Wer heute daran arbeitet, den Weltraum zu erobern, treibt Innovationen auch auf der Erde voran. Und mitunter auch die österreichische Wirtschaft.

"Der erste Mensch am Mars ist schon geboren und geht vielleicht gerade in eine Volksschule in Ottakring“, sagt Gernot Grömer vom Österreichischen Weltraum Forum. Grömer kann dies so gut einschätzen wie kaum ein anderer Österreicher, denn er gehört zu einem von vier Entwicklungsteams, die im Auftrag der US-Raumfahrtagentur NASA an einem neuen Raumanzug für zukünftige Marsmissionen arbeiten. „Unsere Arbeit“, so Grömer, „ist der österreichische Beitrag, um diese größte Reise unserer Generation zu ermöglichen.“

Ob Anzug, Wohnstation oder Fahrzeug - alles, was für das All oder den Mars konzipiert wird, muss im Grunde ein Raumschiff sein: ein autonomes System, das mit seinen lebenserhaltenden Funktionen den Menschen in einer extrem lebensfeindlichen Umgebung schützt und nötigenfalls sicher aus der Gefahrenzone bringt. So sieht es jedenfalls Barbara Imhof. Die „Weltraum-Architektin“ hat mit ihrer in Wien ansässigen Firma für die europäische Weltraumagentur ESA ein sechs Meter langes Fahrzeug für Marsmissionen entwickelt, ein Wohnmobil mit integriertem Labor.

Imhof wies besonders darauf hin, wie nahe ihre Arbeit fürs All auch den Aufgaben kommt, die wir hier auf der Erde lösen müssen: „Entwerfen mit Raumschiffparametern heißt Planen von minimalen Räumen für eine internationale Besatzung und die Integration von ressourcenschonenden, lebenserhaltenden Systemen. Das ist sowohl auf terrestrische Städte als auch auf eine Mondbasis anwendbar.“     

 

Austria und das All

v.l.n.r.: Robert Zadrazil, Bank Austria; Barbara Imhof, Liquifer Systems Group; Christian Köberl, Naturhistorisches Museum; Gernot Grömer, Österreichisches Weltraum Forum; Andreas Jäger, Moderator

Grömer und Imhof sind nur zwei der erfolgreichen Weltraumpioniere aus Österreich. Eine ganze Reihe von Firmen aus dem kleinen Land denkt und wirtschaftet erfolgreich im grenzenlose All. Bank Austria CEO Robert Zadrazil nannte hier stellvertretend die Nachrichtentechniker Frequentis und Kapsch sowie die steirische HAGE Sondermaschinenbau, die Teile für die europäische Trägerrakete Ariane herstellt.

Alle drei Unternehmen sind Kunden der Bank Austria, die einmal mehr zum Bank Austria Future Talk geladen hatte. Die Bank Austria Future Talks stellen Zukunftsthemen im Bereich Wissenschaft, Technologie und Innovation ins Zentrum. Damit möchte sich die Bank für Initiativen und Themen engagieren, die zur Absicherung des Wirtschaftsstandortes beitragen.

Unser volkswirtschaftlicher Blick auf den Wirtschaftsstandort Österreich konzentriert sich oft auf die Automobilzulieferbetriebe. Doch neben Hochtechnologiefirmen mit Weltraumbezug sind hierzulande auch etliche Forschungseinrichtungen in der Luft- und Raumfahrt erfolgreich, betonte Zadrazil. Er hob besonders die TU Graz hervor, die gerade mit mehreren Experimenten an einer Simulationsmission in Oman teilnimmt, zur Vorbereitung bemannter Marsmissionen.

Im Naturhistorischen Museum

Beim jüngsten Future Talk, der wieder in Kooperation mit dem ORF III Wissenschaftsmagazin „Quantensprung“ entstand, übernahm Prof. Christian Köberl, Generaldirektor des Naturhistorischen Museums, die Rolle des Gastgebers. Der Professor für Astronomie wies darauf hin, dass das Abenteuer einer Marsreise mit konventioneller Technologie schlicht zu teuer ist: „Sucht nichts, von dem wir bereits wissen, dass es existiert!“, forderte Köberl aus diesem Grund ein besonders radikales Innovationsdenken. Plus den Willen, diesen großen Schritt auch tatsächlich zu setzen: „Es braucht politischen Druck für das Marsabenteuer. Durch China vielleicht“, erinnerte er an den Wettkampf großer Mächte, ohne den es nicht zur Mondlandung gekommen ware.      

Die mehr als 100 Gäste des Abends im großen Museum an der Wiener Ringstraße amüsierten sich besonders, als Robert Zadrazil am Schluss der Veranstaltung noch den Beweis antrat, dass die Bank Austria schon vor vielen Jahren ins All aufgebrochen ist: Er zeigte Fotos von „Austronaut“ Franz Viehböck, der 1991 mit dem Logo der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien am Overall durch die russische Sojus geschwebt ist.

Schauen Sie live hinein!