Österreichische Unternehmen gehören zu den weltweiten Innovationsführern in Bereichen wie Industrie 4.0 und autonomes Fahren.

Dass es in Österreich viele Unternehmen gibt, die in ihren Nischen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen zu den Weltmarktführern gehören, dürfte sich bereits herumgesprochen haben. Nicht so bekannt ist allerdings, dass es darüber hinaus nicht wenige Player gibt, die mit ihren Innovationen die digitale Transformation aktiv vorantreiben bzw. ihren Beitrag zu großen Zukunftsthemen wie Industrie 4.0, künstlicher Intelligenz

Georg Kopetz, Mitgründer und Vorstand des heimischen Technologieunternehmens TTTech Computertechnik AG.
Georg Kopetz, Mitgründer und Vorstand des heimischen Technologieunternehmens TTTech Computertechnik AG.
"Wir versuchen Maschinen smart zu machen.“

Foto: TTTech   

So würden die unternehmenseigenen Produkte und Lösungen dafür sorgen, dass verschiedene elektronische Befehle in Echtzeit von diversen Anwendungsfunktionen umgesetzt und sicher und zuverlässig durchgeführt werden. „Vereinfacht gesagt, liefern unsere Lösungen die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort in verteilten Computersystemen.“

Konkret entwickelt das 1998 als Spinoff der Technischen Universität Wien gegründete Unternehmen Sicherheitssteuerungen und zuverlässige Netzwerke, die quasi als das Nervensystem für hochentwickelte Steuerungslösungen in der Luftfahrt-, Automobil- und Baumaschinenbranche sowie in anderen Industriebranchen eingesetzt werden. Die Liste der Kunden kann sich durchaus sehen lassen: Darauf stehen unter anderem Namen wie Boeing, Airbus, Lockheed Martin oder NASA.

Roboter-Autos: Steirisches Forschungs-Lab

Angefangen mit Industrie 4.0 über Luft- und Raumfahrt bis hin zum autonomen Fahren – TTTech gestaltet die Entwicklung vieler zukunftsweisender Technologien aktiv mit. Im Bereich autonomes Fahren hinterlässt mit AVL List ein weiteres heimisches Unternehmen seine Spuren. Der Spezialist für die Entwicklung, Simulation und Prüftechnik von Antriebssystemen mit Hauptsitz Graz ist in dem Bereich seit geraumer Zeit tätig und hat 2017 gemeinsam mit Partnern wie Magna Steyr das steirische ALP.Lab, das im Bereich autonomes Fahren forscht, gegründet.

Peter Schöggl, Vice President Business Field Racing and Vehicle Engineering & Technology Powertrain Systems bei AVL List
Peter Schöggl, Vice President Business Field Racing and Vehicle Engineering & Technology Powertrain Systems bei AVL List
"Autonomes Fahren wird insgesamt massiv zur Reduzierung von Verkehrsunfällen beitragen."

Foto: AVL List

Von den fünf Levels, die für Fahrerassistenzsysteme und für automatisierte Systeme definiert wurden, befindet sich die Technologie derzeit
auf dem dritten Level. Das bedeutet, dass autonomes Fahren auf definierten Strecken unter gewissen Bedingungen möglich ist. Vorausgesetzt,
dass die notwendige Freigabe erfolgt, glaubt Schöggl, dass die Markteinführung von Level-3-Systemen noch 2018 erfolgen wird.
Autos können dann unter bestimmten Bedingungen bereits längere Strecken automatisiert fahren, etwa im Stau bis 60 km/h.

Zu den Hürden, die noch aus dem Weg geräumt werden müssen, zählt der AVL-Experte das Problem, dass die autonomen Systeme auch bei
sehr schlechten Witterungsbedingungen immer optimal und sicher funktionieren müssen. Insgesamt sei die große Challenge beim autonomen
Fahren, dass eine sehr große Anzahl verschiedener Szenarien, die im Verkehr passieren könnten, berücksichtigt werden müssten.
Dazu gehört beispielsweise auch, dass ein Ast auf die Straße fallen könnte. „Die Systeme müssen um ein Vielfältiges sicherer sein als der
Mensch, der im Verkehr ohnehin schon sehr sicher unterwegs ist“, erklärt Schöggl.

Dieter Siegel, CEO des Feuerwehrausrüsters Rosenbauer
Dieter Siegel, CEO des Feuerwehrausrüsters Rosenbauer
"Autonomes Fahren wird bei Einsatzfahrzeugen so schnell nicht Realität werden – wahrscheinlich nicht in den nächsten zehn Jahren."

Sehr wohl würden aber teilautonome Funktionen für Pumpen, Beleuchtung oder Stromgeneratoren verfügbar sein, die sich im Ernstfall automatisch einschalten und damit die Arbeit der Einsatzkräfte erleichtern.

Foto: Rosenbauer

Rosenbauer, mit Sitz Leonding bei Linz, hat jedenfalls digitale Lösungen entwickelt, die bereits seit einigen Jahren bei Feuerwehren im Einsatz sind. „Wir stellen etwa Kommunikationstechnik für mobile Einsatzzentralen her“, so Siegel. Damit ist die interaktive Vor-Ort-Kommunikation mit verschiedenen Medien möglich. Gemeinsam mit Siemens und A1 wurde etwa das mobile Einsatzmanagement-System EMEREC entwickelt, das unter anderem Brandschutzpläne, Gefahrenstoffdaten und KFZ-Rettungskarten auf ein Tablet liefert. „Über GPRS weiß man jederzeit, wo sich die anderen Einsatzfahrzeuge befinden.“       

Panther der Firma Rosenbauer

 

 

Der für Flughäfen entwickelte Panther zählt zu den modernsten Löschfahrzeugen der Welt.

Foto: Rosenbauer

Zukunftsweisende Innovationen finden also nicht nur im US-Technologie-Mekka Silicon Valley statt. Bei TTTech hat man die Standortentscheidung bislang nicht infrage gestellt. „Allein schon als TU-Spinoff sind wir stark in Wien verwurzelt“, so Kopetz. Er sei überzeugt, dass die heimische Bundeshauptstadt optimale Vorraussetzungen für ein globales Headquarter bietet. Dafür spreche einerseits der Zugang zu guten Leuten (etwa von TU und WU Wien) ebenso wie die Förderungen auf nationaler (FFG) und EU-Ebene sowie die Forschungsprämie. „Dazu kommt, dass unsere Kunden gerne nach Österreich kommen. Sie schätzen Wien als Weltstadt.“

AVL List

Das steirische Unternehmen ist auf die Entwicklung, Simulation und Prüftechnik von Antriebssystemen für PKW, LKW und Großmotoren spezialisiert und in diesen Bereichen der weltweit größte Anbieter. 1948 gegründet, beschäftigt AVL List heute weltweit 8.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 2016 wurde ein Umsatz von 1,4 Milliarden Euro erzielt.

Rosenbauer International AG

Rosenbauer zählt zu den global führenden Herstellern von Feuerwehrtechnik im abwehrenden Brand- und Katastrophenschutz. Das Unternehmen mit Sitz Leonding bei Linz ist in 100 Ländern vertreten und beschäftigt rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Vorjahr lag der Umsatz bei 848,7 Millionen Euro.

TTTech Computertechnik AG

TTTech ist weltweiter Technologieführer bei robusten Vernetzungen und Sicherheitssteuerungen. Lösungen des Unternehmens verbessern die Sicherheit und Zuverlässigkeit elektronischer Systeme in der Industrie- und Transportbranche. TTTech beschäftigt weltweit 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Betriebsleistung 2017: rund 100 Millionen Euro.

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