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Als Weihnachten beinahe ausfiel

Dieses Jahr wird alles anders …

… beschloss Maria. Kein Weihnachtsstress, alles wird rechtzeitig vorbereitet, im November fange ich in Ruhe an, bloß keine Hektik.

"Ich muss einen wichtigen Event organisieren, ich hab´ keine Ahnung wie ich das machen soll, ich bin echt am Ende …" Die Stimme der Kollegin am Telefon klang verzweifelt und auch Marias aufmunternde Worte machten die Sache nicht besser.

Na ja, sie hatte früher selbst Events organisiert, ein bisschen konnte sie der Kollegin schon helfen. Der Event war ja Ende November, da würden ohnehin nicht viele Leute kommen. Die meisten waren dann schon beim Keksbacken oder unterwegs, um Weihnachtsgeschenke auszusuchen.

Apropos Kekse – schön langsam sollte sie mit ihren Weihnachtsvorbereitungen beginnen …

Und so half Maria der Kollegin ein wenig, und ein wenig mehr, und mehr – denn die Menschen waren keineswegs nur auf den Christkindlmärkten unterwegs und der Event war hoffnungslos überbucht.

"Ich bin dir so dankbar, dass du mir geholfen hast. Das war eine ganz tolle Veranstaltung!" freute sich die Kollegin. Ihre Augen strahlten wie die Weihnachtsbeleuchtung, die von draußen vor dem Fenster glitzerte.

Apropos Weihnachtsbeleuchtung, schön langsam sollte sie nun wirklich mit ihren Weihnachtsvorbereitungen beginnen …

"Schön, dass Sie da sind!" sagte die Mutter Oberin, als Maria noch kaum einen Schritt in das Altersheim gesetzt hatte, in dem ihre Großmutter wohnte. "Sie haben so eine schöne Stimme und können so gut vorlesen – könnten Sie bitte die Gestaltung des Adventsonntages übernehmen? Nichts Großartiges, ein paar Gedichte, eine Geschichte – am besten eine selbst erdachte, das gibt dem Ganzen eine individuelle Note."

Natürlich wollte Maria den alten Leuten eine Freude bereiten und es war ja auch kein Problem, ein paar Gedichte herauszusuchen. Auch die Geschichte war nach etlichen Versuchen ganz passabel – es war nur wieder eine Woche vergangen! Doch die alten Leute freuten sich, als sie ins Kerzenlicht schauten und den Gedichten lauschten.

Apropos Gedichte: Sie sollte nun wirklich mit ihren Weihnachtsvorbereitungen beginnen …

"Wir machen einen Weihnachtsbasar, kannst du bitte die Vermarktung übernehmen? Wir brauchen dringend Spenden!" fragte die Obfrau des Flüchtlingsvereins flehentlich. Da konnte Maria nun wirklich nicht nein sagen. Sie hatte so oft angeboten, zu helfen – nun musste sie es auch tun!

War ja auch nicht weiter schwierig: ein paar Texte schreiben, eine Presseaussendung verschicken, ein Plakat gestalten, auf Online-Plattformen eintragen. Sicher, ein wenig hatte Maria den Zeitaufwand unterschätzt, andererseits kamen dieses Jahr mehr Menschen als sonst zum Weihnachtsmarkt, kauften Geschenke und spendeten für die Flüchtlinge – und das war ja die Hauptsache.

Apropos Weihnachtsgeschenke: Sie sollte schleunigst mit ihren eigenen Weihnachtsvorbereitungen beginnen …

"Kannst du mir am letzten Adventwochenende die Kinder abnehmen" fragte Marias Tochter. Ich stecke mitten in den Weihnachtsvorbereitungen …"

Weihnachtsvorbereitungen! Sie hatte noch nicht mal damit begonnen und in ein paar Tagen war Weihnachten. Sie hatte noch gar nichts! Keinen Baum gekauft, keine Kekse gebacken, keine Geschenke ausgewählt …

Doch die Kinder konnten ja nichts dafür, dass sie noch nichts gemacht hatte ... "Klar können die Kleinen kommen", sagte sie. Am Sonntag, als Maria die Kinder wieder wohlbehalten bei den Eltern abgeliefert hatte, war sie glücklich – und erschöpft.

Noch drei Tage bis Weihnachten! "Morgen kaufe ich die Geschenke, übermorgen kaufe ich den Baum und backe Kekse und dann habe ich immer noch einen Tag für die restlichen Vorbereitungen", dachte sie.

Besinnlich war das gerade nicht, aber von rechtzeitigen Weihnachtsvorbereitungen konnte ja schon längst nicht mehr die Rede sein …

Am nächsten Morgen konnte Maria kaum die Augen öffnen, die Stirn brannte, der Hals schmerzte und sie fühlte sich wie erschlagen. Kein Gedanke an irgendwelche Weihnachtsgeschenke! "Ich bleibe einen Tag im Bett und kuriere mich aus", dachte sie. Doch am nächsten Tag fühlte sie sich um keinen Deut besser, und am übernächsten auch nicht …

"Weihnachten fällt heuer für mich aus“, dachte Maria traurig. "Ich habe die ganz Adventzeit mit anderen Dingen vertan …" Dann fielen ihr die Augen wieder zu.

Sie wusste nicht, wie lange sie geschlafen hatte, doch als sie erwachte, war es draußen wieder hell. Sie sah auf den Kalender – es war der 24. Dezember! Sie hatte doch noch so viel zu erledigen! Aufstehen und anziehen waren eins, sie wollte schon ins Wohnzimmer sausen – da hörte sie ein Knistern und Wispern vom Flur.

"Auch das noch – Einbrecher", dachte Maria. Auf Zehenspitzen schlich sie nach draußen. "Hallo Oma" tönte es ihr dreistimmig entgegen und ihre Tochter sagte: "Ich habe mir Sorgen gemacht und bin nachschauen gekommen …"

"Ich bin im Stress, ich muss noch so viel tun" – diese Worte blieben Maria in der Kehle stecken. Denn im Wohnzimmer stand ein wunderschöner Christbaum. "Den haben die Kinder und ich geschmückt!" sagte Marias Tochter.

Maria schaute und staunte – und wäre beinahe über einen riesigen Geschenkkorb gestolpert. "Nochmals herzlichen Dank für die Hilfe beim Organisieren des Events", stand auf der beigelegten Karte. Mit diesen vielen Leckereien würde sie leicht über die Feiertage kommen!

"Du bekommst mehr Post als das Christkind", sagte Marias Tochter. "Schau mal vor deine Haustür, da stehen noch zwei Pakete."

Seltsam, sie hatte doch nichts bestellt? Aus einem Paket roch es verführerisch nach Anis und Zimt. "Herzlichen Dank für den netten Adventsonntag, anbei eine kleine Aufmerksamkeit aus der Backstube des Altersheims!" stand darauf zu lesen. Drinnen lagen Zimtsterne und Lebkuchen und Vanillekipferl und Linzer Augen und …

Das andere Paket war ein großer, schlichter, grauer Karton. "Wir haben gehört, dass du krank bist. Anbei eine Auswahl an Geschenken, die Flüchtlinge gefertigt haben – du musst nur mehr entscheiden, wem du was schenkst. Weihnachtspapier haben wir dazu gepackt. Alles Liebe, gute Besserung - die Mitarbeiter des Flüchtlingsvereins."

"Frohe Weihnachten! Bis heute Abend!" riefen Tochter und Enkelkinder und sausten davon. "Frohe Weihnachten!" nickte Maria. Sie schaute auf die Kekse aus dem Altersheim, den Geschenkkorb der Kollegin, das Paket vom Flüchtlingsverein und den Christbaum der Enkelkinder.

"Keine Weihnachtsvorbereitungen", dachte Maria. "Ich habe die ganze Adventzeit etwas anderes gemacht. Und es war gut so …"