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Brief des Vorstandsvorsitzenden

Brief von Willibald Cernko zum 31.12.2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

Das vergangene Jahr, über das wir hier berichten, hat erneut so starke Veränderungen für das Bankgeschäft gebracht, dass man, wenn schon nicht von einem Systemwechsel, so doch von einem Wandel des Systems sprechen kann. Nach der Finanzmarktkrise 2008, der tiefen Rezession 2009 und dem Wiederaufschwung 2010 wurde uns 2011 in Europa die Rechnung für jahrzehntelang verdrängte Probleme präsentiert, vor allem in Gestalt der Staatsschuldenkrise. Auch die – berechtigte – Reform des Bankensektors hat mit teilweise überstürzten Auflagen der neuen europäischen Aufsichtsbehörden sowie mit unkoordinierten fiskalischen Belastungen in mehreren Ländern ein unberechenbares, wettbewerbsverzerrendes Umfeld geschaffen. Schließlich funktioniert das Interbankgeschäft trotz rekordhoher Interventionen der EZB noch immer nicht so recht, und das ist eine Voraussetzung für einige andere Marktsegmente. Alles zusammengenommen wurde der "Vertrauensgrundsatz" mehrfach erschüttert. Wir kennen ihn von Straßenverkehr: Jeder soll sich innerhalb stabiler Regeln auf das regelkonforme Verhalten der anderen Teilnehmer verlassen können – und sich selbst entsprechend verhalten. Doch sehen wir Anfang 2012 positive Ansätze. Die EU-Institutionen versichern, dass die Umschuldung Griechenlands ein singulärer Fall war und dass von nun an Solidarität und Solidität zählen, beispielsweise mit dem neu formulierten, mit Sanktionen versehenen EU-Stabilitätspakt. Wirtschaft, Banken und Haushalte setzen allesamt wieder stärker auf das klassische Geschäft, auf "Realwirtschaft", auf nachhaltige Entwicklung, auf die Grundsätze einer soliden Haushaltspolitik – auch wenn das noch jahrelang Anpassungskosten nach sich ziehen wird. Alle haben aus der vergangenen Krise gelernt.

Die Bank Austria hat ihre Geschäftspolitik in voller Übereinstimmung mit UniCredit frühzeitig an das veränderte Umfeld angepasst – sprich, dem Kundengeschäft die absolute Priorität eingeräumt. Damit sind wir gut durch die schwierigen Jahre gekommen: Als eine der wenigen Banken haben wir seit Ausbruch der Krise 2008 in jedem Jahr, in jedem Quartal Gewinne geschrieben – wenn auch sehr bescheidene, ohne Zweifel zu geringe. Wir haben keine Staatshilfe in Anspruch genommen, vielmehr unseren solidarischen Beitrag geleistet. Dank der Kapitalerhöhung durch UniCredit aus Mitteln deren eigener Kapitalerhöhung von 2010 übertreffen wir mit einer harten Kernkapitalquote (CET1) von 10,55 % die Mindestanforderungen bei weitem. Wir haben in den letzten Jahren keine Dividende ausgeschüttet und auch bei unseren Tochterbanken in CEE Gewinne thesauriert. Wir haben also aus eigener Kraft Risikopolster aufgebaut.

Und wir haben unsere wichtigste Funktion als Bank erfüllt: Trotz schwacher Nachfrage in Österreich war das Kreditvolumen Ende 2011 um 3,2 % höher als vor einem Jahr und um 8,3 % höher als vor zwei Jahren. In Zentral- und Osteuropa (CEE) war die Kreditexpansion wechselkursbereinigt mehr als doppelt so stark wie im Durchschnitt, doch haben wir auch in Österreich im unternehmerischen Mittelstand sowie im privaten Bau&WohnKredit Zuwächse erzielt. Parallel dazu konnten wir mehr Primärmittel hereinnehmen, hauptsächlich in Form von Einlagen, aber auch über Emissionen, darunter unsere AAA-eingestuften Pfandbriefe. In der Bilanz sind die Kundenforderungen zu genau 100 % durch Einlagen und eigene Emissionen gedeckt. Der Anteil des Kundengeschäfts ist sowohl aktiv- wie passivseitig in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

2011 sind wir als "Österreichs kundenorientiertester Dienstleister 2011" ausgezeichnet worden. Die Kundenzufriedenheit, gemessen in rund 40.000 Kundeninterviews, konnte weiter gesteigert werden. Vor allem dafür möchte ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlich danken, nämlich dass sie das gerade in Zeiten erreicht haben, in denen das Bankgeschäft überkritisch gesehen wird.

In der Gewinn- und Verlustrechnung 2011 konnten wir die Erträge zwar nicht so steigern wie in früheren Jahren, aber auf dem hohem Niveau von 7,0 Milliarden € halten. Wie schon im Jahr davor war der Kreditrisikoaufwand in allen Regionen und Divisionen stark rückläufig; insgesamt hat er 2011 um ein gutes Viertel abgenommen und um 488 Mio € weniger Betriebsergebnis beansprucht als im Vorjahr. In CEE war der Rückgang gerade in jenen Ländern am stärksten, die den Anstieg zuvor verursacht hatten, in Österreich waren die Risikokosten so niedrig wie zuletzt 2007. Die operative Leistung der Bank Austria konnte daher stärker zur Geltung kommen. Das Betriebsergebnis nach Kreditrisiko stieg um fast 200 Mio € oder 13 % auf 1,7 Mrd €, worin einige externe Belastungen, wie etwa die Bankenabgaben, bereits enthalten sind.

Die stark verbesserte operative Leistung hat uns 2011 ermöglicht, außergewöhnliche Aufwendungen in Höhe von über einer Milliarde Euro zu tragen und noch mit einem Gewinn von 209 Mio € abzuschließen. Zum einen haben uns die Wertberichtigungen auf griechische Staatsanleihen (in Österreich und CEE) im Ergebnis fast 400 Mio € gekostet. Zum anderen haben wir die Firmenwerte weiter abgeschrieben, die vor allem aus dem Erwerb der Tochterbanken in der Ukraine und in Kasachstan in den Boomjahren stammen. Diese buchhalterischen Vorgänge belasteten den Gewinn mit 737 Mio €. Doch beeinflussen sie weder die Eigenkapitalquoten noch die Liquidität. Wir haben die Bewertungen damit an die neuen Mittel-/ Langfristperspektiven angepasst und erwarten von dieser Seite keine großen Belastungen mehr.

Auf der Grundlage unserer guten Kapital- und Liquiditätsausstattung werden wir weiter expandieren. Unsere absolute Kundenorientierung rund um das Kredit-/Einlagengeschäft und die alltäglichen Dienstleistungen bleibt die Richtschnur unserer weiteren Entwicklung. Das Wachstum wird aber etwas anders aussehen als in den früheren Jahren – unser Engagement, unsere Investitionen werden nicht in allen Ländern in allen Segmenten und Produktbereichen gleich stark zunehmen, sondern sich stärker nach Risk/Return, nach Marktstellung und Chancen richten. In dem neuen regulatorischen Umfeld müssen wir eben ge nauer auf die Rentabilität nach Risiko achten, nicht zuletzt um durch Eigenkapitaleffizienz mehr Mittel für Neukredite freizumachen. Unser Bekenntnis zu CEE bleibt unverändert. Hier werden wir bis 2015 300 weitere Filialen eröffnen und mehr als 1.100 FTE einstellen. Die Expansion in der Breite konzentriert sich auf Tschechien, Russland und die Türkei, in den anderen Ländern werden wir unsere Stärken weiter ausbauen.

Das alles fiele uns leichter, wenn wir als internationale Bank einen berechenbaren Ordnungsrahmen und überall gleiche Wettbewerbsbedingungen vorfänden, wie es ja auch den vier Freiheiten der Europäischen Union entspricht.

Nach Überwindung der großen Unsicherheit in den Wintermonaten haben sich die Klima- und Konjunkturindikatoren rechtzeitig zu Frühjahrsbeginn wieder aufgehellt. Der unterliegende Aufschwung scheint kräftiger zu sein, als man ihm bisher zugetraut hat. Wir wollen ihm 2012 mit aller Zuversicht nachhelfen, im kommerziellen Kundengeschäft mit unseren Privatkunden und dem Mittelstand sowie im internationalen Geschäft. Wir werden auch weiterhin unseren solidarischen Beitrag leisten. Wir werden auch weiterhin unseren solidarischen Beitrag leisten. In allen Regionen werden wir unsere Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft als "Good Corporate Citizens" erfüllen.

Ihr
Willibald Cernko

Vorsitzender des Vorstands der UniCredit Bank Austria AG