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Ö1 Talentestipendium

"Kunst vermag andere Welten aufzumachen"

Frau Gruzei, warum entscheidet sich ein junger Mensch für den Beruf Künstler oder Künstlerin?
Dafür gibt es wohl viele Gründe. Für meinen Teil habe ich mir in den Kopf gesetzt es zu versuchen, weil Kunst für mich ein Forschungsfeld ist, das auch jenseits der definierten Realität funktioniert und andere Welten aufzumachen vermag. Ich wollte etwas Eigenes erfinden anstatt etwas Vorgefertigtes zu lernen und anzuwenden.

Der Kunstmarkt boomt, aber die Konkurrenz ist groß, die Marktdurchdringung äußerst schwierig. 95 Prozent der heimischen KünstlerInnen können von ihrem Beruf nicht leben. Ist das nicht ein bisschen wie Lotto?
Es sieht auf den ersten Blick zumindest so aus als wäre es ein Glücksfall. Das Lotto vermittelt etwas Magisches und Abergläubisches weil hier auf Glück oder Pech -eine Übermacht- verwiesen wird. In einer gewissen Form spiegelt es in seiner Kurzfristigkeit die Idee vom Tellerwäscher zum/zur MillionärIn wider, in der jede/r, die/der es versucht, gewinnen kann. Hier sehe ich auch eine Ähnlichkeit zum Kunstmarkt.

Ein Ausbleiben des Erfolgs am (Kunst-)Markt wird jedoch auf die Unfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit der KünstlerIn/Wirtschaftssubjekte verschoben. Als hätten sie sich nicht ausreichend bemüht oder nicht lange genug ihr "Glück" versucht, investiert etc.

Durchschaut man diesen extrem Konkurrenz behafteten Bereich, der schlecht bis nie entgeltet wird, so könnte man die Situation als eine wirtschaftspolitische Strategie lesen, Menschen zum maximalen Output bei minimalen Input zu bringen.

In Ihrer Arbeit "getting loose" üben Sie Kritik am Prinzip der Ich-AG. Ist nicht das Dasein eines Künstlers/einer Künstlerin genau dieses? Eine Ich-AG?
Absolut. Das Bild des vom Blitz getroffenen Bohemian ist weit entfernt von der Situation in der KünstlerInnen zurecht kommen müssen. Ich bin ein Unternehmen in dem ich alle Jobs mache.
Umso mehr hat es mich interessiert, die Ich-AG in einer künstlerischen Arbeiten sowie in theoretischen Überlegungen zu durchleuchten. Es stellt sich die Frage, wie man mit den Nachteilen einer Ich-AG umgehen kann ohne die Vorteile zu verlieren. Einer der Punkte wäre z.B. die Verschmelzung von Freizeit und Arbeitszeit. Es ist 3 Uhr morgens - warum arbeite ich immer noch an den Fragen für ein Interview?

Sie haben ja schon einige Förderpreise und Stipendien erhalten. Welchen Stellenwert haben diese für Ihre Arbeit?
Das kommt auf die Art des Stipendiums oder Förderpreises an. Einige Förderungen haben mir eine Teilrealisierung von Projekten ermöglicht und dadurch konnten viele Werke tatsächlich verwirklicht werden. Problematisch an Teilfinanzierungen ist, dass man sich verpflichtet, das Projekt zu realisieren – den Restbetrag muss man jedoch selbst zahlen. Mit einer Teilförderung muss man leider immer das Risiko der Verschuldung eingehen.

Andere Preise wie der Theodor Körner Preis sind eine Anerkennung mit finanzieller Zuwendung. Durch den Bekanntheitsgrad des Preises ist es möglich, einerseits eine Öffentlichkeit zu bekommen und andererseits kann er Folgeförderungen anziehen. Anerkennung ist natürlich besonders wichtig, um weiter zu arbeiten.

Wofür werden Sie das Ö1-Talentesstipendium verwenden?
Das Ö1-Talentestipendium ist als die Grundsicherung eines/r KünstlerIn für ein Jahr ins Leben gerufen worden. Ich werde davon meine Fixkosten bezahlen. Sollte Geld überbleiben, werde ich es in meine Weiterbildung, Recherchen, in die Realisierung von Ausstellungen oder in neue Projekte investieren.
Das Stipendium ermöglicht mir den Raum, in den nächsten 12 Monaten ohne finanzielle Sorgen an meinem künstlerischen Schaffen zu arbeiten. Ich freue mich unglaublich über das Stipendium - dennoch überlege ich mir wie es nach dem Jahr weitergehen kann.