA/CA jedoch auf Polen, denn hier kann aufgrund der Hochzinspolitik der Nationalbank die Binnenkonjunktur den Ausfall der Auslandsnachfrage nicht wettmachen. Daher wird das Wirtschaftswachstum 2001 in Polen weniger als 2% betragen.

Eine geringfügige Lockerung der Geldpolitik kann in den nächsten Monaten zwar auch in Polen eine leichte Belebung der Binnenkonjunktur ermöglichen, aber solange externe Impulse fehlen, bleibt die Lage angespannt. So wie es aussieht muss auf den frischen Wind aus dem Ausland noch länger gewartet werden, und damit werden die derzeitigen Konjunkturstützen, der private Konsum und die Investitionen, auch in den anderen Volkswirtschaften an Kraft einbüßen. Mit rund 3% werden die Länder der CEE-5 im nächsten Jahr zwar weiterhin stärker als die EU wachsen, aber eine der geringsten Steigerungsraten seit dem wirtschaftlichen Turnaround erreichen.

Rückfragen: Bank Austria Konzernvolkswirtschaft

Stefan Bruckbauer, Tel. 71191 DW 51054

E-Mail: stefan.bruckbauer@bankaustria.com