UniCredit Bank Austria UniCredit Bank Austria
Allgemeine Anfragen
Kartensperren
UniCredit Bank Austria UniCredit Bank Austria
OnlineBanking | BusinessNet
Vorlesen

Vermögensweitergabe

Der Inhalt des Testamentes

Der wichtigste Inhalt eines Testamentes ist die Erbseinsetzung. Die Erblasserin bzw. der Erblasser muss erklären, dass eine oder mehrere Personen sein(e) Erbe(n) sein soll(en). Weiters muss die Erblasserin bzw. der Erblasser erklären, wie viel jeder Erbe aus seinem Nachlass bekommen soll – also die Erbquote.

Beispiel:
Ich setze meine Gattin Claudia und meine vier Söhne Christoph, Alexander, Sebastian und Maximilian zu meinen Erben ein. Claudia soll die Hälfte des Nachlasses bekommen, meine vier Söhne je ein Achtel. 

Daneben kann die Erblasserin bzw. der Erblasser auch sonstige Anordnungen treffen. Am häufigsten sind die Legate.

Beispiel:
Mein Freund Klaus soll meine Bücher bekommen.

Bedingungen, Befristung und Auflage
Die Erblasserin bzw. der Erblasser kann eine Bedingung anordnen, die erfüllt sein muss, damit die oder der Begünstigte die Zuwendung erhält oder bei deren Wegfall die Zuwendung verloren geht. Die Bedingung ist jedoch immer ein ungewisses Ereignis und appelliert eher an die Moral des oder der Begünstigten, sich an die Bedingung zu halten. § 700 ABGB gibt Aufschluss über mögliche und unmögliche Bedingungen. Demnach ist es sittenwidrig, wenn einem Erben auferlegt wird, niemals zu heiraten.

Es ist jedoch möglich die Wiederverehelichung einer Witwe bzw. eines Witwers testamentarisch zu widersagen. Heiratet nun diese(r) Witwe(r) trotzdem wieder, so ist zwar die neue Ehe gültig, der Erbteil ist jedoch wieder rückzuerstatten. Ebenso ist es möglich, jemandem zu untersagen, eine bestimmte Person zu heiraten, widrigenfalls dieser enterbt wird.

Die Befristung ist ein Ereignis, welches sicher eintritt, man weiß nur nicht wann. So kann im Testament erklärt werden, dass eine bestimmte Person das Erbe antreten könne, sobald sie ihre Berufsausbildung beendet hat. Die Erblasserin bzw. der Erblasser kann die Erbin bzw. den Erben auch zu einem bestimmten Verhalten verpflichten. Zum Beispiel kann die Erblasserin bzw. der Erblasser anordnen, dass die Erbin bzw. der Erbe sein Grab zu pflegen hat. Bei Nichterfüllung dieser Auflage verliert die Erbin bzw. der Erbe die Zuwendung.

Entziehung des Pflichtteils
Unter "Enterbung" versteht man die Entziehung des Pflichtteils durch letztwillige Verfügung.

Das Gesetz kennt nun folgende Enterbungsgründe (§§ 768, 770, 773 ABGB):
Ein Pflichtteilsberechtigter kann enterbt werden, wenn er

  • die Erblasserin bzw. den Erblasser im Notstand hilflos gelassen hat.
  • wegen einer mit Vorsatz begangenen strafbaren Handlung zu einer lebenslangen oder zwanzigjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist.
  • beharrlich eine gegen die öffentliche Sittlichkeit anstößige Lebensart führt.
  • gegen die Erblasserin bzw. den Erblasser eine gerichtlich strafbare Handlung gesetzt hat, die nur vorsätzlich begangen werden kann und mit mehr als einjähriger Freiheitsstrafe bedroht ist (z.B. schwerer Diebstahl, Mordversuch).
  • die Erblasserin bzw. den Erblasser zur Erklärung des letzten Willens gezwungen oder betrügerischer Weise verleitet, an der Erklärung des letzten Willens gehindert oder einen von ihm bereits errichteten letzten Willen unterdrückt hat.
  • ein sehr verschuldeter oder verschwenderischer Noterbe bzw. Noterbin ist, bei dem die Gefahr besteht, dass der ihm gebührende Pflichtteil ganz oder zum größten Teil seinen Kindern entgehen würde (diese sog. "Enterbung in guter Absicht" ist allerdings nur dann wirksam, wenn der dem Noterben bzw. der Noterbin entzogene Pflichtteil gleichteilig allen seinen Kindern zugewendet wird.

Die Enterbung kann nicht durch Verzeihung (des Enterbungsgrundes), sondern nur durch letztwilligen Widerruf beseitigt werden, der allerdings auch stillschweigend erklärt werden kann (letztwillige Zuwendung trotz Setzung eines Enterbungsgrundes).

Ersatzerbschaft (gemeine Substitution)
Die Erblasserin bzw. der Erblasser kann auch anordnen, wer die Erbschaft erhalten soll, wenn der bzw. die Ersteingesetzte die Erbschaft nicht annehmen kann oder will. Die Anordnung dieser Ersatzerbschaft kann in der Praxis sehr sinnvoll sein. Es besteht ja die Möglichkeit, dass die Erbin bzw. der Erbe den Anfall der Erbschaft nicht erlebt oder gar auf die Erbschaft verzichtet.

Beispiel:
Zwei Personen leben in Lebensgemeinschaft. Sie haben einander vorsorglich wechselseitig zum Erben eingesetzt und verreisen öfters gemeinsam. Hier ist es wichtig, dass beide Lebensgefährten auch einen Ersatzerben bzw. eine Ersatzerbin bestimmt haben, um für den Fall Vorsorge zu treffen, dass beide gleichzeitig bei einem Unfall ums Leben kommen. Betrachten wir folgende Konstellation: Ein Paar lebt in Lebensgemeinschaft. Der eine Partner hat in die Lebensgemeinschaft ein Kind aus einer früheren Beziehung mitgebracht, welches dem anderen Partner wie ein eigenes Kind ans Herz gewachsen ist. Versterben nun beide Partner gemeinsam, so bekommt  das Kind als Ersatzerbe, obwohl es mit dem einen Lebensgefährten nicht verwandt ist, dessen Nachlass, natürlich unter Berücksichtigung etwaiger Pflichtteilsberechtigter.

Nacherbschaft (fideikommissarische Substitution)
Die Erblasserin bzw. der Erblasser kann bestimmen, dass nach dem Tod seines Erben bzw. seiner Erbin oder nach Eintritt eines bestimmten Ereignisses eine andere Person sein Vermögen bekommen soll. Die Erblasserin bzw. der Erblasser ordnet somit beispielsweise an, dass die Erbschaft zuerst seiner Nichte (Vorerbin) und bei Volljährigkeit ihrer Kinder, diesen zufallen soll. Die Kinder nennt man in diesem Fall Nacherben. Die Nacherbschaft ist in der Praxis jedoch nicht ratsam, da sie zu sehr komplizierten verfahrensrechtlichen Problemen führt und die Vorerbin bzw. der Vorerbe über das Erbe nicht frei verfügen kann (Ausnahme: Substitution auf den Überrest).
Die Vorerbin bzw. der Vorerbe kann nämlich beispielsweise nur in einem ererbten Haus wohnen, darf es vermieten und die Miete verbrauchen. Er muss das Haus aber auch erhalten und die Substanz schonen. Bei Spareinlagen oder einem ererbten Wertpapierdepot darf der Vorerbe nur über die Zinsen frei verfügen, das Kernkapital muss er jedoch für die Nacherbin bzw. den Nacherben unangetastet lassen.

Hinweis:
Sollten Sie eine Ersatzerbschaft, Nacherbschaft oder eine Nacherbschaft auf den Überrest testamentarisch verfügen wollen, macht sich der Rat einer Expertin bzw. eines Experten unbedingt bezahlt. Erkundigen Sie sich daher unbedingt bei einer Notarin bzw. einem Notar oder einer Rechtsanwältin bzw. einem Rechtsanwalt über die richtige Formulierung Ihres letzten Wunsches.