Auch am Weltspartag 2019(!) dürfte es noch wenig Zinsen am Sparbuch geben!

Trotz der relativ vielen politischen Ereignisse der letzten Wochen, allen voran die Wahlen in Deutschland, Österreich und Tschechien, blieben die Finanzmärkte relativ ruhig. Die bestimmenden Ereignisse für die Finanzmärkte - zumindest im Euroraum - sind und bleiben die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank. Mehr noch als in der Vergangenheit, als die Zentralbanken im Wesentlichen nur die kurzfristigen Zinsen beeinflussten, bestimmen sie derzeit darüber hinaus auch die langfristigen Zinsen, die Aktien-, Währungs- und am Ende alle Vermögensmärkte. Inzwischen hat die EZB über 2 Billionen Euro an Vermögenswerten im Rahmen ihres Wertpapierankaufprogramms gekauft und kauft bis Jahresende weiter monatlich um 60 Milliarden Euro Wertpapiere. Teilweise übersteigen die monatlichen Käufe die Nettoemissionen einer Anleihe, etwa der deutschen Bundesanleihe. Es ist klar, dass das Verhalten des mit Abstand größten Investors massive Auswirkungen auf die Marktpreise hat.

Aus diesem Grund ist die Entscheidung der EZB, wie dieses Programm weitergeht, so bedeutsam für alle Marktteilnehmer. Nun hat die EZB entschieden, dass sie zwar ab Jänner 2018 bis zumindest September mit monatlich 30 Milliarden Euro deutlich weniger als bisher kaufen will, gleichzeitig hat sie jedoch kein grundsätzliches Ende der Nettokäufe bekanntgegeben. Das Ende ist daher frühestens im Dezember 2018 möglich, allerdings könnte die EZB das Programm - mit kleinen Beträgen - sogar noch länger laufen lassen. Da sie aber immer betont hat, dass Zinserhöhungen erst deutlich nach dem Kaufprogramm erfolgen werden, hat sich eine mögliche Zinswende erneut nach hinten verschoben. Die Zinserwartung und damit auch der langfristige Zinssatz ist daher nach der EZB-Entscheidung vergangene Woche abermals etwas gesunken, ablesbar auch am leichten Rückgang des Zinssatzes für die 10-jährige deutsche Bundesanleihe um 10 Basispunkte auf 0,4 Prozent.

Damit ist die Chance einer absehbaren Zinswende bei kurzfristigen Zinsen noch vor 2019 auf fast Null gesunken - möglicherweise verschiebt sich die Zinswende bis ins Jahr 2019 hinein. Zumindest lassen die Marktreaktionen dies erwarten: Die Zinserwartung für kurzfristiges Dreimonatsgeld im Euro für Herbst 2019 liegt nur ganz knapp über der Nulllinie. Dies bedeutet nicht, dass nicht die langfristigen Zinsen in den nächsten Monaten steigen werden, im Gegenteil, sie werden sich abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung, allen voran von den Inflationsraten und Lohnveränderungsraten, auf und ab bewegen mit einem leicht steigenden Trend. Aber für kurzfristige Veranlagungen im Euroraum wird es wohl auch am Weltspartag 2019 kaum positive Zinsen geben. Und die Antwort auf die Frage, wie sich die verschiedenen Veranlagungsklassen nach einer tatsächlichen Zinswende im Euroraum verhalten werden, bleibt vorläufig noch offen. Allerdings haben die USA gezeigt, dass die Zinswende dort bisher kaum negative Folgen für Vermögensbewertungen hatte.

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

Stand: 27. Oktober 2017.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

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