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Warum steigen die Zinsen nicht?

Die letzten Wochen prägten Diskussionen über die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank die Wirtschaftsnachrichten und Kommentare. Dabei lauteten die Überschriften von „Zinsen für immer tief“ bis „EZB öffnet die Geldschleuse“ und in den deutschsprachigen Medien war der Ton der Kommentare durchgängig negativ. Auch an den Finanzmärkten kamen die Maßnahmen der EZB nicht wirklich gut an, zumindest am Tag der Bekanntgabe. Viele sprachen von „Kehrtwende“ und „Panikreaktion“. Was hat die EZB eigentlich so Dramatisches gemacht?

Als Erstes hat sie - so wie fast alle Analysten in den Wochen davor - festgestellt, dass die wirtschaftlichen Daten der letzten Monate für den Euroraum nicht sehr positiv waren. Sowohl die Stimmungsindikatoren, aber später dann auch die tatsächlichen Wirtschaftsdaten, waren enttäuschend und die von vielen erhoffte Trendumkehr war nicht zu erkennen. Deutschland, nach einem Rückgang des BIP im dritten Quartal, stagnierte auch im vierten Quartal. Die Industrieproduktion schrumpfte inzwischen in praktisch allen Ländern des Euroraums, allen voran in Deutschland. Gleichzeitig zeigten sich auch die Inflationsdaten niedriger als erwartet. Daher senkte die EZB ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2019 für den Euroraum auf 1,1 Prozent, von zuvor 1,7 Prozent und die Prognose für die Inflationsrate im Euroraum von zuvor 1,6 Prozent auf nun 1,2 Prozent. Bei solchen Erwartungen ist es nicht unverständlich, dass die Europäische Zentralbank ihre Ankündigung, „frühestens nach dem Sommer 2019“ die Zinsen zu erhöhen, weiter nach hinten - auf „mindestens über das Ende 2019“ hinaus - geschoben hat. Gleichzeitig hat sie angekündigt, den Banken ab Herbst 2019 nochmals längerfristige Refinanzierungsmöglichkeiten (zwei Jahre) anzubieten. Diese Maßnahme wurde erwartet, da die sogenannten TLTRO (gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte), die die EZB den Banken 2016 für damals vier Jahre angeboten hatte, spätestens 2020 auslaufen und daher für die Banken bereits 2019 nicht mehr für die Erfüllung gewisser Vorschriften zur Verfügung stehen würden. Damit will die EZB helfen, die Kreditversorgung stabil zu halten, gerade in Zeiten sinkender Vertrauensindikatoren.

Dass dies ein „Aufdrehen der Geldschleuse“ bedeuten würde, wie von manchen Kommentatoren gemeint wurde, erscheint völlig übertrieben. Derzeit beträgt die Refinanzierung der Banken im Euroraum durch die EZB, vor allem durch diese TLTRO, rund 700 Mrd. Euro, das sind 2 ½ Prozent der Bilanzsumme aller Banken im Euroraum und wie gesagt ein großer Teil läuft 2020 aus.

Angesichts der deutlichen konjunkturellen Abschwächung bei gleichzeitig noch immer sehr hohen Unsicherheiten auf globaler Ebene, vom Handelsstreit mit den USA über Brexit bis hin zur Abkühlung in China und einigen auch internen Unsicherheiten im Euroraum, erscheint es durchaus rational für die EZB, keine überhasteten Zinsanhebungen oder sonstigen Maßnahmen zur Einschränkung der Liquidität durchzuführen.

Bedeutet dies nun, dass es nie wieder Zinserhöhungen gibt? Nein, natürlich nicht, auch wenn der Finanzmarkt derzeit extrem pessimistisch ist. So fielen die zehnjährigen deutschen Zinsen für Staatsanleihen fast wieder auf Null. Aber für die nächsten ein bis 1 ½ Jahre müssen wir wohl davon ausgehen, dass es keinen Anstieg der kurzfristigen Zinsen geben wird. Was danach passiert, können wir jedoch nur erahnen. Ewig werden die Zinsen wohl nicht bei Null verbleiben, aber so hohe Realzinsen wie in der Vergangenheit für mittelfristige Veranlagungen ohne Risiko sind derzeit auch nicht erkennbar. Dafür gibt es zu viel Geld, zu wenig Geldnachfrage, zu niedrige Inflation und am Ende auch zu wenig reales Wirtschaftswachstum.

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

Stand: 15. März 2019.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

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