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Halbzeit

" ... ein wunderbares, vielfältiges Jahr."

Martin Heller, Intendant von Linz09, über Tops und Flops, Rückblicke und Ausblicke und Bleibendes der Kulturhauptstadt 2009.

Halbzeit – Ihr vorläufiges Resümee?

Heller: Ich bin sehr zufrieden. Die Besucherzahlen und der mittlerweile hohe Bekanntheitsgrad von Linz09 sind ebenso ein Erfolg wie ein sattes Nächtigungsplus – als einzige österreichische Stadt. Auch prickelt die Stimmung sowohl in der Stadt als auch in der Region. "Höhenrausch" zieht die Massen an, das zweite Theaterlfestival – "Sonnenbrand“ –  erfreut sich regen Zuspruchs. Und die "Austria Guides" kommen aufgrund der vielen Anfragen mit Führungen kaum mehr nach – der Kulturhauptstadt-Sommer ist in vollem Gange.
 

Tops und Flops: Was hat gut funktioniert, was weniger gut?

Heller: Ein besonderer Liebling ist "Höhenrausch" – weil er von vielen Ecken der Stadt aus sichtbar ist und wohl auch, weil er als dritter Teil der "Rauschtrilogie" bereits ein "gelerntes" Format ist. Der "Kepler Salon" ist mittlerweile ein etablierter Fixpunkt und erfreut sich großer Zuwendung.

Auch das "Gelbe Haus" am Bindermichl hat von Beginn an wunderbar funktioniert. Dies sind nur einige Beispiele. Ohne zu übertreiben kann ich sagen, dass so gut wie alle Veranstaltungen und Ausstellungen sehr gut besucht sind. Von wirklichen Flops sind wir bislang glücklicherweise verschont geblieben.

Was sind die Highlights im 2. Halbjahr?

 

"Höhenrausch" entführt auf die Dächer der Innenstadt. 
 

Heller: Am 5. September wird die Linzer Klangwolke" ein besonderes Erlebnis werden. Freiwillige bauen seit Monaten Hunderte von Tieren, angeleitet von Roger Titley, einem genialen südafrikanischen Puppenbauer.

"Höhenrausch" ist noch bis 31. Oktober zu sehen, und laufende Einrichtungen wie das "Akustikon", die "Ruhepole", das "Haus der Geschichten" und der "Kepler Salon" sind bis Jahresende in Betrieb.

 

Außerdem stehen September und Oktober unter dem Schwerpunkt Medien, im weitesten Sinne das "Ars Electronica Festival" mit dem Abschluss von "80+1" als Höhepunkt, die Ausstellung "See this Sound" im Lentos, das Theaterfestival Doppelgänger – und auch das Brucknerfest hat dieses Jahr nun einen medialen Schwerpunkt.

Glauben Sie, dass sich durch Linz09 die Stadt bzw. ihre Wahrnehmung durch LinzerInnen und BesucherInnen verändert hat?

Heller: Allein am Theaterfestival "Sonnenbrand" ist zu erkennen, wie viel sich getan hat. Das erste Theaterfestival, "Schneesturm", fand gleich zu Jahresbeginn statt, und die BesucherInnen waren damals deutlich vorsichtiger bei Unbekanntem. Nun aber sind fast alle Vorstellungen ausverkauft, auch völlig Neues, noch nie Gesehenes, wie Kutiyattam-Aufführungen aus Indien oder afrikanische Shows.

Die vielen BesucherInnen erleben Linz als eine sehr umtriebige, aktive Stadt – stärker als je zuvor. Und sie sagen es auch, denn erstmals sind wir eine touristische Stadt: zusätzlich zu den sommerlichen  Fahrradtouristen tummeln sich kleinere und größere Gruppen überall in der Stadt. Entsprechend ist das Sprachengewirr – ein Standard für Salzburg und Wien, in Linz jedoch eine Besonderheit.

Linz ist "Europäische Kulturhauptstadt" – Was ist das Europäische an Linz09?

Heller: Angefangen hat alles natürlich mit Hubert von Goiserns "Linz Europa Tour". Aber auch darüber hinaus bezieht unser Programm sowohl lokale und nationale als auch zahlreiche europäische und internationale Künstlerinnen und Künstler ein. Auch setzen sich viele Projekte mit "europäischen" Themen auseinander – Jean-Michel Bruyères Theaterinstallation Im Hof von nur einem, um nur ein Beispiel zu nennen.

Eine Auflage der EU ist es auch, jene historischen Aspekte einer Kulturhauptstadt, die von europäischer Relevanz sind, zugänglich zu machen. Für Linz war dies die Zeit des Nationalsozialismus. Eine Vielzahl von Programmelementen setzt sich deshalb mit Zeitgeschichte auseinander, in Ausstellungen wie im öffentlichen Raum.

Ist durch Linz09 die Kluft zwischen global denken (z.B. die Internationalität der Industriebetriebe) und im Alltag provinziell handeln (z.B. dass das Schlossmuseum am Wochenende um 17.00 Uhr (!) schließt) kleiner geworden?

Heller: Wir arbeiten daran. Gewohnheiten sind zäh, und natürlich dauern solche Entwicklungen länger, als man es sich manchmal wünschen würde.

Eine sehr erfreuliche Initiative ist die der Hotspots, einer Vereinigung von ambitionierten Linzer Gastronomen und Hoteliers, die sich durch Linz09 zusammengeschlossen haben und unter anderem die "Culinary Art Festivals" im April und im Oktober veranstalten.

Ein Blick in die Zukunft – was wird bleiben?

Heller: In jedem Fall bleiben wird die Erinnerung der Linzerinnen und Linzer an ein wunderbares, vielfältiges Jahr. Dann natürlich sind zahlreiche Kulturbauten und sonstige öffentliche wie private Investitionen mit verantwortlich für ein anderes Bild der Stadt im Blick von außen.

Außerdem haben sich viele der Linzer Institutionen und Kulturakteure in der Arbeit an ihren Projekten neue, oft internationale Netzwerke schaffen können, die über 2009 hinaus Bestand haben werden.

Was den Verbleib von Projekten anbelangt, so sind wir auf den Willen der Politik angewiesen – die sich bis Ende September allerdings auf den Wahlkampf konzentriert. Wir arbeiten jedoch sehr engagiert an dem Fortbestand unserer Erfindungen wie dem "Akustikon", dem "Kepler Salon" oder dem "Kinderpunkt" im Alten Rathaus.

Martin Heller (56), Linz09-Intendant, studierte in seiner Geburtsstadt Basel Kunstgeschichte, Ethnologie und europäische Volkskunde. Nach zwölf Jahren Direktor des Museums für Gestaltung in Zürich leitete er die schweizerische Landesausstellung Expo 2003.