Mittels App teilt man das eigene Auto, das Fahrrad oder die Designer Handtasche. Für den nächsten Städte-Trip wird kurzerhand die eigene Wohnung mit Gleichgesinnten getauscht. Teilen macht Sinn. Wer den mein-dein-unser-Gedanken der Sharing Economy zelebriert, findet sicher auch Gefallen am neuen Immo-Trend Baugruppe.

Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist groß. Speziell nach solchen, die man selbst geschaffen hat. Hand auf’s Herz: Wer will nicht lieber kaufen statt mieten? Leider ist - gerade in der Stadt - individuelles Wohnen im Eigentum für die meisten heute unbezahlbar geworden.

Gut, dass sich mit Rückenwind der Sharing Economy endlich etwas bewegt am Wohnungsmarkt. Ein Beispiel des gelebten Kokonsums heißt Baugruppe und ist das Konzept der Zukunft am Immobiliensektor, wenn es um die maßgeschneiderte Wohnraumgestaltung mitten in der Großstadt geht.

Denn beim Co-housing vereinen sich die Vorteile der Sharing Economy zum großen Ganzen. Wer sich dazu entscheidet, mit einer Baugruppe zu bauen, kann sich den Wunsch nach individuellem Wohnraum mit allen Gestaltungsfreiheiten moderner Architektur, üppigem Grün und coolen Nachbarn erfüllen.

Kurz gesagt, teilen macht Sinn. Auch dann, wenn es um die Anschaffung einer Eigentumswohnung geht. Das Baugruppen Konzept ist gewisser Maßen das Eigentumsmodell 2.0.: Wenn die Wünsche nach der Traumwohnung das realistische Budget bei weitem übersteigen, kann die Lösung die Beteiligung an einer Baugruppe sein.

Wie es geht?

Eine Gruppe von Menschen mit gleichen bis ähnlichen Wohnwünschen formiert sich zur Bauherrenschaft, kauft ein Grundstück und baut gemeinsam ein Wohnhaus. Eine soziale Komponente ist den Projekten entsprechend immanent. Denn wer mitbestimmen will, wie das eigene Heim gestaltet sein soll, muss sich in der Baugruppe mit seinen Mitstreitern gut verstehen.

Das Kokonsum Leitmotiv findet sich hier wieder. Grundsatzentscheidungen und das finanzielle Risiko werden nämlich von allen gemeinsam (und eben nicht solo) getragen. Oder anders: Die Verantwortung der Bauherrenschaft wird unter allen Beteiligten geteilt. Will man in der Gruppe bauen, werden sich Menschen finden, die ähnlich ticken. Wichtigste Voraussetzung: eine vernünftige Streitkultur entwickeln – etwas, was sich übrigens für alle Bau- und Renovierungsvorhaben lohnt, die nicht alleine gestemmt werden.

Aussuchen statt eingewöhnen

Die Idee, ein Sharing Economy Modell für Eigentumsimmobilien zu finden, kommt als Co-housing aus Skandinavien und ist etwa seit den 1980er Jahren auch als Kooperatives Wohnen in Europa zu finden. In Wien findet man derzeit Baugruppen innerhalb der großen Stadtentwicklungsprojekte Seestadt Aspern, Sonnwendviertel in Favoriten und Gaswerk Leopoldau. Weitere Projekte in Österreich, die gerade nach Mitstreitern suchen, sind etwa das KooWoo in Eggersdorf bei Graz, B.R.O.T in Pressbaum und Brenessl Hauskollektiv Innsbruck.

Wer A sagt, muss auch B sagen

Bei aller Gemeinsamkeit ist aber auch Vorsicht geboten, denn der größte Vorteil einer Baugruppe – die individuelle Gestaltung von Haus und Wohnung – birgt auch die Notwendigkeit der Gesprächsbereitschaft. Hier stets zu bedenken: Die Diskussionspartner von heute sind die Nachbarn von morgen. Selbst bei Streit – gute Manieren sind quasi Pflicht.

Damit die aufwändig geplante Traumwohnung ganz bald zum neuen Zuhause wird, sollten die Augen stets auf die Buchstaben der Gesetze zum erfolgreichen Co-Housing Bauen gerichtet bleiben.

Die 4 wichtigsten „Zutaten“ für ein erfolgreiches Baugruppen-Projekt

1. Konsensfindung

Guter Rat ist teuer, vor allem bei Dingen, die man im Leben nur einmal, jedenfalls nicht regelmäßig tut. Und wer baut schon öfter als einmal im Leben ein Haus? Um zudem eine ganze Gruppe an Bauherren zur Einigkeit zu bringen, empfiehlt es sich, einen externen und mit einschlägiger Erfahrung gesegneten Moderator zu Rate zu ziehen. Der hilft, die Kraft der Mitte zu bewahren.

2. Mut zur Entscheidung

Anfangs schwelgt man noch in idyllischer Vorahnung dem eigenen Traum vom Wohnen entgegen. Aber die rosa Brille nimmt man nach den ersten Gruppentreffen ab. Streitigkeiten am Bau – auch gröbere – sind vorprogrammiert. Langwierigere Konflikte können das Baugruppenprojekt sogar ins Wanken bringen. Daher sind starke Nerven gefragt! Die absoluten No-Gos unter Baugruppen Mitgliedern sind: ausufernde Entscheidungsprozesse, fehlende Kompromissbereitschaft, mangelnde Konzentration auf Prioritäten.

3. Ausdauer

Eines muss jedem Baugruppen-Interessenten klar sein: Je näher an einem Ballungszentrum man wohnen möchte, desto schwieriger wird es, ein geeignetes Grundstück zu finden. Und auch, wenn urban gelegene Baugrundstücke im Sinne der Städteentwicklung von der Gemeinde eigens für Baugruppen reserviert werden – von der Idee bis zum Einzug vergehen für Baugruppen durchschnittlich fünf Jahre. Ausdauer ist dringend empfohlen!

4. Flexibilität

Egal ob man eine Wohnung kauft oder mietet – üblicherweise kann man mit einem Fixpreis kalkulieren. Diesen Komfort kann eine Baugemeinschaft nicht bieten. Ein gewisses Risiko – wie bei jedem Häuslbauer – bleibt. Beauftragte Firmen können Konkurs anmelden oder Mitstreiter steigen aus. Oder beides. Deshalb ist es ratsam, gut zu kalkulieren und ein Finanzierungsmodell zu finden, das auf die flexiblen Anforderungen von Baugruppen abgestimmt ist.

Fazit: Wer bereit ist zu teilen, den belohnt das Leben

Der Mangel an leistbaren, individuellen Bauvorhaben wirkt sich zunehmend günstig auf den Baugruppen-Trend aus. Baugruppen sind zukunftsweisend am Immobilienmarkt. Voraussetzungen für ein erfolgreiches Projekt sind allerdings Konsensfindung und Flexibilität in der Gruppe. Wer mittels Co-Housing Konzept teilt, erhält dafür, was am freien Immobilienmarkt oft unbezahlbar sind: Individuelles Eigentum. Gemüsebeet, Partyraum und Fahrradgarage inklusive.

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