27.4.2001

News aus dem Asset Management der Bank Austria: Zwischenbilanz der Berichtsaison in den USA!

US-Unternehmen legen ihre Zahlen für das 1. Quartal 2001 vor
Weiterer Jahresausblick immer noch gedämpft
Aber: Erste positive Tendenzen zeichnen sich ab
Pessimistische Gewinnerwartungen sanft revidiert

Die Berichtsaison in den USA ist in vollem Gange, von den 500 Unternehmen im S&P 500 haben bereits 382 ihre Zahlen für das 1. Quartal 2001 vorgelegt. Auf den ersten Blick stellt sich die Bilanz recht positiv dar – immerhin liegen 213 oder 56% über den Erwartungen. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass viele Unternehmen bereits im Vorfeld Warnungen ausgesprochen hatten und jetzt quasi über eine deutlich niedrigere Latte springen.

Was die Gewinnentwicklung insgesamt betrifft, so erwartet der Konsensus der Analysten derzeit einen Rückgang um 6,2% im 1. Quartal (alle Zahlen bezogen auf den S&P 500). Für das Gesamtjahr 2001 sind die Erwartungen bez. Gewinnwachstum ebenfalls bereits negativ, sie liegen aktuell bei –2,7%.

Um diese Zahlen ein wenig in Beziehung zu setzen, sollte man sich folgendes vor Augen halten: Noch zu Jahresbeginn war man von einem Gewinnwachstum von 5% im 1. Quartal ausgegangen, aber zu Quartalsende lagen die Erwartungen bei –8,5%. Es zeigt sich also, dass zwar der (relative) Optimismus zu Jahresbeginn übertrieben war, die negative Stimmung im März aber offensichtlich ebenfalls, denn ganz so schlecht werden die Gewinne zumindest im 1. Quartal dann doch nicht.

Q2/2001 tritt gegen starkes Vergleichsquartal Q2/2000 an

Dennoch: Eine "profit recession", also zwei aufeinander folgende Quartale mit Gewinnrückgängen, ist durchaus wahrscheinlich, da die Gewinne wahrscheinlich auch im 2. Quartal noch rückläufig sein werden. Außerdem muss man hier noch ergänzen, dass sich die Vergleichszahlen immer auf das entsprechende Quartal des Vorjahres beziehen, und im 1. Halbjahr 2000 hat das Gewinnwachstum mit mehr als 20 % seinen Höhepunkt erreicht. Wir treten also im Moment auch gegen sehr schwierige Vergleiche an.

Fed-Zinsensenkung wird mittelfristig auch Technologietitel beleben

In der Technologie ist der Pessimismus natürlich noch größer, für die Nasdaq 100 Werte liegt der aktuelle Konsensus bei einem Gewinnrückgang von 35% für 2001. Interessant ist in diesem Zusammenhang kurz eine Rückblende an die Situation vor einem Jahr. Damals galt die "new economy" als immun gegenüber Zinserhöhungen. Heute, genau ein Jahr später, scheint das exakte Gegenteil geglaubt zu werden, nämlich dass selbst die Zinssenkungen der Fed die Nachfrage nach Technologie nicht beleben und damit das Problem nicht lösen können. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass die Wahrheit in der Mitte liegt: Die Fed kann mit ihren Zinssenkungen der Technologie kein sofortiges Wundermittel an die Hand geben, aber ihre Schritte werden mittelfristig nicht wirkungslos bleiben, so wie sie letztlich auch vor einem Jahr nicht wirkungslos geblieben sind.

Und noch ein interessanter Punkt: für den Nicht-Tech-Anteil im S&P 500 wird für 2001 ein Gewinnwachstum um die 6% erwartet, und diese Erwartung fällt schon seit einiger Zeit nicht mehr signifikant – sprich, alles außer Technologie zeigt sich eigentlich relativ stabil.

Ein Bewertungsvergleich zwischen den KGV’s der Nasdaq 100 und dem S&P 500 zeigt folgendes Bild:

Datum P/E S&P P/E Nasdaq 100 S&P vs. Nasdaq

31.12.1999 25,57 53,46 2,09

31.12.2000 21,72 44,98 2,07

30.03.2001 19,63 48,86 2,49

"Die Bewertung ist zwar sowohl im breiten Markt, also dem S&P, als auch in der Technologie (Nasdaq 100) zurückgekommen, aber nicht im gleichen Ausmaß. Gemessen am S&P ist der Nasdaq 100 heute teurer als Ende 1999, also mitten im Boom. Das ist natürlich auch eine Folge der äußerst negativen Gewinnerwartungen in der Technologie. Das heißt, die Technologie ist immer noch nicht "billig", hat aber dennoch im Zweifelsfall mehr Hebel nach oben. Das haben auch die Rallies im Jänner und jetzt im April gezeigt," analysiert Monika Rosen, Bereichsleiterin Research der AMG, das Szenario.

Fazit:

Der Pessimismus im Markt bezüglich der weiteren Gewinnentwicklung ist schon sehr groß, was an sich nicht negativ ist, denn dann werden positive Überraschungen wieder eher möglich. Besonders bei der Technologie sind die Erwartungen wirklich schon sehr düster. Für eine Erholung bei den Gewinnen - und damit bei den Kursen - im weiteren Jahresverlauf spricht die Entschlossenheit der US-Notenbank, deren Zinsschritte mittelfristig Wirkung zeigen sollten. Außerdem soll ja auch eine Steuersenkung kommen, die stimulierend wirkt.

Dass die Technologie, angesichts ihrer aktuell sehr schlechten Gewinnsituation, immer noch nicht gerade billig ist, illustriert die Tabelle oben. Dennoch hat sich gezeigt, dass Zinssenkungen bei den Anlegern den Mut zum Risiko wieder eher beleben, was risikoreicheren Sektoren - dazu zählt Technologie zweifellos - mehr hilft als den defensiven Bereichen.

Rückfragen: Bank Austria Asset Management

Monika Rosen, Tel. 33 147 DW 5403

E-Mail: monika.rosen@amg.co.at