27.3.2001

Euro gewinnt an Stärke

Weitere Zinssenkungen in den USA und erste Senkungen im Euroland
EUR wird in diesem Umfeld gegen über USD und JPY zulegen
Aktienperformance bleibt kurzfristig renditebestimmend
Zinssenkungen im Euroland stehen bevor

"Der Druck auf die Europäische Zentralbank, die Zinsen zu senken wächst," meint Heinz Bednar, Leiter des Anleihenresearch der Bank Austria-Gruppe. "Die Inflation im Euroland liegt zwar noch deutlich über dem EZB-Ziel von 0-2 %. Zuletzt lag sie bei 2,6 %. Die Konjunkturindikatoren bekräftigen aber immer wieder die wirtschaftliche Abkühlung und auch die Verbraucher-preissteigerungen sollten über die nächsten Monate in Richtung EZB-Zielgröße fallen."

"Die US-Notenbank hat vergangene Woche zum wiederholten Male die Leitzinsen gesenkt, sie wird aber noch weitere Zinssenkungen durchführen müssen, insbesondere dann, wenn der von den Aktienmärkten ausgehende Druck sich fortsetzt", so Bednar weiter.

Für die Rentenmärkte resultiert aus dieser Situation ein freundliches Umfeld, das erst gegen Ende des Zinssenkungszyklus bzw. durch die unterstellte wieder anziehende Konjunktur eingetrübt wird. Ab diesem Zeitpunkt rechnen die Analysten der Bank Austria wieder mit steigenden Renditen.

Nach der letzten Zinssenkung in den USA liegen die Leitzinsen im Euroland nur noch um 25 BP unter denen der USA. Die Bank Austria geht davon aus, dass weiter schlechte Konjunkturdaten die amerikanische Notenbank dazu veranlassen wird, ihren Zinssenkungszyklus fortzusetzen. Insgesamt erwartet die Bank Austria noch Senkungen im Ausmaß von 75 Basispunkten.

Flucht in den US-Dollar verzögert EUR-Festigung

"In "normalen Zeiten" hätten die massiven Verluste auf den US-Aktienmärkten in Verbindung mit den schlechten Wirtschaftsdaten bereits zu einem schwächeren USD und damit gleichzeitig zu einem stärkeren EUR geführt," so Heinz Bednar. Zur Zeit würden diese Entwicklungen aber durch eine "Safe Haven–Flucht" überlagert: Die Aktienmärkte brachen überall – auch in Europa – ein.

Die japanische Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einer sehr schwierigen Situation und in Zeiten gesteigerter Risikoaversion können auch mit höherem Risiko behaftete Märkte, wie zum Beispiel die Emerging Markets, nicht performen. Als Konsequenz setze eine Flucht in die klassische Safe Haven Währung, den USD, ein. Dort werde viel Geld entweder am Geldmarkt geparkt oder in die sicherste Veranlagungsform, die US-Treasuries (Staatsanleihen), investiert. Solche Safe Haven-Flüsse seien allerdings immer nur vorübergehende Phänomene, behauptet die Bank Austria. Sobald sich die Situation wieder etwas beruhigt hat, sollten diese Kapitalbewegungen abnehmen oder sogar umkehren, was in der Folge auch einen stärkeren EUR bedeuten würde.

Zinssenkung der EZB bis spätestens Juni erwartet

Dieses globale verdunkelte Szenario hat auf Euroland seine Auswirkungen. Insbesondere die stärker vom Dollarraum abhängigen Wirtschaften zeigen bereits jetzt ausgeprägtere Schwächesignale. Von den großen Wirtschaften ist dies in erster Linie Deutschland, das nicht nur wegen seiner größeren Außenhandelsabhängigkeit sondern auch wegen seines größeren Anteils an Direktinvestitionen stärker den Einbrüchen in den USA ausgesetzt ist als zum Beispiel Frankreich. Dieses etwas uneinheitliche Konjunkturbild und die noch deutlich über dem Zielband liegenden Inflationszahlen haben zur "wait and see" Position der EZB geführt. Da sich aber auch das Geldmengenwachstum im Euroland verlangsamt hat und nur noch knapp über der EZB-Zielgröße von 4,5 % M3-Wachstum liegt und die Anleihenanalysten der Bank Austria darüber hinaus von rückläufigen Inflationszahlen in den nächsten Monaten ausgehen, sei die Zinssenkung nur eine Frage der Zeit, so Bednar. "Spätestens bis Juni sollte dieser erste Schritt erfolgen und vorrausichtlich 25 Basispunkte betragen. Im dritten Quartal sollte dann noch ein weiterer Schritt im selben Ausmaß erfolgen."

Rentenmärkte profitieren von schlechtem Konjunkturszenario

"Dieses Umfeld ist für die Rentenmärkte, insbesondere die Staatsanleihen, natürlich vorteilhaft", erklärt Bednar. Schlechte Konjunkturdaten sowohl aus dem Euroland als auch aus den USA und schlechte Performance auf den Aktienmärkten führen regelmäßig zu Kursgewinnen bei Staatsanleihen. Da insbesondere, die aus den Aktien umgeschichteten Gelder aber sehr volatil sind, sollte es in den nächsten Monaten in Summe zu einer Seitwärtsbewegung - sowohl im Euroland als auch in den USA - kommen, prognostiziert die Bank Austria. Erst mit einem Erstarken der Konjunkturerwartungen werden sich die Inflationsprämien wieder erhöhen und es wird zu anziehenden Renditen kommen, ausgehend zunächst vom langen Ende. Insgesamt erwarten die Analysten der Bank Austria eine etwas steiler werdende Zinskurven.

Japanische Wirtschaft nachhaltig ohne Impulse

Japans Konjunktur liegt danieder und die Wachstumserwartungen für heuer mussten wiederholt zurückgenommen werden. "Die Schwäche des Yen ist ein Ausfluss dieser veränderten Erwartungshaltung. Wir gehen auch im Prognosehorizont davon aus, dass der Yen gegenüber den EUR weiter an Wert verliert." prognostiziert Bednar. Auch zinsseitig wird man, so die Bank Austria, versuchen, die Konjunktur zu unterstützen und die Leitzinsen auf ihrem tiefen Niveau lassen. Bei einem Engagement im Yen sollte man trotzdem immer die hohe Volatilität der Währung im Auge behalten.

Die Schweiz ist dem Euroland möglicherweise schon einen Schritt vorausgelaufen, durch eine Verschiebung ihres Leitzinsbandes nach unten auf 2,75% - 3,75%, was de facto einer Zinssenkung um 25 Basispunke gleichkommt. Abgesehen davon sollte sich die Zinslandschaft in der Schweiz parallel zu der im Euroland entwickeln. Der SFR wird sich angesichts der ähnlichen konjunkturellen Situation und dem Parallellauf bei den Zinsen gegenüber dem EUR seitwärts bewegen, mit leichten Vorteilen für den EUR.

Rückfragen: Bank Austria Group Treasury

Heinz Bednar, Tel. 71191, DW82350

E-Mail: heinz.bednar@bankaustria.com