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Griechenland und die Folgen

Vom griechischen Konsum und deutschen Sparen

   

In den letzten Monaten hat sich die Situation rund um Griechenland deutlich verschlechtert.

Was auf den ersten Blick wie eine, zwar unangenehme, aber doch im Vergleich zur Finanzmarktkrise eher nebensächliche Entwicklung aussah, führte im Verlauf der ersten Monate 2010 zur schwersten Krise der Gemeinschaftswährung seit ihrem Bestehen 1999.

 

Was war geschehen und warum kann ein Land, das gerade einmal 2,6 % der Wirtschaftsleistung des gesamten Währungsraumes und 5 % der gesamten Staatsverschuldung hat, die Existenz des gesamten Euros gefährden? Zudem liegt die gesamte Staatsverschuldung des Euroraums, gemessen an seiner Wirtschaftsleistung, auch aktuellsten Schätzungen des IWF zufolge am Ende der Finanzkrise mit erwarteten 88 % 2011 unter dem Wert der USA von 97 %. Beide Argumente führten lange dazu, die sogenannte "Griechische Tragödie" nicht wirklich ernst zu nehmen.

Anhaltende Ungleichgewichte

Die Situation um Griechenland zeigt uns im Kleinen, was weltweit ein Problem ist. Manche Länder exportieren mehr, andere importieren mehr. Diese anhaltenden Ungleichgewichte waren schlussendlichauch wesentlich für die Finanzmarktkrise ausschlaggebend. Weltweit steht zur Lösung dieses Problems unter anderem eine Abwertung / Aufwertung zur Verfügung. Diese Option hat Griechenland nicht.

Damit hat der Euroraum jene Situation erreicht, vor der zu Beginn der Währungsunion immer wieder gewarnt wurde. Ein Land, oder vielleicht mehrere Länder, haben sich in eine sehr schwierige Lage gebracht. Weniger aufgrund der Schulden (aber auch dies scheint derzeit unlösbar), mehr aber aufgrund der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit. Immerhin sind die Löhne pro Beschäftigten in Griechenland seit 2000 um rund 50 % gestiegen, in Österreich um rund 25%, in Deutschland gar nur rund 10 %. In dieser Situation hat man früher abgewertet.

Griechenland ist ein Teil der wirtschaftlichen Realität des abgelaufenen Jahrzehnts, bei der jeder seinen Vorteil hatte, für die aber nun die Rechnung präsentiert wird. Beispielhaft soll dies anden zwei Extremländern Griechenland und Deutschland gezeigt werden, aber auch an Österreich (als kleines Deutschland) und Ländern wie Spanien, Portugal und (mit Einschränkung) auch Italien kann man diese Tendenz erkennen.

Einige konsumieren, andere Sparen

In den letzten zehn Jahren hat sich eine deutlich differenzierte wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Euroraumländern vollzogen. Auf der einen Seite Länder wie Griechenland, das mit einem Konsumwachstum von in Summe 74 % seit 2000 eine kräftige Inlandsnachfrage zeigte. Ähnlich die Dynamik in Portugal (42 %) und vor allem Spanien (66 %). Wesentlich getrieben auch von stärkeren Lohnzuwächsen. Ganz anders die Situation in Deutschland, der Konsum wuchs im gleichen Zeitraum lediglich um magere 16 %, in Österreich noch immerhin um 31 %, ähnlich in Italien (30 %).

Eine für die dynamischen Länder unangenehme Folge war, dass deutlich mehr importiert als exportiert wurde. So sammelte sich für Griechenland in Summe ein Leistungsbilanzdefizit von rund 85 % des BIP an, für Portugal waren es noch immerhin 82 %, für Spanien 57%. Auf der anderen Seite zeigten die Länder mit schwachem Konsum eine gegenteilige Entwicklung, sowohl Deutschland als auch Österreich erreichten in diesem Zeitraum einen Leistungs bilanzüberschuss von immerhin 20 % in Österreich und 39 % in Deutschland.

Klarerweise ist das Defizit Griechenlands nicht automatisch unser Überschuss, aber doch ein Teil. So konnte Österreich in den letzten zehn Jahren rund 4 Mrd. Euro mehr nach Griechenland exportieren als importieren, immerhin über 2 % des griechischen BIP. Auch mit Spanien gelang uns ein Überschuss von fast 10 Mrd. Euro oder über 1 % des spanischen BIP.

Natürlich ist dies nicht alleine auf unsere Konsumzurückhaltung, sondern auch wesentlich auf unsere konkurrenzfähigere Industrie zurückzuführen. Aber am Ende des Tages ist der Überschuss des einen Landes das Defizit eines anderen. Umgekehrt exportierte das Konsum verweigernde Deutschland mehr nach Österreich, d. h. Deutschland profitierte vom etwas stärkeren Konsum in Österreich, immerhin über 4 % des deutschen BIP.

Konsum "auf Kredit"

Eine weitere negative Konsequenz aus dem Konsumboom in manchen Ländern ist die Tatsache, dass nicht der gesamte Konsum durch Einkommenszuwächse bezahlt wurde, vieles ging "auf Kredit". Der starke Anstieg der Schulden etwa Griechenlands war nur zum Teil auf den Staat, sondern auch auf Firmen und private Haushalte zurückzuführen. Jeder trug rund ein Drittel zum Anstieg von 163 % bei.

In Spanien und Portugal spielte der Anstieg privater Schuld sogar noch eine stärkere Rolle. Aber auch hier zeigt sich wieder das gleiche Bild. Allen voran lag der Anstieg der Schulden in Deutschland mit 24%, aber auch in Österreich mit 45 % deutlich unter den Konsumländern, wobei die privaten Haushalte in Deutschland sich in den letzten zehn Jahren überhaupt nicht zusätzlich verschuldeten. Dies schaffte Raum, andere zu finanzieren, etwa auch Griechenland.

In einem Boot

Diese Analyse zeigt, nicht nur der Euro ist dafür verantwortlich, dass Länder wie Griechenland und Deutschland in einem Boot sitzen.
Der Euro dürfte jedoch wesentlich dazu beigetragen haben, dass beide Seiten dieses Ungleichgewicht länger aufrecht erhalten konnten als ohne eine gemeinsame Währung. Dementsprechend sind nun auch das Leid und die Verwerfung größer, die Lösung schwieriger.

Zudem brauchen wir Lösungen für:

  • Die Überschuldung mancher Länder
  • den Abbau des Ungleichgewichts
  • eine ernsthafte wirtschaftspolitische Koordination im Euroraum
  • einen bindenden Pakt für die Staatshaushalte.

Zur Disposition steht nicht weniger als die Gemeinschaftswährung.