Warum es keinen Sinn macht, einen Handelskrieg zu gewinnen, besonders für die USA

„Handelskriege sind gut und einfach zu gewinnen“, twitterte Donald Trump vor kurzem und ließ diesmal seinen Tweets auch Taten folgen. Und diesmal hat Trump recht, die USA würden sehr wahrscheinlich einen Handelskrieg mit der Welt gewinnen, zumindest kurzfristig. Jedenfalls wenn man unter gewinnen versteht, dass man weniger Schaden genommen hat als die anderen Staaten. Die USA exportieren „nur“ 11 Prozent ihrer Wertschöpfung, so wenig wie kein anderes Industrie- oder Schwellenland. Selbst das große China exportiert 18 Prozent seines BIP, Deutschland 31 Prozent, Österreich gar 35 Prozent, zum Glück mehr als die Hälfte davon in den von einem möglichen Handelskrieg nicht direkt betroffenen EU-Binnenmarkt. Sollte also der globale Welthandel gebremst werden, die USA würden weniger verlieren als andere Staaten, aber verlieren würden sie schon und seine Bevölkerung im Durchschnitt ärmer werden. Laut Schätzungen der EZB könnte ein Anstieg der Zölle auf Importe in die USA um 10 Prozentpunkte und umgekehrt für US-Exporte schon im ersten Jahr die US-Wirtschaft 2 1/2 Prozent Wachstum kosten, den Welthandel 3 Prozent senken und der Weltwirtschaft 1 Prozent ihres Wachstum nehmen. Und das schon im ersten Jahr wie gesagt.

Berechtigterweise könnte man natürlich einwenden, diese kurzfristigen Verluste dienten einem größeren Ziel, nämlich China dazu zu zwingen, sich stärker an internationale Vereinbarungen zu halten, etwa im Bereich von Rechten auf das geistige Eigentum oder bei versteckten staatlichen Subventionen, und am Ende gehe es Trump darum und wir alle würden davon profitieren. Es würde mich freuen, allerdings habe ich meine Zweifel. Trump war nie ein Fan des globalen Handels. Dass er jetzt eine Strategie fährt, die kurzfristig der US-Wirtschaft schadet, um langfristig das globale Handelssystem besser zu machen, passt einfach nicht zu seinem „America First“-Ansatz. Auch würde es überraschen, dass das Wirtschaftsteam rund um Trump, das er gerade wieder ausgetauscht hat, in der Lage ist, eine so komplexe Materie geschickt zu steuern. Und schließlich lassen sich die Chinesen nicht so leicht erpressen, schon gar nicht von einem Präsidenten mit America First, sie kennen ihre Stärke. Deutlich effizienter wäre eine Allianz des Westens gegen das unfaire Verhalten der Chinesen gewesen, aber die Basis multilateraler Abkommen greift Trump ständig an.

Mittelfristig hat es zudem sowieso keinen Sinn sich dagegen zu stellen, dass China die größte Wirtschaftsmacht der Welt wird. Dafür sorgt alleine die Größe des Landes. Derzeit liegt das Einkommensniveau der Chinesen pro Kopf gerade einmal bei 14 Prozent des US-Niveaus. Aber wächst China so wie es der IWF erwartet, wird das Wohlstandsniveau in zehn bis fünfzehn Jahren rund ein Viertel des Niveaus der USA haben, zwar weniger als Portugal heute, aber das BIP von China wird in Summe jenes der USA erstmals übertreffen. Dann wird China und nicht mehr die USA die größte Konsumentenkaufkraft darstellen. Daran wird Trump nichts ändern, er schießt aber gerade die USA aus diesem Markt hinaus und schwächt die westlichen Demokratien in ihrem Bestreben, ihre Werte und Rechte gegen diese neue Supermacht durchzusetzen.

Vielleicht bekommt Trump einen „Deal“ und das Beste, was wir erwarten können ist, dass die Chinesen oberflächliche Zusagen geben, Trump dies als Sieg feiert, und alle Maßnahmen wieder zurückgenommen werden. Aber noch besser wäre, wenn die positiven Signale der letzten Tage aus Washington, etwa die Aussage, vielleicht doch an TPP teilnehmen zu wollen, NAFTA fertig zu verhandeln und die Zustimmung zur Kapitalerhöhung bei der Weltbank, ein Zeichen sind, dass die Realität am Ende doch einen Einfluss hat und nicht nur die gefühlte Twitter-Welt von Trump. Vor allem angesichts des Zustandes der Weltwirtschaft, vor allem des Euroraums, wo in den letzten Wochen die wirtschaftlich Dynamik doch einen Gang zurückgeschaltet hat, nicht beängstigend und teilweise erwartet, aber doch erkennbar.


 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

Stand: 13. April 2018.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria

Folgen Sie Stefan Bruckbauer auf Twitter


Konjunkturprognosen und Wirtschaftsanalysen: