Gewerbliche Tätigkeit in Ihrer Arztpraxis

Wenn Sie als Arzt Ihr Einkommen über die Zahl der Krankenscheine bestimmen, stoßen Sie irgendwann an Ihre Grenzen. Doch es gibt alternative Möglichkeiten um Ihre Praxiseinnahmen zu erhöhen. Eine dieser zusätzlichen Geschäftsfelder ist der Verkauf spezieller Zusatzprodukte wie Nahrungsergänzungsmittel, Heilbehelfe, Blutdruckmessern oder kosmetischer Produkte.

In Frage kommen dabei:

  • Arzneimittel
  • Bücher
  • Textilien (Kleidung)
  • Heilbehelfe
  • Nahrungsergänzungsmittel
  • Diätische Lebensmittel für besondere medizinische Fälle
  • Heilmittel wie Tees, ätherische Öle
  • Zahnbürsten, Pasten oder ähnliches
  • Kosmetische Produkte

Wann brauchen Sie einen Gewerbeschein?

Ein Gewerbeschein ist nicht bei jedem Verkauf erforderlich. Wenn Sie als Arzt beispielsweise Knorpelmasse oder Botox injizieren, benötigen Sie dafür keinen Gewerbeschein. Der Verkauf der Spritzsubstanz stellt eine Nebenleistung zu Ihrer ärztlichen Tätigkeit dar. Für die meisten anderen Produkte ist ein Gewerbeschein nötig, der ohne gröbere Umstände zu bekommen ist.

Wie kommen Sie zu einem Gewerbeschein?

Die Anmeldung des Gewerbes ist keine Hexerei. Wenn Sie das Gewerbe neu anmelden, ist die erste Anlaufstelle die Wirtschaftskammer. Sie werden dort beraten und erhalten eine Bestätigung, die Sie als Neugründer von bestimmten Gebühren und Abgaben befreit. Der nächste Weg führt Sie aufs Magistratsamt bzw. die Bezirkshauptmannschaft. Die Unterlagen, die Sie dort vorlegen müssen, können Sie ganz bequem per Mausklick unter folgender Adresse abrufen: https://www.wien.gv.at/amtshelfer/wirtschaft/gewerbe/gruendung/anmeldung/gewerbe/gewerbeanmeldung.html

Was Sie die Sozialversicherung kostet…

Mit der Gewerbeanmeldung sind Sie automatisch bei der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft pflichtversichert. Wenn Sie durch den Verkauf der Zusatzprodukte weniger als € 5.108,40 Gewinn machen und sich Ihr Umsatz auf maximal € 30.000 beläuft, zahlen Sie gar keine Beiträge. Übersteigt Ihr Umsatz und Ihr Gewinn diese Werte, werden folgende Beiträge vom Gewinn aus dem Verkauf der Zusatzprodukte fällig:

  • Pensionsversicherung 18,5%
  • Krankenversicherung 7,65%
  • Selbständigenvorsorge 1,53%
  • Unfallversicherung: EUR 9,33 pm (Fixbetrag)

Wie Sie die Verkaufserlöse versteuern…

Genau so wie Ihre Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit als Arzt unterliegen auch die Einkünfte aus dem Produktverkauf – im Fachjargon „Einkünfte aus gewerblicher Tätigkeit“ – der Einkommensteuer. Das Ergebnis wird dann in Ihrer Steuererklärung als Gewinn aus Gewerbebetrieb ausgewiesen.

Müssen Sie Umsatzsteuer verrechnen?

Wie Sie wissen, ist Ihre Tätigkeit als Arzt in der Regel von der Umsatzsteuer befreit. Die Verkäufe von Zusatzprodukten stellen allerdings umsatzsteuerpflichte Umsätze dar. Wenn Sie Gesamtumsätze aus Ordination und Produktverkauf im Wert von weniger als € 30.000 im Jahr erzielen, müssen Sie keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen. Unecht befreite Umsätze aus der Tätigkeit im Rahmen von Heilbehandlungen sind seit heuer nicht mehr miteinzuberechnen. Übersteigen Ihre Verkäufe allerdings diesen Wert, dann ist Umsatzsteuer zu erheben.

Online-Handel

Natürlich können Sie sich auch als Arzt die Vorzüge des world wide web zunutze machen und Ihre Zusatzprodukte online anbieten. Zahlreiche gesetzliche Vorschriften müssen allerdings bei der Gründung eines Online-Shops beachtet werden. Diese reichen von EU-weiten Regelungen bis zu den einzelnen Regelungen jedes Mitgliedstaates. Zudem muss unterschieden werden, an wen die Waren oder Dienstleistungen verkauft werden sollen. Handelt es sich bei der Kundin/dem Kunden um eine Endverbraucherin/einen Endverbraucher, müssen spezielle Regelungen beachtet werden.

Auch das Thema Umsatzsteuer muss beim Verkauf über eine Website wohl überlegt sein. Wir empfehlen Ihnen daher, Ihren Steuerberater zu konsultieren, wenn Sie an die Errichtung eines Online-Shops denken.

Mag. Iris Kraft-Kinz, Steuerberaterin für Ärztinnen und Ärzte