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Eingereicht von: Verein "Patinnen für alle", Mag. Erika Kudweis
Projektstart: 2016
Kategorie: Kinder/Jugendliche, Integration/Migration
Webseite: http://www.patinnenfueralle.at

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Interview mit Mag. Erika Kudweis
Obfrau Verein "PatInnen für alle" – Patenschaften für Kinder und Jugendliche in Familien und Fremdbetreuung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

„Gewinner des Bank Austria Sozialpreises Niederösterreich 2019“: Wie hört sich das an? Was war Ihre erste Reaktion?

Ich habe mich zwei Mal riesig gefreut: Zum einen am letzten Tag des Votings und zum anderen heute, als ich die Benachrichtigung vom Gewinn per Mail bekam. Ich habe sofort meinen Vorstand sowie meine Familie informiert. Dann sind mir einige Personen eingefallen, die mit ihren Netzwerken zusätzlich zum Vorstand intensiv mitgeholfen hatten. Diese mussten selbstverständlich auch rasch informiert werden. Wenn ich diese Zeilen schreibe, so bin ich noch gar nicht damit fertig mich bei all den hilfreichen Geistern zu bedanken.

Wie haben Sie selbst die letzten Wochen und Tage des Votings erlebt?

Anfangs haben wir über unseren Newsletter alle PatInnen informiert und jeder hat seine Familien und engsten Freunde um Unterstützung gebeten. Dann kam die Urlaubszeit und viele waren nicht erreichbar. Mitte August kam der Vorstand wieder zusammen und da lagen wir bei ca. 30 Prozent und damit an 2. Stelle. Manche meinten: Das schaffen wir nie! Andere meinten: „Aufgeben tut man nur einen Brief!“ So einigten wir uns darauf, alle Kräfte zu mobilisieren. Jeder schrieb auf, wen er noch ansprechen kann – wer noch gut vernetzt ist – und dann legten wir los. Da wir ja nicht sehen konnten, wo wir in Prozenten standen, baten wir jeden uns das Ergebnis zu schicken. So konnten wir gut nachvollziehen wie wir langsam, sehr langsam aufholten und dann sogar in Führung gingen. Am spannendsten war dann der letzte Tag – unglaublich der Abend: jede Minute kam ein neuer Zwischenstand – in einer eigens eingerichteten WhatsApp-Gruppe wurde der Vorstand informiert. Es war wunderbar zu sehen, wie viele Leute mitfieberten. Großartig war dann auch als ein Patenkind uns den Text zur Erklärung des Votingvorgangs in Dari (afghanisches Persisch) übersetzte und dies dann die Runde machte. So nett: ein Patenkind (17), der Lehrling ist, schrieb mir dann: „Frau Erika, ich kann nicht mehr gut Dari. Haben Sie den Text auch auf Deutsch?“ Auch Freunde und Bekannte, die sich gerade im Ausland aufhielten, stimmten mit. So kamen Nachrichten aus Bangladesch, China, Canada und sogar Australien. Als um Mitternacht das Voting beendet war, waren wir alle sehr aufgeregt: nach unserem Infostand müssten wir gewonnen haben. Aber richtig glauben konnten wir es erst, als wir das Mail von der Bank Austria bekamen.

Beschreiben Sie bitte noch einmal kurz, was Ihr Projekt ausmacht?

„PatInnen für alle“ organisiert und begleitet Patenschaften für Kinder und Jugendliche in Niederösterreich. Das heißt wir bekommen Kinder und Jugendliche genannt – bzw. sie melden sich direkt bei uns – und wünschen sich eine Vertrauensperson als Patin/Paten. Dann suchen wir in Wohnnähe nach erwachsenen Personen, die gerne ein Kind/einen Jugendlichen begleiten möchten. Man kann diese Beziehung ein bisschen vergleichen wie die zu einem Onkel/einer Tante oder wie zu Tauf- oder Firmpaten, nur ohne religiösen Auftrag. Allen Beteiligten steht der Verein mit Beratung, Weiterbildungsangeboten und Vernetzungstreffen zur Verfügung.

Wie werden Sie das Preisgeld von 6.000,- EUR konkret für Ihr Projekt einsetzen?

Der Bedarf an Patenschaften ist sehr groß, denn wir haben viele Anfragen. Wir werden weiter Patenschaften für jugendliche Flüchtlinge organisieren, die alleine nach Österreich gekommen sind. Konkret heißt dies: wir suchen Patinnen und Paten für Burschen im Tralalobe Haus Biedermannsdorf und Mödling sowie für jene im ÖJAB Haus Greifenstein.
Viele PatInnen und Patenkinder haben derzeit eine sehr schwierige Zeit mit ungemein viel Angst vor einer Abschiebung des Patenkindes. Für viele Patenfamilien sind die Patenkinder wie ihre eigenen Kinder. Sie haben sie ins Herz geschlossen, sie sind zu Familienmitgliedern geworden. Diese Familien brauchen Begleitung und Beratung.

„Workshops gegen die Angst“: Eigens entwickelt als Vorbereitung auf eine Verhandlung im Asylverfahren bieten diese Kommunikationsworkshops hilfreiches Wissen und Übungen, um den Patenkindern und ihren Freunden den Umgang mit ihrer Angst zu erleichtern und sie so wieder handlungsfähig zu machen. Denn Angst lähmt! Wir werden in Niederösterreich nun wieder vermehrt diese Workshops anbieten können.

Warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Projekte ins Leben zu rufen, die einen Nutzen für Kinder/Jugendliche/die Gesellschaft stiften?

Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft! Wenn junge Menschen ohne Perspektive aufwachsen, können sie nicht gesund erwachsen werden. Dies gilt sowohl für jene, die hier geboren wurden als auch für jene, die als Flüchtlinge zu uns kamen. Dies gilt für jene mit und auch ohne Migrationshintergrund. PatInnen bauen Vertrauen auf, geben Halt und Orientierung. Sie geben den jungen Menschen eine Perspektive. Damit wird eine Radikalisierung vorgebeugt. Damit wird ein Beitrag zur Gesundheit der Patenkinder geleistet.

Zitat, Dr. Judith Kohlenberger, Wissenschaftliche Projektleitung Refugee Health and Integration Survey (ReHIS), Wirtschaftsuniversität Wien, Institut für Sozialpolitik, Department Sozioökonomie: „Gerade Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund sind häufig von Angststörungen und Depressionen betroffen. Dazu kommen strukturelle, finanzielle, sprachliche und kulturelle Barrieren zum Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, sodass sich bestehende Belastungen über die Zeit verstärken. Patinnen und Paten können helfen, diese Barrieren gemeinsam zu überwinden und jungen Menschen ein gesundes, selbstbestimmtes Leben ermöglichen.“

Damit wird bei Patenkindern mit Fluchthintergrund Integration erlebbar gemacht. Projekte zu unterstützen, den Kindern/Jugendlichen und damit unserer Gesellschaft nützen, leisten einen ausgesprochen wertvollen Beitrag für ein gemeinsames Miteinander, einen Beitrag für unsere Zukunft. Projekte, die einen sozialen Nutzen stiften, werden initiiert, um konkrete Probleme zu lösen. Findet man eine Lösung und kann dies einem größeren Personenkreis nützen, so sollte man den Mut aufbringen, um ein Projekt/Verein zu initiieren.

Fotocredits:
Fotos mit Erika Pluhar: beide ©Roland Unger
Foto mit dem Patenpaar und Patenkind: ©Anna Stöcher
Foto Erika Kudweis: ©Anna Stöcher

Das Projekt


Seit März 2016 werden Patinnen und Paten für Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund in NÖ organisiert und begleitet - insgesamt sind es bereits 95. Zusätzlich meldeten sich auch 30 Patinnen und Paten von anderen Patenschaftsprojekten aus Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark, Salzburg und Burgenland, die ebenfalls vom Verein "PatInnen für alle" begleitet werden. Seit Jänner 2019 werden auch Kinder (im Alter von 7 bis 14 Jahren) - vorrangig von alleinerziehenden Müttern -vermittelt, die bei ihren Familien leben. Eine Patin oder ein Pate unterstützt das Kind und entlastet damit die Mutter. Die Integration der Mütter (über ihre Kinder) wird in Zukunft wesentlich zur Nachhaltigkeit der Integration beitragen.

Die Patenschaften sind in NÖ bereits recht bekannt - im Herbst 2018 wurden der Verein mit dem "NÖN Leopold" - Preis in der Kategorie "Engagement" ausgezeichnet. Für 2019 muss die öffentliche Präsenz gestärkt werden, damit der Bereich der Kinderpatenschaften (für 7 bis 14-Jährige in Familien) ebenfalls weiter aufgebaut werden kann.

Derzeit gibt es insgesamt 125 Patenkinder, weitere 20 sollen in NÖ bis zum Jahr 2019/2020 übernommen werden. Im Durchschnitt sind es sieben Österreicherinnen und Österreicher, die sich pro Patenschaft engagieren und damit Halt und Orientierung bieten. Insgesamt sind bis 2019/2020 über 1.000 Personen an dem Projekt beteiligt und würden vom Gewinn des Bank Austria Sozialpreises 2019 profitieren.

Ein wesentliches Ziel des Vereins ist auch die Weiterführung des Angebots für bestehende Patenschaften: Dies sichert deren Nachhaltigkeit und unterstützt Patenkinder auf ihrem guten Weg. Viele beginnen nun mit einer Lehre oder besuchen eine höhere Schule wie z.B. HTL oder HAK. Damit sie diese Ausbildungsziele auch erreichen und Österreich als Facharbeiter zur Verfügung stehen, braucht es Begleitung.

Das Besondere an dem Angebot des Vereins ist, dass:

  • die Patenkinder aktiv betreut werden und auch eigene Angebote zur Verfügung stehen: z.B. "Workshops gegen die Angst" (Kommunikationsworkshops) oder das Ehrenamt als "Botschafterin / Botschafter"
  • seit Jänner 2019 auch Patenschaften für Kinder in Familien vermittelt werden
  • auch Patenschaften begleitet werden, die nicht selbst vermittelt wurden

Eine aktive Beteiligung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bzw. Kundinnen und Kunden der Bank Austria wäre sehr wünschenswert. Möglichkeiten dazu wären beispielsweise.:

  • Als Patin und Pate für ein Kind mit Fluchthintergrund
  • Als Patin und Pate für ein österreichisches Kind
  • Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können für ihre Kinder (z.B. bei Scheidung, Krankheitsfall in der Familie etc.) eine Patin oder Paten bekommen - entweder aus den Reihen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder aus dem räumlichen Umfeld der Filiale.