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Exporte liefen 2018 ausgezeichnet, doch der Himmel verdunkelt sich zunehmend

2018 war viel von Handelskonflikten und Belastungen für den Export die Rede. Betrachtet man jedoch das Exportwachstum Österreichs, zeigen die Daten etwas Anderes bzw. man muss schon sehr genau hinsehen, um eine Abschwächung zu erkennen. Das Exportwachstum – zumindest der ersten zehn Monate – stellte sich 2018 mit einem Plus von 6 1/2 Prozent ähnlich dynamisch dar wie 2017 (plus 8 1/2 Prozent in den ersten zehn Monaten) und im Jahresverlauf war auch kaum ein Nachlassen der Dynamik erkennbar, jedenfalls bis Oktober.

Getragen war das Exportwachstum Österreichs erneut von einem sehr starken Zuwachs der Exporte nach Deutschland mit 6,7 Prozent, aber auch die Ausfuhren in die zwei nächstwichtigsten Exportländer, die USA mit 10,4 Prozent und Italien mit plus 8,9 Prozent, zeigten keine Schwäche. Mit einem Zuwachs von über 7 Prozent waren auch die Exporte nach Zentral- und Osteuropa sehr dynamisch, noch überflügelt von den Zuwächsen beim Export nach China von 11,8 Prozent.

Allerdings kam es in den letzten Monaten von 2018 und auch im Jänner 2019 zu einem signifikanten Rückgang beim Exportauftragseingang in Österreich. Unser UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex zeigt dies sehr klar. Mit fast 64 Punkten (Werte über 50 bedeuten Wachstum, unter 50 Rückgang) lag die Exportauftragsdynamik zu Jahresende 2017 auf einem Rekordwert (seit 1998 erheben wir diesen Indikator) und fiel dann im ersten Halbjahr 2018 deutlich, blieb bis Oktober jedoch knapp über 50, um dann in weiterer Folge deutlich unter 50 zu fallen. Im Jänner lag der Wert mit 45,2 Punkten auf dem tiefsten Wert seit über sechs Jahren.

Dieser Rückgang der Exportaufträge lief parallel zur Stimmungsverschlechterung der Konjunktur im Euroraum. Warum sich im Verlauf von 2018 die Konjunkturstimmung im Euroraum so stark abschwächte, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Sicherlich dazu beigetragen hat die Abschwächung der globalen Konjunktur zu Beginn 2018. Ab Mitte 2016 legte der Welthandel kräftig zu und das reale Welthandelswachstum erreichte Mitte 2017 mit Zuwächsen von über 5 Prozent seinen Höhepunkt. Mit Beginn von 2018 kühlte sich der Welthandel jedoch deutlich ab, stabilisierte sich allerdings Mitte 2018 wieder und das Wachstum liegt seither bei knapp 4 Prozent.

Etwas verzögert, aber doch sehr ähnlich entwickelten sich die Extra-Euroraum Exporte des Euroraums und mit ihnen auch der bilaterale Handel innerhalb des Euroraums – Extra-Euroraum Exporte und die gesamten Importe des Euroraums laufen immer parallel. Allerdings stabilisierten sich die Exporte des Euroraums und damit auch der bilaterale Handel innerhalb des Euroraums im zweiten Halbjahr 2018 nicht und die Dynamik geht noch immer deutlich zurück. Parallel dazu bewegte sich auch die Industrieproduktion im Euroraum, die sich im Gegensatz zum Outputwachstum in den USA und den Schwellenländern zuletzt nicht stabilisierte, sondern sich nun gefährlich nahe an der Stagnation befindet. Und die letzten Stimmungsindikatoren im Euroraum deuten noch nicht auf eine Trendwende hin.

Warum wurde der Euroraum erheblich stärker von den globalen Herausforderungen getroffen als andere Regionen? Eine simple Antwort darauf ist nicht zu finden. Die globalen Nadelstiche, die die Stimmung belasten, reichen dabei von der Verunsicherung rund um den Handelskonflikt der USA mit seinen wichtigsten Partnern über den Brexit bis hin zur restriktiveren Zinspolitik der US-Notenbank. Die USA und zuletzt auch China setzten bzw. setzen fiskalpolitische Maßnahmen dagegen ein, die USA weitete ihr Budgetdefizit deutlich aus und wird dies auch 2019 nochmals tun. China startete ein Infrastrukturprogramm und die zuletzt erreichte Stabilisierung der privaten Verschuldung machte wieder eine Trendwende. Die Fiskalpolitik im Euroraum war dagegen erneut wieder leicht restriktiv mit leicht sinkendem strukturellem Defizit. Allerdings dürften auch Entwicklungen innerhalb des Euroraums, von Italien (Streit mit EU-Kommission) über Frankreich (Gelbwesten) bis hin zu Deutschland (Dieselskandal), zur Stimmungsverschlechterung beigetragen haben. Zusätzlich verzeichneten drei der Top zehn Exportländer des Euroraums - Türkei, Russland und das Vereinigte Königreich - 2018 ein schwieriges Jahr mit entsprechend schwachem Import.

Aus heutiger Sicht lässt sich schwer einschätzen, ob sich die Belastungen für die Konjunktur im Euroraum und damit für den Export Österreichs in den nächsten Monaten etwas reduzieren werden. Vor allem könnte die Binnenkonjunktur im Euroraum, getragen von Konsum und Bau, stabilisierend wirken. Gleichzeitig könnten die Unsicherheiten rund um den Handelskonflikt, den Brexit und die US-Zinspolitik weniger werden. Auch die innereuropäischen Belastungen könnten sich als weniger gravierend herausstellen, speziell nach der Europawahl im Mai.

Die letzten Monate haben jedenfalls gezeigt, dass Europa deutlich sensibler auf globale Entwicklungen reagiert als etwa die USA. Dies ist auf die hohe Exportneigung der meisten Länder zurückzuführen, aber auch auf die deutlich komplexeren wirtschaftspolitischen Entscheidungsabläufe. In Summe erwarten wir für die nächsten zwei Jahre ein Wachstum der österreichischen Wirtschaft von rund 1 ½ Prozent. Angesichts der vielen Unsicherheiten und unserer Erwartung einer Rezession in den USA 2020 wird die Wirtschaftspolitik im Euroraum jedenfalls gefordert sein.

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

Stand: 8. Februar 2019.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

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