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Vermögensweitergabe

Testamentsformen

Ein Testament kann nur in bestimmten, im Gesetz genau geregelten Formen errichtet werden. Dies hat seinen Grund darin, dass die Erblasserin bzw. der Erblasser vor der leichtfertigen Errichtung seines Testamentes gewarnt werden soll. Weiters soll beispielsweise auch verhindert werden, dass ein von dritten Personen vorverfasstes Testament der Erblasserin bzw. dem Erblasser zur Unterfertigung vorgelegt bzw. unterschoben werden kann. Die Testamentsregeln sind daher sehr streng, und es können leicht Fehler passieren. Ein solchermaßen nicht der vorgeschriebenen Form errichtetes  Testament ist nämlich gänzlich unwirksam. Es ist daher zweckmäßig, sich bei der Errichtung eines Testamentes an einen Notar oder Rechtsanwalt zu wenden, um sicherzugehen, dass das Testament formgültig ist.

Eigenhändiges Testament
Die Verfügung (der gesamte Text) muss on der Erblasserin bzw. vom Erblasser eigenhändig geschrieben und unterschrieben werden (§ 578 ABGB). Die Erblasserin bzw. der Erblasser muss mit seinem Namen unterfertigen, es genügt aber der Vorname oder eine sonst übliche Bezeichnung, die die Erblasserin bzw. den Erblasser identifiziert ("Eure Mutter"). Die Unterschrift muss am Ende des Textes erfolgen.

Ergänzungen gelten nur, wenn sie neuerlich unterschrieben werden. Die Beisetzung von Ort und Datum ist zwar kein Gültigkeitserfordernis, wird aber vom Gesetz selbst empfohlen
(§ 578 ABGB), um spätere Beweisschwierigkeiten zu vermeiden, wenn mehrere (einander widersprechende) Testamente auftauchen (es gilt dann im Zweifel die jüngere Verfügung).

Um aufwendige Nachforschungen nach dem Tod zu vermeiden, wird es oft auch zweckmäßig sein, weitere Informationen in das Testament aufzunehmen: z.B. Existenz und Aufbewahrungsort bestimmter Vermögensstücke oder Versicherungspolizzen und dergleichen. Auch eine Hinterlegung bei Gericht oder Notar ist möglich.

Fremdhändiges Testament
Beim fremdhändigen Testament (§§ 579 – 581 ABGB) kann der Text beliebig verfasst werden (z.B. maschinschriftlich oder handschriftlich durch eine andere Person).

Der Text muss von der Erblasserin bw. vom Erblasser selbst und drei geeigneten ("fähigen") Zeugen, von denen zwei zugleich anwesend sein müssen, unterschrieben sein. Die Zeugen müssen mit einem Zusatz unterschreiben, der auf ihre Zeugeneigenschaft hinweist. Außerdem muss die Erblasserin bzw. der Erblasser vor den Zeugen erklären, dass der Text seinen letzten Willen enthält (sog. Bestätigung oder Bekräftigung). Nicht nötig ist es, dass die Zeugen den Inhalt des Testaments kennen. Sie müssen aber das Bewusstsein haben, als Testamentszeugen zu agieren. Die erforderlichen Zeugen müssen "zeugnisfähig" sein. Ausgeschlossen sind daher folgende Personen (§§ 591 und 594 ABGB):

  • Personen unter 18 Jahren.
  • Personen, denen auf Grund einer Behinderung die Fähigkeit fehlt, entsprechend der jeweiligen Testamentsform den letzten Willen zu bezeugen, also etwa Blinde, Taube, Stumme oder psychisch Kranke.
  • Personen, welche die Sprache des Erblassers nicht verstehen.
  • Befangene Personen (z.B. der oder die Bedachte selbst, seine nahen Angehörigen und "besoldete Hausgenossen").

Der Vorteil des fremdhändigen Testaments liegt darin, dass es schwerer zu unterdrücken ist als ein eigenhändiges. Andererseits sind die Formalitäten wesentlich komplizierter, sodass die Gefahr der Unwirksamkeit besteht, wenn die Erblasserin bzw. der Erblasser nicht besondere Sorgfalt an den Tag legt.

Öffentliches Testament
"Öffentliche Testamente" können (mündlich oder schriftlich) entweder vor Gericht oder vor dem Notar errichtet werden (§§ 587 – 590 ABGB; §§ 70 ff Notariatsordnung). Sie bieten höhere Sicherheit vor Anfechtung wegen Formmängel und können nicht unterdrückt werden.

Alle hinterlegten Testamente werden elektronisch im Testamentsregister bei der Notariatskammer in Wien erfasst. Dies sichert die Auffindung der letztwilligen Verfügung nach dem Todesfall. Im Zweifelsfall ist es daher vorteilhaft, auch privat verfasste Testamente zu hinterlegen und damit in dieses zentrale Register eintragen zu lassen, um dem Nichtfinden oder gar Verschwindenlassen seines letzten Willens vorzubeugen.

Wechselseitiges Testament
Ehegatten können ein gemeinsames Testament unter Einhaltung der oben angeführten Formvorschriften errichten (§ 1248 ABGB). Das bedeutet, dass bei einem gemeinschaftlichen handschriftlichen Testament beide Eheleute den gesamten Text eigenhändig schreiben und unterschreiben müssen, auch wenn der letzte Wille inhaltlich gleich lautet.

Mündliches "Nottestament"
Mit 1. Jänner 2005  hat der Gesetzgeber, das mündliche Testament auf ein reines "Not-Testament" mit nur zwei Zeugen und einer Gültigkeit von nur drei Monaten nach "Wegfall der Gefahr" beschränkt.
"Mündlichen Testamente" bleiben, so sie vor dem 1. Jänner 2005 errichtet wurden, gültig.