Wie wird das zweite Halbjahr?

So wie im ersten Halbjahr, als die vielen politischen Unsicherheiten, von Trump über Brexit bis hin zu einigen Wahlen in Europa, der wirtschaftlichen Erholung nichts anhaben konnten, geht es auch im zweiten Halbjahr scheinbar weiter. Zumindest deuten die meisten Stimmungsindikatoren darauf hin, dass die Enttäuschung über die Regierung in den USA, die bisher kaum Impulse für die Wirtschaft setzen konnte, aber auch die eher verstärkten Unsicherheiten rund um den Brexit und die aufkommenden Irritationen betreffend Nordkorea, wenig an der globalen Aufschwungsdynamik verändert haben. Zwar wurden die Wachstumsaussichten für die USA und auch für das Vereinigte Königreich zurückgenommen, der Rest der Welt überrascht aber eher positiv, allen voran der Euroraum, der vom zunehmenden globalen Handel profitiert.

Die Wahlen in Deutschland oder auch in Österreich werden an dieser positiven Stimmung wenig ändern, die guten Wachstumszahlen für 2017 sind damit gesichert, vor allem wird sich auch die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt fortsetzen.

Der Euroraum bleibt dabei weiterhin begünstigt, da er der Entwicklung in den USA zumindest ein bis zwei Jahr hinterher ist, d.h. der Euroraum hat noch mehr Aufholpotential als die USA bevor die Kapazitäten enger werden und vor allem die Geldpolitik deutlich restriktiver. Dementsprechend erwarten wir auch eine weitere Stärkung des Euro gegenüber dem US Dollar und die geldpolitische Straffung, die sich in den USA demnächst fortsetzen wird, wird im Euroraum frühestens Ende 2018, Anfang 2019 beginnen.

Die nächsten Monate werden daher von guten Konjunkturzahlen und der Diskussion über die Geldpolitik, zunehmend auch im Euroraum geprägt sein. Die EZB wird dazu im Herbst erste Hinweise geben, wie sie aus ihrem Kaufprogramm aussteigen wird. Über Zinserhöhungen wird sie jedoch noch lange nicht sprechen. Bei der von uns weiter erwarteten starken Konjunktur sollte die Ankündigung der EZB, 2018 langsam aus dem Anleihekaufprogramm auszusteigen, keine Irritation für die Finanzmärkte darstellen.

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

Stand: 10. August 2017.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

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