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Auf dem Weg zur Normalität?

Angesichts der vielen, zum Teil verunsichernden, Meldungen aus dem Bereich Politik und deren Einfluss auf die Wirtschaft erscheint die Überschrift provokativ. Aber tatsächlich spielt sich derzeit in den USA eine von vielen lange erwartete, aber immer wieder verschobene, Normalisierung ab. Die Zinsen bzw. die Zinserwartungen haben eindeutig eine Kehrtwende gemacht. Zwar stiegen die langfristigen Zinsen seit ihrem Rekordtief im Sommer 2016, mit einer kleinen Unterbrechung im ersten Halbjahr 2017, kontinuierlich, in den letzten Wochen hat der 10-jährige US-Staatsanleihezinssatz jedoch erstmals seit 2011 deutlich die 3-Prozent-Marke überschritten und erreichte zeitweilig sogar 3 ¼ Prozent.

Es gibt viele Gründe, warum die US-Zinsen derzeit steigen, allen voran die sehr starke Konjunktur in den USA mit einem Wachstum von zuletzt über 4 Prozent. Des Weiteren erreichte die Arbeitslosenquote der USA mit 3,7 Prozent den niedrigsten Wert seit Ende der 60er Jahre und liegt nicht mehr weit entfernt vom damaligen Rekordtiefststand von 3,4 Prozent. Auch wenn das Lohnwachstum von 2,7 Prozent angesichts dieser Rekordwerte nicht besonders hoch erscheint, es war das kräftigste seit der Finanzkrise. Zusätzlich führt die Steuerpolitik von Donald Trump zu einer extrem expansiven Fiskalpolitik und mit einem erwarteten Budgetdefizit von über 5 Prozent wird die USA heuer das höchste Defizit aller entwickelten Länder haben. Dementsprechend bewegt sich die Kerninflation nun über die 2-Prozent-Marke mit zuletzt 2,2 Prozent.

 

Auch wenn wir derzeit nicht davon ausgehen, dass die US-Zinsen in den nächsten Wochen noch deutlich weiter steigen, so werden wir doch daran erinnert, dass es nicht ewig so niedrige Zinsen geben kann, wie in den letzten Jahren. Am Ende kann man davon ausgehen, dass ein „normaler“ Zinssatz dem nominellen Trendwachstum von etwa 4 Prozent für die USA entspricht, der langfristige Zinssatz könnte sogar etwas darüber liegen.

 

Natürlich gibt es viele Argumente, angefangen von der weiterhin noch expansiven Geldpolitik in vielen Ländern und der enormen „Sparflut“ in der Welt, die dagegen sprechen könnten, dass wir wieder zu einer solchen Welt zurückkehren werden, aber völlig unmöglich ist es nicht und wahrscheinlich ist es auch notwendig.

 

Die für sehr lange Zeit extrem tiefen Zinsen in den USA haben natürlich auch Konsequenzen gehabt und dazu geführt, dass Geld zu billig und zu leicht in riskantere Vermögenswerte geflossen ist. Und mit der Normalisierung der Zinserwartungen fließt dieses Geld nun teilweise zurück. In den vergangenen Monaten haben dies vor allem die Schuldner in den Emerging Markets erleben müssen, wo Länder, die in den letzten Jahren durch günstige Refinanzierung ihre Auslandsschulden ansteigen ließen, mit zum Teil spürbaren Währungsabwertungen zu kämpfen hatten. Auch stieg in den letzten Wochen der Zinsunterschied zwischen in den einzelnen Risikoklassen und auch die Entwicklung an der US-Börse blieb davon nicht verschont.

 

Auch wenn wir natürlich im Euroraum noch weit von einer solchen Entwicklung entfernt sind, ist es doch auch hier ein Weckruf für jene, die auf extrem tiefe Zinsen für immer vertrauen. Irgendwann wird auch im Euroraum die Normalisierung einsetzen, auch wenn wir derzeit wenige Anzeichen dafür sehen können. Dieser Weckruf sollte uns aber gleichzeitig nicht vergessen machen, dass viele Vermögensverwalter und viel Vermögen selbst für eine solche „Normalisierungsphase“ noch immer viel zu viel in „risikolose“ Vermögenswerte investiert sind und dazu zählen nicht Immobilien.

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

Stand: 12. Oktober 2018.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

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