2.2.2001

Klimawechsel in Österreichs Fremdenverkehr

Keine Nachfragerekorde aber kräftige Nächtigungs- und Einnahmenzuwächse in laufender Wintersaison
Stärkere Nachfrage nach Qualität – Probleme mit Billigquartieren
Städtetourismus gewinnt an Attraktivität – Gäste aus Übersee boomen

Österreichs Fremdenverkehr scheint nach Ansicht der Volkswirtschaft der Bank Austria auf dem besten Weg dazu, die Rückschläge aus den 90er Jahren zu meistern. Ausgelöst wurden diese damals durch die Konjunkturschwäche in wichtigen Herkunftsländern, die Verschlechterung des Preis-Leistungsverhältnisses und den billigen Flugpauschalreisen. Die Wettbewerbsverschärfung brachte erhebliche Modernitäts- und Imagedefizite des Angebots zum Vorschein. Daher war eine konsequente Verbesserung der Angebotsqualität notwendig.

Kräftiges Nächtigungs- und Einnahmenplus

Einiges wurde seitdem verbessert. Zwar kann die Branche keine neuen Nachfragerekorde verzeichnen. Allerdings verweisen nicht zuletzt die kräftigen Nächtigungs- und Einnahmen-zuwächse der laufenden Wintersaison auf die wirtschaftliche Erholung. Ob diese nachhaltig ist, bleibt noch abzuwarten. Auf jeden Fall bescheinigt die Volkswirtschaft der Bank Austria der heimischen Fremdenverkehrswirtschaft in ihrer jüngsten Analyse eine wesentliche Verbesserung der Angebotsqualität und damit einhergehende kräftige Einnahmensteigerungen.

Faktoren für den Aufschwung – Sommer bisher das Sorgenkind

Wesentlich problematischer als die Wintersaison war lange Jahre der Sommer. Am Beispiel der Saison 2000, als zugleich zum Nachfragerückgang ein Umsatzwachstum von mehr als 5 % verbucht werden konnte, zeigen sich gut die Produktivitätsgewinne der Branche. Vor allem sind es folgende Faktoren und Trends, die für steigende Umsätze pro Übernachtung und wachsende Einnahmen sorgen, in den letzten Jahren eben auch in der Sommersaison:

Es ist gelungen, hochwertigere und damit teurere Angebote attraktiver zu gestalten und erfolgreicher zu verkaufen. Besonders durch die wachsende Kooperationsbereitschaft unter den Betrieben war es möglich, den Gästen in vielen Regionen ein qualitativ hochwertiges, differenziertes und maßgeschneidertes Angebot zu bieten.
Die Nachfrageeinbußen konzentrieren sich seit Jahren auf schlechter ausgestattete Kategorien. Beispielsweise sind im Sommer 2000 die Übernachtungen in 1/2-Stern-Betrieben um fast 9 % gesunken, bei 4/5-Stern-Betrieben aber um 4 % gestiegen.
Der Städtetourismus gewinnt weiter an Attraktivität. Das Übernachtungsplus in den österreichischen Landeshauptstädten lag im Sommer 2000 bei 1,6 %.
Die Gäste bleiben kürzer, geben dabei aber mehr Geld aus. Insgesamt sind die Gästeankünfte in der letzten Sommersaison um 0,9 % gestiegen und die Aufenthaltsdauer ist von 4,3 Tagen im Jahr zuvor auf 4,1 Tage gesunken.
Es kommen mehr Gäste aus Übersee, v.a. aus den USA, die überdurchschnittlich viel Geld im Urlaub ausgeben. Im Sommer sind es 1.750 Schilling pro Übernachtung und damit mehr als doppelt soviel wie der österreichische Durchschnittsgast.
Die relativ kleinen Fremdenverkehrsbetrieben mit durchschnittlich fünf Beschäftigten sind laut den Experten der Bank Austria ein Konkurrenznachteil. So ist es für kleinere Betriebe grundsätzlich schwierig, ein bestimmtes Qualitätsniveau zu erreichen. Zudem kann ohne eine umfassende lokale Integration der einzelnen Betriebe deren Kapazitätsauslastung nicht optimiert und in weiterer Folge keine nennenswerte Verbesserung der Ertragslage erreicht werden. Die Experten der Bank Austria: "Beispielsweise wächst die Wertschöpfung aller Beteiligten an einem Informations- und Reservierungssystem mit der Zahl der Tourismuseinrichtungen in einer Region die vom System angesprochen werden können."

Die Bank Austria geht weiters davon aus, dass die Bettenkapazitäten weiter reduziert werden sollten: "Die bisherigen Umstrukturierungen waren ein richtiger Schritt, ein Vergleich mit den wichtigsten europäischen Tourismusdestinationen wie Frankreich und Spanien zeigt aber, dass die Auslastung der heimischen Betriebe um mehr als 20 %-Punkte zurück liegt."

Potenzial für erfolgreiche Zukunft vorhanden – Osterweiterung als Chance

Die Volkswirte orten allerdings genug Potenz für eine erfolgreiche touristische Zukunft des Landes: "Unter anderem wegen der Osterweiterung, die mittelfristig sogar für stärkere Nachfragezuwächse sorgen wird. Dennoch wird es künftig notwendig sein, das touristische Angebot qualitativ zu verbessern. Schließlich werden sich gut ausgestattete Drei-Stern-Betriebe immer besser verkaufen als Vier-Stern-Betriebe am unteren Ausstattungsniveau."

Rückfragen: Bank Austria Group Public Relations

Roman Jost, Tel. 711 91 DW 56150;

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