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Der verlorene Faden

"Mami, mir ist langweilig", sagte Lisa. Ihre Mutter, die im Wohnzimmer vor dem Laptop saß, sah kurz auf. "Tut mir leid, Lisa", antwortete sie. "Ich habe jetzt keine Zeit für dich. Ich muss die Geschichte fertig schreiben. Wenn du mich jetzt eine Stunde nicht störst, können wir dann gemeinsam Weihnachtskekse backen. Inzwischen könntest du ja den Brief ans Christkind schreiben."

Lisa saß in ihrem Zimmer und überlegte. Der Brief ans Christkind war längst fertig und schön verziert. Eine Stunde war furchtbar lang. Vielleicht wäre die Mutter ja schon früher fertig?

Lisa steckte den Kopf durch die Wohnzimmertür. "Mami, bist du schon fertig?" - "LISA!" rief ihre Mutter. "Es sind gerade 20 Minuten vergangen! Jetzt habe ich den Faden verloren!"

Das kleine Mädchen sah auf den Fußboden, dann auf ihre Mutter. "Mami, da liegt aber gar kein Faden." – "Das sagt man nur so", sagte die Mutter. "Weißt du was? Morgen nehme ich dich mit in die Bank. Da kann ich besser arbeiten. Und übermorgen ist hoffentlich deine Tagesmutter wieder gesund!"

Lisa war sehr traurig, dass ihre Mami den Faden verloren hatte. Und vor dem Einschlafen nahm sie sich fest vor, ihrer Mami beim Suchen zu helfen.

Am nächsten Tag begleitete Lisa ihre Mutter zu ihrem Arbeitsplatz in der Bank. Hier arbeiteten viele Menschen. Lisa hatte eine Idee. Vielleicht könnten die ihr helfen, den verlorenen Faden zu finden?

"Meine Mami hat den Faden verloren, kannst du mir helfen?" fragte sie den netten Mann im Nebenzimmer. "Welchen Faden meint deine Mami?" fragte der. "Ich weiß nicht, aber sie schreibt eine Geschichte über Menschen, die anderen helfen. Hilfst du auch?"

Herr G. lachte: "Ja, ich bin in meiner Freizeit Mitarbeiter beim Österreichischen Roten Kreuz." Lisa staunte: "Fährst du da auch mit Blaulicht?" fragte sie. "Ja", sagte der Mann. "Ich fahre auch mit dem Rettungswagen. Jedes Monat mache ich drei bis vier Dienste - in der Nacht und am Wochenende."

"Ich bin Patin!" sagte eine zweite Kollegin, Frau A. "Ich helfe einem Jugendlichen, der ohne Eltern nach Österreich gekommen ist, hier eine neue Heimat zu finden." - "Der hat gar keine Eltern?" fragte Lisa betroffen. "Nein, er kommt aus Afrika und ist ganz allein hier."

"Afrika!" rief Herr F. "Komm mit, Lisa, wir gehen zu Frau M., die fliegt in ein paar Tagen nach Afrika."

"Das ist Lisa", sagte Herr F zu Frau M. "Erzählst du ihr bitte etwas über Afrika?" – "Ich fliege mit 17 anderen Kollegen nach Südafrika." sagte Frau M. "Dort werden gerade eine Schule und ein Kindergarten gebaut. Wir werden helfen, den Spielplatz des Kindergartens zu bauen. Ich freue mich schon sehr!"

"Ich würde auch gerne helfen!" sagte Lisa. "Aber Afrika ist so weit weg, das erlaubt meine Mami sicher nicht."

Frau O., die Zimmerkollegin von Frau M., hatte aufmerksam zugehört. "Ich habe da vielleicht eine Idee, Lisa. Hast du nicht Kleider oder Spielsachen, für die du schon zu groß bist? Ich arbeite ehrenamtlich bei der Caritas. Komm einfach einmal zu mir und bring mir, was du anderen Kindern geben möchtest."

Plötzlich hörte Lisa ihre Mutter rufen. "Lisa, wo bist du?" Lisa rannte zu ihr. "Ich habe dich schon gesucht, Essenszeit!"

Der Speisesaal der Bank war hell und groß. "Die kochen für so viele Menschen?" fragte Lisa. "Die müssen aber eine große Küche haben!" - "Ich koche auch für viele Menschen." sagte Herr S., der mit ihnen am Tisch saß. "Einmal im Monat koche ich in der VinziRast für 60 Menschen, die kein Heim haben."

"Wo warst du eigentlich heute Vormittag?" fragte die Mutter plötzlich. "Ich habe dich schon überall gesucht."

"Ich wollte dir helfen, den Faden wieder zu finden, den du gestern verloren hast", sagte Lisa. "Und?" fragte Herr S. "hast du ihn gefunden?" – "Nein ..." sagte Lisa kleinlaut. Doch plötzlich fiel ihr etwas ein: "Mama, ich will auch helfen, wie alle anderen." Und sie berichtete ihrer Mutter, was sie am Vormittag gesehen und gehört hatte. "Welche Geschichte schreibst du eigentlich?" fragte Herr S. seine Kollegin.

"Ich schreibe ein Geschichte zum Jahr des Ehrenamtes" sagte Lisas Mutter. "Eine Geschichte über Kollegen, die ehrenamtlich tätig sind und im Rahmen der Bank anderen Menschen helfen. Sie soll in der Weihnachtsausgabe der Mitarbeiterzeitung abgedruckt werden." Herr S. lachte: "Lisa, du brauchst den Faden nicht mehr zu suchen. Du hast ihn ja längst gefunden! Deine Mama muss nur mehr die Geschichten aufschreiben, die du gesammelt hast. " Jetzt musste auch Lisas Mutter lachen.

Lisa war sehr zufrieden. Gleich wenn sie nach Hause kam, wollte sie Spielsachen und Kleidung heraussuchen und der Dame bei der Caritas bringen. Und dann wollte sie eine schöne Zeichnung für ihre tibetischen Patenschwestern machen. Ihre Mutter unterstützte nämlich drei Flüchtlingskinder in einem tibetischen Kinderdorf.

Das mit dem Faden hatte Lisa zwar immer noch nicht ganz verstanden. Aber das war ja auch nicht mehr so wichtig …