UniCredit Bank Austria UniCredit Bank Austria
Wir sind für Sie da
VideoTelefonie testen
Allgemeine Anfragen
Kartensperren
UniCredit Bank Austria UniCredit Bank Austria
Wir sind für Sie da
VideoTelefonie testen
OnlineBanking | BusinessNet
Vorlesen

Der kleine Rabe

Es war einmal ...

… ein kleiner Rabe, der lebte am Rande einer großen Stadt. Max, so hieß der kleine Rabe, beobachtete am liebsten die Menschen in den nahen Häusern. Besonders im Winter, wenn die Bäume kahl waren und das Licht in den Häusern schon früh am Abend angezündet wurde, konnte Max stundenlang schauen.

Eines Nachts, Ende November, hörte Max am späten Abend plötzlich ungewohnte Geräusche. Da war ein Pfeifen in der Luft, ein Sausen und Schwirren, als ob ein ganzer Schwarm großer Vögel vorbei ziehen würde. Max horchte und schaute sich um – doch er konnte rein gar nichts Ungewöhnliches sehen.

Max schaute zum Himmel empor. Es war eine sternenklare Nacht. Und Max schien es, als seien plötzlich viel mehr Sterne am Himmel als sonst. "Seltsam", dachte Max, "so viele habe ich noch nie gesehen." Aber was war das? Die Sterne bewegten sich. Quer über den Himmel zogen sie – und dann flogen sie zur Erde und wieder empor.

Max stand da und rieb sich die Augen. Er wollte die anderen Raben nach dieser ungewöhnlichen Erscheinung fragen. Die waren viel älter als er und konnten ihm sicher erklären, was da gerade los war. "Entschuldige", sagte Max zum Rabenältesten, "kannst du mir erklären, was dieses Pfeifen und Schwirren bedeutet?"

Der alte Rabe war schon fast eingeschlafen. "Wie, was für ein Pfeifen? Ach das, ja das kommt jedes Jahr. Es beginnt Ende November und dauert ein paar Wochen. Aber dann ist alles wieder vorbei." – "Ja, aber was bedeutet es?" fragte Max. "Das weiß ich nicht so genau", sagte der alte Rabe. "Ich weiß nur, dass die Menschen um diese Zeit ganz aufgeregt werden und noch hektischer sind als sonst. Sie nennen es Weihnachten. Aber was kümmert dich das? Du bist ein kleiner Rabe, du hast mit Weihnachten gar nichts zu tun!"

Doch Max war ein neugieriger Rabe. Irgend etwas musste es doch mit diesem Weihnachten auf sich haben, wenn die Menschen so aufgeregt waren. Wen konnte er bloß fragen? Da wurde es plötzlich ganz hell vor ihm. Max sah ein großes Licht und dann, als er näher hinschaute, ein großen weißen Vogel. Zumindest sah das Wesen fast wie ein Vogel aus, immerhin hatte es goldene Flügel.

"Wer bist du?", fragte Max. "Ich bin ein Engel", sagte das Wesen. "Wir Engel fliegen ein paar Wochen vor dem Heiligen Abend zur Erde, um alles für Weihnachten vorzubereiten." Da war es wieder, dieses Wort – Weihnachten. Max nahm all seinen Mut zusammen. "Was ist denn dieses Weihnachten?" Der Engel lächelte. "Zu Weihnachten erinnern sich die Menschen daran, dass vor mehr als 2.000 Jahren Gottes Sohn zur Welt gekommen ist – ein Kind als Zeichen, dass Gott die Menschen liebt. Und als Erinnerung an dieses Wunder feiern die Menschen Weihnachten. An diesem Abend bringt das Christkind Geschenke zu den Menschen, als Zeichen seiner Liebe und Zuneigung. Und damit das Christkind weiß, was sich die Menschen wünschen, sammeln wir einige Wochen vor Weihnachten die Wunschlisten ein. Die Menschen stecken sie in einen Umschlag und legen sie ans Fenster. In der Nacht sammeln wir sie ein. Das Pfeifen und Sausen, das du gehört hast, stammt von den Engelsflügeln."

Max schaute und staunte – und plötzlich war der Engel verschwunden. Rund um Max war es schlagartig dunkel, aber Max registrierte das gar nicht. Die Worte des Engels gingen ihm nicht aus dem Kopf. Wenn das Christkind die Menschen liebte, vielleicht liebte es dann auch Raben? Und wie konnte er dem Christkind zeigen, dass er es auch lieb hatte?

Am nächsten Morgen ging Max wieder zum Rabenältesten. "Ich möchte etwas für das Christkind tun", sagte er. "Hast du eine Idee, was ich tun könnte? Vielleicht kann ich ihm etwas vorsingen?" Der Rabenälteste lachte. "Vorsingen? Glaubst du wirklich, dass dein Gekrächze dem Christkind gefallen würde? Schau dich doch mal an: du hast keine schöne Stimme, nicht einmal ein buntes Gefieder wie die anderen Vögel. Glaubst du wirklich, dass das Christkind gerade auf dich gewartet hat?"

Da wurde Max sehr traurig. Er ließ die Flügel hängen und hüpfte einsam über das Feld. Nicht einmal richtig fressen wollte er. Am Abend saß er noch immer da, allein mit seinen Gedanken. Und plötzlich war da wieder das Rauschen und das helle Licht und der Engel sprach ihn an: "Max, warum bist du denn so traurig?" – "Ich wollte dem Christkind helfen, aber ich bin zu klein und zu hässlich, um etwas tun zu können." – "Niemand ist zu klein, zu jung, zu alt oder zu hässlich, um dem Christkind zu helfen", lächelte der Engel. "Hast du denn eine Idee, wie du helfen willst?" – "Ja, die habe ich!" rief Max, und begann eifrig zu erzählen …

Und so kam es, dass nicht nur die Engel die Weihnachtswunschlisten einsammelten, sondern auch Max, der kleine Rabe. Die Engel und das Christkind konnten ein wenig Hilfe gut gebrauchen und Max konnte mit seinem großen Schnabel die Briefe perfekt transportieren. Und zu Max´ Freude und Erstaunen waren ihm unter seinem schwarzen Gefieder goldene Federn gewachsen.

Passt doch einmal auf, wenn ihr am Fensterbrett eine goldene Feder mit einer schwarzen Spitze findet. Dann hat Max euren Brief geholt und dem Christkind gebracht …

Woher ich das alles weiß? Max hat es mir selbst erzählt, voriges Jahr zu Weihnachten, in der Nacht, in der die Tiere sprechen können. Und wenn ihr mir nicht glaubt, könnt ihr ihn ja selbst fragen – ihr findet ihn draußen, am Rand der großen Stadt ...