Ein starker Start ins Jahr 2018!

2017 brachte nicht nur in Österreich – das Wirtschaftswachstum dürfte jedenfalls 3 Prozent erreicht haben -, sondern global ein sehr starkes Wirtschaftswachstum. Können wir im Jahr 2018 eine Fortsetzung erwarten? Kurz zusammengefasst: ja. Das Wachstum der Weltwirtschaft wird 2018 fast 4 Prozent erreichen, nach etwas über 3 ½ Prozent 2017. Neben den erneut sehr dynamischen Schwellenländern werden aber auch die USA – unterstützt durch die Steuersenkungen – und vor allem der Euroraum zum guten Wachstum 2018 beitragen. Im Euroraum konnte 2017 erstmals seit seinem Bestehen jedes Land ein positives Wachstum erzielen und die Wachstumsdifferenz zwischen den Ländern war die geringste seit Beginn 1999. 2018 wird diese nochmals kleiner werden. Österreich wird zwar heuer etwas weniger stark wachsen als vergangenes Jahr, aber dies liegt an der extrem starken Dynamik in Österreich zu Jahresbeginn 2017. Es werden daher heuer eher 2 ½ Prozent als 3 Prozent werden. Das Wachstum bleibt aber trotzdem über dem Potential und die Arbeitslosenquote wird weiter zurückgehen. Dies gilt auch für den gesamten Euroraum, wo wieder neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Viele werden sich fragen, warum Brexit und Trump keine Gefahr für die Weltwirtschaft darstellten, bzw. 2018 darstellen werden. Gehen von diesen beiden Ereignissen keine Risiken mehr aus? Die Antwort lautet nein. Natürlich stellt ein US Präsident, der in einigen entscheidenden Fragen – etwa der Globalisierung – deutlich abweichende Meinungen hat, mittelfristig eine Gefahr für die weltwirtschaftliche Entwicklung dar, aber man hat unterschätzt, wie stark die Gegenkräfte in den USA sein können, so dass er de facto bisher wenig von seinen Ideen umsetzen konnte. Beim Brexit wiederum werden sich die negativen Folgen erst mittelfristig bemerkbar machen und vor allem für Großbritannnien spürbar sein, weniger für den Euroraum oder gar die Weltwirtschaft.

Ähnlich verhält es sich mit den politischen Herausforderungen in Europa: Eine mögliche schwierige Konstellation nach der Wahl in Italien 2018, das zähe Ringen um eine Regierung in Deutschland oder die vielen Diskussionen und wenigen konkreten Beschlüsse beim Thema Reformen der EU bzw. des Euroraums. Dies alles kann natürlich mittelfristig belasten, da notwendige Weichen nicht oder zumindest erst später gestellt werden, kurzfristig jedoch stoppt es nicht den starken und selbsttragenden Aufschwung, der durch den gestiegenen Optimismus der Konsumenten und Unternehmen im Euroraum getragen wird.

Warum hebt die Europäische Zentralbank in so einer Hochkonjunktur nicht die Zinsen an, sondern pumpt weiterhin Liquidität in den Markt? Die Antwort ist relativ einfach und banal: Es fehlen die Zeichen einer steigenden Inflation. Im Gegenteil, die Inflation im Euroraum bleibt vorläufig unter dem Zielwert von 2 Prozent und zwar auch noch 2018 und 2019. Daher wird die EZB bis September 2018 Anleihen kaufen und dann entscheiden, ob sie das Programm beendet oder auslaufen lässt. Wir erwarten, dass sie noch bis Ende des Jahres 2018 kaufen wird und dann einige Zeit später erste Schritte in Richtung positive Leitzinsen setzen wird – spürbar wohl erst gegen Ende 2019.

So günstige und optimistische Zukunftsaussichten hat es schon länger nicht mehr gegeben. Die Politik wäre daher aufgerufen, diesen Rückenwind für Reformen zu nützen, in allen Ländern des Euroraums gäbe es dafür Potential. Wir werden sehen, nicht zuletzt auch in Österreich, inwieweit dies gelingen wird.

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

Stand: 8. Jänner 2018.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

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