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Die Wirtschaft kühlt sich ab, bleibt vorläufig über Potenzial, aber 2020 ...

Die weiterhin ungelösten Konflikte in der Weltwirtschaft - angefangen von der US-Handelspolitik, deren Ziel weiterhin unklar ist, bis hin zum Streit zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung - belasten zunehmend auch die Stimmung der Unternehmen und Konsumenten in Europa. Auch verliert natürlich der Aufholprozess seine Dynamik, je näher man wieder dem Potenzial kommt. In den meisten Ländern läuft jedoch die Binnenwirtschaft weiterhin sehr gut, d.h. die Beiträge von Konsum und Investitionen zum Wirtschaftswachstum blieben in den letzten Monaten relativ stark. Der zusätzliche Schwung durch Exporte hat jedoch im Verlauf der ersten drei Quartale erkennbar nachgelassen.

Da sich die Ursachen für die schwächere Auslandsnachfrage, die gestiegenen Zinsen in den USA bzw. die Unsicherheiten rund um die US-Handelspolitik, in den nächsten Monaten nicht ändern werden, ist auch mit einer erneuten Beschleunigung eher nicht zu rechnen. Im Gegenteil, sowohl was die Zinsen der US-Notenbank als auch die Stoßrichtung der US-Handelspolitik betrifft, ist sogar eher mit einer Verschärfung zu rechnen. Zum einen läuft die US-Wirtschaft weiterhin sehr gut, so dass die US-Notenbank wohl noch mindestens zwei, wenn nicht drei Zinserhöhungen vornehmen wird. Und zum anderen scheint der US-Präsident innenpolitisch nach den Zwischenwahlen im November eher unter stärkeren Druck zu geraten und es ist zu befürchten, dass er durch besonders akzentuierte Aussagen zur Handelspolitik punkten möchte.

Wir gehen daher davon aus, dass sich die konjunkturelle Dynamik in den nächsten drei bis vier Quartalen zwar für den Euroraum etwas dynamischer als das dritte Quartal gestaltet, aber so starke Zuwächse wie Ende 2017/Anfang 2018 nicht mehr zu erwarten sind. In Österreich lag das Wachstum auch im dritten Quartal leicht über Potenzial, mit diesem Tempo könnte es auch zumindest bis zum Sommer 2019 weitergehen. Am Ende könnte 2019 wieder knapp 2 Prozent Wirtschaftswachstum in Österreich bringen.

Sieht es also in den nächsten Quartalen relativ gut aus, so dürften sich die Aussichten für danach, also spätestens für 2020, deutlich eintrüben. Einerseits sehen wir wenig Entlastung beim internationalen Handelskonflikt, andererseits gehen wir davon aus, dass sich die US-Konjunktur Ende 2019/Anfang 2020 deutlich abkühlt. Der Euroraum wird sich dieser Abkühlung wohl nicht vollständig entziehen können, 2020 könnte daher aus heutiger Sicht nach fünf Jahren wieder das erste Jahr werden, in dem die Wirtschaft des Euroraums unter Potenzial, sprich weniger als 1,5 Prozent, wachsen wird können. Auch Österreichs Wirtschaft wird sich dieser Abkühlung nicht entziehen können. Auch in Österreich wird das Wirtschaftswachstum wohl erkennbar unter die 2-Prozent-Marke fallen.

Was diese Aussichten für die Entwicklung der Zinsen und Währung bedeuten, ist natürlich aus heutiger Sicht schwer abzuschätzen. Vorläufig bleibt die US-Konjunktur noch stark, die US-Notenbank auf Zinserhöhungskurs und im Euroraum sind wohl 2019 wenige Impulse der EZB zu erwarten – mit Ausnahme des Endes der Negativzinsen gegen Jahresende 2019. In diesem Umfeld wird der US-Dollar wohl stark bleiben gegenüber dem Euro. 2020 wird sich dieses Bild ändern, die US-Notenbank wird jedenfalls die Zinserhöhung stoppen, wenn nicht sogar mit Zinssenkungen zu rechnen ist. Umgekehrt wird die EZB erstmals die Leitzinsen erhöhen, wenn auch das Potenzial für Zinserhöhungen in diesem konjunkturellen Umfeld sehr, sehr überschaubar bleiben wird. Trotzdem könnte der Euro dann wieder etwas zulegen und sich in Richtung seiner Kaufkraft bewegen.

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

Stand: 12. November 2018.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

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