12.01.1997

Bank Austria erwirbt CA-Aktienpaket des Bundes

Schritt zur Europareife im österreichischen Bankensektor

Mit dem Zuschlag des Bundes für das Bank Austria-Anbot zum Erwerb des CA-Aktien paketes ist in Österreich der Weg zu einer europaorientierten Neuordnung des Banken sektors geöffnet worden. Die Bank Austria wird diese große Chance verantwortungsvoll wahr nehmen und partnerschaftlich mit den Mitar beitern der Creditanstalt sehr rasch - sobald das kartellrechtliche Verfahren abgeschlossen ist - an die neuen Aufgaben herangehen. Für die Kunden der beiden Banken ergibt sich daher eine wesentlich gesteigerte Leistungsfähigkeit.

Die Bank Austria hat diesen Schritt zur Schaffung einer neuen Finanzgruppierung sehr gründlich geprüft. Dabei wurde die Bank Austria von der Investmentbank Salomon Brothers International Ltd. beraten. Die vorliegenden Analysen zeigen das beträchtliche Potential, das in einer Verschränkung der Ressourcen der beiden Häuser liegt. Trotz der im Laufe des Anbotverfahrens von verschiedenen Seiten oft sehr emotional vorgebrachten negativen Meinungen, sehen wir im Zusammenrücken der beiden führenden österreichischen Banken eine für Bank Austria, Creditanstalt und die österreichische Wirtschaft gleichermaßen optimale Strategie.

Im einzelnen verfolgt die Bank Austria mit dem Kauf des CA-Aktienpaketes folgende Ziele:

1) Wahrung heimischer Interessen

Vorteil für Wirtschaft und Mitarbeiter

Mit dieser maßgeblichen Beteiligung der Bank Austria an der CA ist auf Dauer garantiert, daß die Entscheidungs- und Steuerungszentrale der führenden österreichischen Finanzunter nehmensgruppe im eigenen Land bleibt.

Und auch für den heimischen Arbeitsmarkt ist die Übernahme des CA-Aktienpaketes durch die Bank Austria von besonderem Vorteil. Bei der Umsetzung von Rationalisierungsmaßnahmen soll in der CA dasselbe Prinzip wie in der Bank Austria gelten: Eine Verringerung der Mit arbeiterzahl wird, wie von der Bank Austria schon bisher gehandhabt, im Wege natürlicher Fluktuationen vorgenommen werden. Auf diesem erprobten Weg wurden in den vergangenen Jahren schon in der Bank Austria erhebliche Effizienzsteigerungen erzielt.

2) Europareife

Gut gerüstet für das Europa der Zukunft

Die neue österreichische Finanzgruppierung wird gemeinsam mehr als 16.000 Mitarbeiter beschäftigen und eine Bilanzsumme von etwa 1.300 Milliarden Schilling aufweisen. In Europa stoßen Bank Austria und CA gemeinsam auf einen Rang um den 30sten vor. Das mit der Verschränkung von Bank Austria und CA erreichte Potential wird vor allem bei der Weiterentwicklung zukunftsorientierter, ressourcenintensiver Bankdienstleistungen die Wettbewerbsfähigkeit im Firmen- wie im Privatkundengeschäft gegenüber europäischen und außereuropäischen Konkurrenten verbessern und somit zu einer wesentlichen Stärkung der Möglichkeiten auf den Gebieten der Projekt- und Exportfinanzierung, sowie bei der Aufbringung von Risikokapital beitragen. Wirksam werden die Vorteile etwa im Electronic Banking, Investmentbanking und Assetmanagement. Ein weiterer Aspekt sind die verbesserten Möglichkeiten in der Kapitalmarktrefinanzierung im Zusammenhang mit der Schaffung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion.

3) Bank Austria Garant für erfolgreiche Restrukturierung

Vorteil für österreichische Bankenstruktur

Im Ausland ist die Restrukturierung des Finanzsektors bereits seit längerem im Gang. In Österreich kann die Bank Austria nach der vor fünf Jahren erfolgten Fusion auf eine äußerst erfolgreiche Entwicklung verweisen. In dem relativ kurzen Zeitraum der Restrukturierung ist ihre Bilanzsumme um mehr als 40 %, das Betriebsergebnis um etwa zwei Drittel gewachsen. Das Betriebsergebnis je Mitarbeiter - eine besonders signifikante Kennzahl der Produktivität - ist sogar um nahezu 90 % gestiegen. Gleichzeitig hat sich der Personal stand ausschließlich im Wege der natürlichen Fluktuation von rund 9.900 auf 8.900 Mitarbeiter verringert.

Auf Basis der vorliegenden Analysen ergeben vorsichtige Schätzungen über das künftige Geschäftsergebnis der Bank Austria-CA-Gruppierung ein nachhaltiges zusätzliches Ergebnispotential von mehreren Milliarden Schilling. Wenn die behördliche Genehmigung der Transaktion vorliegt, wird die Bank Austria gemeinsam mit der CA Geschäftsfeld für Geschäftsfeld durchleuchten und die Zukunftsstrategie im Detail entwickeln, so daß dann präzise Zielvorgaben gemacht werden können.

4) Hohe Synergien

Vorteil für Kunden

Das Zusammenführen von Parallelaktivitäten wird ein Potential schaffen, das den Kunden in Form neuer oder verbesserter Serviceleistungen in- und außerhalb Österreichs zugutekommen wird. Synergiepotential besteht insbesondere in abwicklungsintensiven Geschäftssegmenten, wie etwa im inländischen und grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr (einschließlich des Electronic Banking), im Veranlagungs- und Kreditgeschäft sowie bei den Handelsgeschäften. Verstärkt würden diese positiven Effekte im Zuge der Realisierung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion.

Ebenso können im Auslandsgeschäft durch das Zusammenlegen von Aktivitäten Ressourcen für neue Dienstleistungen gewonnen werden. Durch Bündeln der Kräfte beider Banken kann die österreichische Position zum Beispiel in Zentral- und Osteuropa noch ausgebaut werden.

Auch auf den traditionellen Finanzplätzen (UK, US) sowie in Asien wird eine Konzentration von Finanzaktivitäten neue Möglichkeiten schaffen, österreichische Unternehmen verstärkt zu begleiten.

Das Zusammenrücken der beiden größten österreichischen Banken wird eine markante Steigerung der Leistungsfähigkeit des heimischen Finanzsektors bewirken. In ihrem Sog kann die Dynamisierung dieses Schlüsselsektors der Volkswirtschaft die Entwicklung anderer österreichischer Unternehmen wesentlich fördern. Besonders deutlich wird sich das im auslandsbezogenen Geschäft auswirken, in dem der österreichischen Wirtschaft und den Anlegern nunmehr ein international wettbewerbsfähigeres heimisches Finanzdienstleistungsunternehmen zur Verfügung steht.

5) Impulse für den österreichischen Kapitalmarkt

Vorteil für Aktionäre

Als eine der großen börsenotierten Kapitalgesellschaften richtet die Bank Austria ihre Geschäftspolitik an den Interessen ihrer Aktionäre aus. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Kontinuität ihrer Dividendenpolitik gelegt. Durch die Beteiligung der Bank Austria an der CA wird auf Grund der Bedeutung dieser Finanzgruppe der österreichische Aktienmarkt - auch international - an Glaubwürdigkeit und Attraktivität gewinnen. Der Nutzen, den damit auch die übrigen Aktionäre der CA ziehen werden, ist evident.

Um den stimmberechtigten Kleinaktionären der CA entgegen zu kommen, wird die Bank Austria diesen Aktionären innerhalb von 3 Jahren ab dem rechtskräftigen Erwerb der CA-Anteile des Bundes ein Umtauschangebot in BA-Aktien unterbreiten, für Kleinstaktionäre wird es eine alternative Barabfindungsvariante geben.

Auf dieser Basis ergibt sich für die nächsten Jahre ein interessantes Steigerungspotential für Gewinnwachstum und Eigenkapitalrendite der Bank. Dies sollte eine gesteigerte Attraktivität der Aktie mit sich bringen.

6) Finanzierung

Solide Eigenmittelbasis

Die Finanzierung der Übernahme der Bundesanteile an der CA erfolgt aus Eigenmitteln der Bank Austria. Derzeit verfügt die Bank Austria über Eigenmittel von etwa 49 Milliarden Schilling. Sie weist somit eine Eigenmittelquote von weit über 11 % auf und überschreitet das gesetzliche Mindesterfordernis gemäß § 23 BWG von 8 % deutlich. Ebenso liegt die Bank Austria hinsichtlich des sogenannten Kernkapitals mit um die 35 Milliarden Schilling und einer Quote von um die 8 % sogar beim Doppelten des gesetzlich vorgeschriebenen Wertes von mindestens 4 %. Auch nach dem Erwerb des CA-Aktienpaketes werden die gesetzlichen Mindesterfordernisse bei den Eigenmittelquoten noch immer komfortabel erfüllt, die Eigenmittelwerte entsprechen nach wie vor den internationalen Standards.